ADB:Stillfried-Alcantara, Rudolf Maria Bernhard Graf von

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Artikel „Stillfried-Alcantara, Rudolf Maria Bernhard Graf von“ von Colmar Grünhagen in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 36 (1893), S. 246–247, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Stillfried-Alcantara,_Rudolf_Maria_Bernhard_Graf_von&oldid=- (Version vom 21. September 2019, 07:47 Uhr UTC)
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Stillfried: Rudolf Maria Bernhard Graf v. St.-Alcantara, kaiserlicher Oberceremonienmeister und Schriftsteller, † 1882. Geboren am 14. August 1804 zu Hirschberg in Schlesien, wo er auch den ersten Unterricht empfing, der dann im Sommer auf dem Schlosse zu Rückers in der Grafschaft Glatz fortgesetzt wurde. Vom 15. Jahre an hat er dann das Matthias-Gymnasium zu Breslau 1818, die Ritterakademie zu Liegnitz 1819 und das katholische Gymnasium zu Coblenz besucht und von dem letzteren aus 1824 die Universität zu Breslau bezogen, um dem Studium der Rechte obzuliegen, wenn ihn gleich seine Neigungen mehr zur Mathematik und der Kunstgeschichte hinzogen und auch eine nicht gewöhnliche Anlage zum Zeichnen Pflege und Ausbildung heischte. Aber schon 1830 gab er die Universitätsstudien auf, um, früh vermählt, auf Gütern in dem schönen Berglande der Jauer’schen Gegend das Leben eines Landedelmanns zu beginnen. Hier ward es nun von entscheidender Bedeutung, daß er in Fischbach am Hoflager des Prinzen Wilhelm dem damaligen Kronprinzen, nachmaligen König Friedrich Wilhelm IV., vorgestellt wurde. Der Letztere fand in dem jungen Edelmann verwandte Neigungen, und Stillfried’s Aufenthalt in Berlin im Winter 1833/34 führte dazu, daß ihm die Herausgabe von Werken für die Geschichte des preußischen Königshauses, für die sich der Kronprinz interessirte, anvertraut ward, und unter seinem Namen erschien von 1838 an das prachtvoll ausgestattete Werk „Alterthümer und Kunstdenkmale des Hauses Hohenzollern“, sowie auch die urkundlichen „Monumenta Zollerana“ (1840–42), welche letztere später in Gemeinschaft mit T. Märker noch einmal in ungleich reicherer Form herausgegeben worden sind. Besonders schätzte Friedrich Wilhelm IV. Stillfried’s genealogische und heraldische Kenntnisse und übertrug ihm sogleich nach seiner Thronbesteigung die stilvollere Gestaltung der preußischen Staatssiegel und Wappen. Ceremonienmeister seit 1843, ward er 1853 zum Oberceremonienmeister ernannt, 1854 Vorstand der für Adels- und Standessachen neu gegründeten Behörde des Heroldsamtes und 1856 Mitglied der General-Ordens-Commission. Auch das 1852 als selbständige Behörde ins Leben gerufene königliche Hausarchiv hat unter seiner Leitung bis 1868 gestanden. St. hat dann auch an mehreren Restaurationen alter Bauwerke, welche der kunstsinnige Friedrich Wilhelm IV. ausführen ließ, theilgenommen, so an der Wiederherstellung der Burg Hohenzollern bis 1856, wo St. bei der Einweihung der Burg und der Uebergabe der Burgschlüssel an den König die Ansprache gehalten hat, desgleichen an dem Neubau des Münsters zu Heilsbronn in Franken, als eines Mausoleums des brandenburgischen Hauses, und der Kirche auf dem Petersberge bei Halle.

[247] Die von St. gepflogenen Verhandlungen bezüglich des Baues der Burg Hohenzollern mit den Fürsten von Hohenzollern, in deren Gebiet die Burg lag, hatten eine Verbindung auch mit diesen Fürsten herbeigeführt, und St. durfte sich rühmen, der Urheber und Träger des Gedankens der freiwilligen Abdication der beiden Fürsten von Sigmaringen und Hechingen gewesen zu sein, ja er vermochte des Ersteren Gunst in solchem Maaße zu gewinnen, daß er von demselben als Ministercommissar zum Geleit für die dem König von Portugal vermählte Prinzessin Stephanie von Hohenzollern nach ihrer neuen Heimath 1859 erkoren und infolge davon als Graf von Alcantara zum Granden von Portugal ernannt ward. Der Gunst seines Herrschers hatte er sich auch unter Wilhelm I. zu erfreuen, für dessen feierliches Krönungsfest zu Königsberg am 18. October 1861 er alle Veranstaltungen zu treffen hatte. Der Monarch hat es St. hoch angerechnet, daß derselbe, obwol er sich allezeit als guten Katholiken bekannte, doch auch in schwierigen Verhältnissen, wie z. B. bei den Verhandlungen über den Johanniter- resp. Malteserorden und in den Zeiten des Kulturkampfes seine Staatstreue immer bewährt hat. Der höchste Orden der Monarchie, der Schwarze Adlerorden, ward 1879 St. zu theil, und als mit vorrückendem Alter derselbe von seinem Hofamte entbunden zu sein wünschte, lehnte Kaiser Wilhelm das stets ab. So waltete St. denn im Winter zu Berlin seines Amtes, im Sommer vornehmlich auf seinem schön eingerichteten Schlosse Silbitz bei Nimptsch verweilend und unablässig mit litterarischen Arbeiten beschäftigt, denen er stets eine glänzende und dabei geschmackvolle Ausstattung zu geben beflissen war. So erschienen 1864 „Beiträge zur Geschichte des schlesischen Adels“ (hauptsächlich für die Adelsgeschichte des Glatzer Landes bedeutsam); 1869/70 eine reich illustrirte Stillfried’sche Familiengeschichte (2 Bände in Quart, deren zweiter ein Urkundenbuch enthält); 1873 eine ausführliche Darstellung des Krönungsfestes von 1861; von 1875 an eine in prachtvollstem Buntdrucke ausgeführte Vervielfältigung des Wappenbuches von Konr. Grünenberg aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts; 1877 Kloster Heilsbronn mit zahlreichen Illustrationen. Ueber einem neuen Prachtwerke u. d. T. „Die Hohenzollern und das deutsche Vaterland“, das er im Vereine mit Prof. Kugler von 1881 an herauszugeben begonnen, hat ihn der Tod ereilt am 9. August 1882 auf dem Heimwege von Wildungen, wo er vergeblich Heilung von beschwerlichen Leiden gesucht hatte.

Trotz mancher Ausstellungen, zu welchen die Art seiner litterarischen Production Anlaß gegeben, wird man ihm auch vom wissenschaftlichen Standpunkte aus nicht geringe Verdienste zusprechen dürfen. Er hat in einer Zeit, wo man in den obersten Gesellschaftskreisen für wissenschaftliche Arbeiten weder Interesse noch Geldmittel hatte, das eine zu erwecken und die anderen flüssig zu machen verstanden. Mit seinem schönen Prachtwerke „Alterthümer und Kunstdenkmale des Hauses Hohenzollern“ hat er für Werke dieser Art erst die Bahn gebrochen, und sein Interesse für derartige Arbeiten war ausgiebig genug, um ihn selbst zu Geldopfern zu veranlassen. Das schlesische Siegelwerk edd. v. A. Schultz und Pfotenhauer (2 Bände, 1871 und 1879) hat er nicht nur angeregt, sondern auch selbst die ansehnlichen Kosten getragen.

Nachrichten über seinen Lebensgang hat er selbst im ersten Bande seiner Familiengeschichte gegeben.