ADB:Märker, Karl Friedrich Traugott

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Artikel „Maercker, Karl Friedrich Traugott“ von Julius Großmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 20 (1884), S. 304–305, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:M%C3%A4rker,_Karl_Friedrich_Traugott&oldid=- (Version vom 21. Oktober 2019, 06:00 Uhr UTC)
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Maercker: Karl Friedrich Traugott M., königl. preußischer Hausarchivar und Geheimer Archivrath, geb. zu Meiningen am 11. August 1811 als Sohn eines Lehrers, starb zu Bayreuth den 17. Mai 1874. Durch seine Mutter ein Enkel des berühmten Pädagogen Salzmann genoß M. seinen ersten Unterricht zu Schnepfenthal, absolvirte sodann das Gymnasium zu Gotha und studirte darauf in Leipzig, Jena und Breslau Philologie und Geschichte. Als er im J. 1835 mit seiner Doctordissertation: „De Theodectis Phaselitae vita et scriptis“ Vratislaviae, M. Friedländer. 1835. 8°. 65 S. seine Universitätsstudien beschlossen hatte, wollte er ein Lehramt in Ratibor übernehmen; die Regierung versagte ihm indessen die Anstellung wegen seiner früheren Theilnahme an einer verbotenen Studentenverbindung. Gezwungen sich nunmehr eine andere Existenz zu suchen, nahm er eine Stellung als Reisebegleiter eines jungen Grafen von Wallwitz an, den er drei Jahre lang durch Frankreich und die Niederlande und zurück nach Dresden begleitete. Hier ließ sich M. zunächst nieder, um durch wissenschaftliche Forschungen in der sächsischen Geschichte sich einen Namen und schließlich eine feste Stellung zu erwerben. Er gedachte sein Leben der sächsischen Geschichte zu widmen, um, wie er meinte, sie von Grund aus neu aufzubauen. Nach mehrjährigen eifrigen litterarischen und archivalischen Studien erschienen als erste schöne, aber auch einzige Frucht: „Diplomatisch-kritische Beiträge zur Geschichte und Staatsrecht von Sachsen, 1. Bd.: Das Markgrafthum Meißen. Aus archivalischen Quellen. Nebst Urkundenbuche“, Leipzig 1843, Brockhaus. 38¾ Bg. Als M. sich aber auf Grund dieser Leistung bei der sächsischen Regierung darum bewarb, auf Staatskosten und mit fester jährlicher Unterstützung eine Regesten-Sammlung sämmtlicher Urkunden über Sachsen bis zum Jahre 1423 anzulegen, welche 15 000 Urkunden umfassen und, mit Commentaren versehen, binnen fünf Jahren vollendet werden sollte, erhielt er wiederum einen abschläglichen Bescheid. Da brachte ihn ein Zufall, anscheinend die gegenseitige Zusendung ihrer Schriften, in Beziehung zu dem königl. preußischen Kammerherrn Freiherrn von Stillfried, welcher damals seit Jahren bereits den Stoff zu einem Quellenwerke für die Geschichte des preußischen Königshauses sammelte, – Beziehungen, welche für die gesammte weitere wissenschaftliche und persönliche Entwickelung seines Lebens maßgebend wurden. Stillfried erkannte sogleich die wissenschaftliche Tüchtigkeit Maercker’s und nahm ihn zunächst in seine persönlichen Dienste. Als Ersterer dann im J. 1844 von S. M. dem Könige Friedrich Wilhelm IV. von Preußen den Auftrag erhielt, die älteren Documente seines Hauses, welche in den Archiven der deutschen Staaten zerstreut waren, aufzusuchen und im Original oder Abschrift zu erwerben, theils für die längst geplante Herausgabe der Monumenta Zollerana theils um sie in dem neu zu begründenden königlichen Hausarchive aufzubewahren, wurde M. mit Allerhöchster Genehmigung als „Gehilfe“ Stillfrieds angenommen, mit der Verpflichtung, eine Anzahl Archive zu dem gedachten Zwecke zu bereisen. – Es folgten Jahre eifriger Studien in den deutschen, namentlich bairischen Archiven, in welchen sich die alten Documente der Burggrafen von Nürnberg und Grafen von Hohenzollern befanden. Die reichen urkundlichen Schätze, welche in dieser Zeit mit ausgezeichnetem Fleiße gesammelt wurden, liegen uns vor in den bekannten Monumentis Zolleranis, welche in den [305] Jahren 1851–1861 in sieben Quartanten in prächtiger Ausstattung erschienen sind. Die Urgeschichte unseres erlauchten Kaiserhauses wurde damit in der That, soweit die Documente überhaupt noch vorhanden oder zu erreichen waren, urkundlich festgestellt. Ein dauerndes Verdienst um dieses und die historische Wissenschaft hat M. sich dadurch erworben. Als Vorläufer der Monumenta und zur Berichterstattung über die gemachten Reisen waren bereits im Jahre 1847 „Hohenzollersche Forschungen“ von R. Freiherrn von Stillfried und Dr. T. Märcker. Thl. 1. Schwäbische Forschungen, Berlin 1847. 8°. 256 S. erschienen, welche die für die älteste Geschichte des königlichen Hauses zu erwartenden Resultate in umfassender und gründlicher Weise darlegten. Im Anschluß an diese, das preußische Königshaus betreffenden wissenschaftlichen Arbeiten hatte sich inzwischen auch die persönliche Lebensstellung Märcker’s entwickelt. Als das geplante königliche Haus-Archiv 1847 in der That begründet und eingerichtet wurde, erhielt M. 1848 endlich die lang ersehnte feste Anstellung durch seine Ernennung zum königl. Hausarchivar. 1852 wurde er zum Archivrath und bereits 1855 zum Geheimen Archivrath und Mitgliede des neu gegründeten Heroldsamtes ernannt. Dreizehn preußische und fremdländische Orden wurden ihm im Laufe der Zeit zu Theil. – Außer den angeführten größeren Arbeiten verdanken wir ihm noch eine Reihe kleinerer. So unter dem Pseudonom „Paul Theodor Marck“: „Das Stammschloß Hohenzollern, seine Gegenwart und Vergangenheit“, Hechingen 1846 (3½ Bg.) und wenige Jahre später: „Der gräflich fürstlich königliche Stamm der Hohenzollern. Ein historischer Beitrag“, Hechingen 1849 (55 S.). Unter demselben Namen erschien auch im J. 1853 das Schriftchen: „H. Haas' Abenbergische Phantasien über die Abstammung des Preußischen Königshauses vom Hohenzollerischen Standpunkte beleuchtet“, Berlin (50 S.). Familienereignisse des königlichen Hauses gaben ihm Veranlassung zu folgenden kleineren Schriften: „Die Stammmütter der deutschen Herrscher-Geschlechter vom Geblüte der Hohenzollern“, Berlin 1856. Imp. 4. 16 S.; „Albrecht der Schöne, Burggraf von Nürnberg, Miterbe der Hennebergisch-Coburgischen Lande“, Berlin 1858. Fol. 42 S.; „Eitelfriedrich II., Graf zu Hohenzollern, des h. R. Reichs Erbkämmerer und Markgräfin Magdalene von Brandenburg“, Berlin 1858. Imp. 4. 20 S.; „Die Wahlsprüche der Hohenzollern. Zur Feier der Krönung des Königs Wilhelm I.“, Berlin 1861. 8. 22 S.; „Sophie von Rosenberg, geb. Markgräfin von Brandenburg. Aus böhmischen Quellen“. Berlin 1861. 8. 40 S. und „Die silbernen Hochzeiten im Königshause der Hohenzollern. Zur Feier des 11. Juni 1854“, Berlin 1854. Imp. 4. 11 S. Außerdem ist M. der Verfasser einer Reihe von Artikeln und Aufsätzen in Berliner Zeitungen und wissenschaftlichen Zeitschriften, welche fast sämmtlich das preußische Königshaus betrafen. Als im Jahre 1866 durch den Friedensvertrag Preußens mit Baiern dem Ersteren ein Theil der, in Bamberg befindlichen, Archivalien des ehemaligen Plassenburger Archives, zurückerstattet werden sollte, wurden M. die bezüglichen Verhandlungen mit der bairischen Archivverwaltung übertragen, und alte Hausarchivalien dem rechtmäßigen Besitzer wiedergewonnen (1868). Bald darauf von einem unheilbaren Augenleiden befallen, welches mehrfache Operationen nöthig machte, schien seine Kraft gebrochen zu sein. Er nahm 1873 seinen Abschied und starb bereits im folgenden Jahre. Geschickt in der Auffassung historischer Aufgaben, gewandt in der Darstellung und mit einem umfassenden Wissen ausgestattet gebührt M. ein hervorragender Platz unter den Historikern seiner Zeit. – M. war mit einer Freiin von Aufseß vermählt und hinterließ einen Sohn.

Privatcorrespondenzen.