ADB:Lorenz

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Artikel „Lorenz“ von Colmar Grünhagen in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), S. 172–174, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lorenz&oldid=- (Version vom 18. Juli 2019, 13:21 Uhr UTC)
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Lorenz, Bischof von Breslau, 1207–1232. Daß er von Geburt ein Pole gewesen, ist auf die bloße Autorität des Krakauer Canonicus Dlugosz hin nicht ohne Weiteres zu glauben. Derselbe hat in seinen Lebensskizzen der Breslauer Bischöfe sich viele Einzelheiten notorisch geradezu erfunden und andererseits das ganze Büchlein in der tendenziösen Absicht geschrieben nachzuweisen, wie große Verdienste sich die Polen um die Breslauer Kirche erworben. Bis zu seiner Wahl zum Bischofe war L. Domherr zu Breslau. Die Hauptbedeutung seiner Regierung liegt darin, daß von ihm die Begrenzung der einzelnen Kirchsprengel, also thatsächlich die Durchführung der kirchlichen Organisation ausgegangen ist, wenngleich nur von einzelnen solcher Festsetzungen die Urkunden sich noch erhalten haben. Natürlich hing hiermit die Regulirung der Zehntverhältnisse zusammen, an denen wiederum die Bischöfe ein um so lebhafteres Interesse nahmen, als die gerade damals im Anfange des 13. Jahrhunderts immer zahlreicher werdenden Anlegungen deutscher Colonistendörfer der Kirche sehr ansehnliche Einnahmen brachten. Hatten Lorenz’ Vorgänger die Bedeutung derselben unterschätzt und solche Neubruchzehnten leichtsinnig verschenkt, so nahm jetzt L. sich auf das Eifrigste dieser Sache an und verfolgte sein Interesse so weit, daß der Landesfürst Herzog Heinrich I. 1225 bei dem Papste sich beschwerte, die unbilligen Zehntansprüche des Bischofs gefährdeten seine gesammten Colonisationspläne, hinderten ihre Weiterführung, ja ließen sogar das bereits Begonnene verkümmern. Das Resultat der vom päpstlichen Hofe angeordneten Vermittelung war dann die Ablösung des Naturalzehntens durch Zahlung einer Viertelmark Silbers jährlich [173] von jeder neubebauten Hufe, ein Abkommen, das dann dauernd geblieben ist, wie oft auch noch später die geistlichen Gewalten, welche sich bei dem Naturalzehnten ungleich besser standen, dasselbe umzustürzen sich bemüht haben. Von dem Oppelner Herzoge Kasimir erlangte Bischof L. die Schenkung eines ansehnlichen Gütercomplexes in Oberschlesien, des sogenannten Ujester Haltes, und von Herzog Heinrich I. wenigstens einen Antheil an den landesherrlichen Rechten in dem eigentlichen Kirchenlande, dem Neiße-Ottmachauischen Gebiete (1230). Bei dem Versuche den Glanz seines Bisthums dadurch zu erhöhen, daß er demselben den ersten Rang unter den Suffraganen des Gnesener Sprengels sicherte, scheiterte er, obwol der Erzbischof Vincenz von Gnesen ihn begünstigt; die römische Curie entscheidet zu Gunsten des Bischofs von Krakau (etwa 1228). Um die Gründung des Ordensstaates Preußen hat er sich gewisse Verdienste erworben und 1222 an der Seite des Herzogs Heinrich I. oder Bischofs Lorenz von Lebus einen erfolgreichen Kreuzzug nach dem Culmer Lande mitgemacht. Seinen Eifer in der Ausübung seiner Pflichten als geistlicher Oberhirt in Schlesien bezeugen die auffallend zahlreichen uns erhaltenen Nachrichten über Einweihungen neuer Kirchen, die er persönlich vollzogen. Bei vielen derselben erfahren wir von Schenkungen von Zehnten an dieselben durch den Bischof und dürfen sicher sein, daß derselbe die Erbauung der Kirchen vielfach gefördert hat. Die Stadt Breslau dankt ihm aller Wahrscheinlichkeit die Gründung einer ihrer Hauptkirchen, der zu Maria Magdalena, als Ersatz für die Adalbertskirche, welche er 1226 den Dominikanern einräumte. (Grünhagen, Anfänge der Pfarrkirchen zu Maria Magdalena und Elisabeth. Abhandlungen der schlesischen vaterländischen Gesellschaft, 1867.) Die erwähnte Schenkung an die Predigermönche war um so bedeutsamer, als sie diesem nachmals so einflußreich gewordenen Orden den Weg nach Schlesien bahnte. In gleicher Weise hat L. die Cistercienser begünstigt, welche sich um die Urbarmachung des Landes und die Einführung deutscher Cultur große Verdienste erwarben. Die Klöster von Leubus, Trebnitz und das unter seiner Mitwirkung gestiftete Kloster Heinrichau haben zahlreiche Privilegien des Bischofs aufzuweisen. Auch die Prämonstratenser haben eigentlich erst in Bischof Lorenz’ Zeit in dem Vincenzstifte vor Breslau festen Fuß gefaßt, nachdem sie sich mit den Benedictinern, denen sie hier nachfolgten, definitiv auseinander gesetzt, und das erste Nonnenkloster dieses Ordens fand gleichfalls damals (1228) in Czarnowanz bei Oppeln eine bessere und würdigere Stätte, als es bisher in Rybnik gehabt hatte. L. hat auch (1210) die Augustinerpropstei zu Kamenz ins Leben gerufen und reich dotirt, aus der dann nachmals in den Händen der Cistercienser eine stattliche Abtei geworden ist. An die Zeit des Bischofs L. knüpfen sich auch die ersten Anfänge einer Fürsorge für Arme und Kranke, ohne daß wir bei der Dürftigkeit der Quellen den bestimmten Antheil, den der Bischof daran genommen, im Einzelnen nachzuweisen vermöchten. Von dem Heiligengeisthospital zu Breslau (gegründet um 1214), vielleicht der ersten Niederlassung dieses wohlthätigen Ordens in Deutschland, wissen wir wenigstens soviel, daß Bischof L. dasselbe reich beschenkt hat (1221). Um 1226 folgte dann eine weitere Hospitalstiftung in Neiße für den Orden der Hüter des heiligen Grabes, die Kreuzherren mit dem doppelten rothen Kreuze, und es ist sehr möglich, daß das Aussätzigenspital zu Neumarkt, welches uns kurz nach des Bischofs Tode zuerst urkundlich begegnet, schon zu Lorenz’ Zeit ins Leben gerufen worden war. Bischof L. starb den 4. Juni 1232 angeblich auf seinem Landsitze Preichau. Die wunderliche Nachricht, daß er durch zu häufiges Einathmen von Rosenduft sich ein „ein Rheuma“ zugezogen habe, dem er erlegen sei (Wattenbach, Monum. Lubens. p. 12) läßt sich, wie es scheint, nicht weiter als bis auf den polnischen Chronisten Dlugosz [174] zurückführen, der gerade auch bezüglich der letzten Schicksale der von ihm geschilderten Breslauer Bischöfe sich recht erfinderisch zu zeigen pflegt.

Grünhagen, Regesten zur schles. Geschichte, 2. Aufl. (cod. dipl. Siles. VII).