ADB:Müller, Hans

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Artikel „Müller, Hans Emil Felix“ von Hermann Arthur Lier in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 52 (1906), S. 503–504, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:M%C3%BCller,_Hans&oldid=- (Version vom 24. Juni 2021, 21:50 Uhr UTC)
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Müller: Hans Emil Felix M. wurde am 18. September 1854 zu Köln a. Rh. als Sohn des bekannten Dichters Wolfgang Müller von Königswinter geboren. Nachdem er die Gymnasien zu Köln und Wiesbaden besucht hatte, erkrankte er im J. 1873 an einem Lungenleiden und sah sich infolge dessen genöthigt, fast drei Jahre hindurch nur seiner Wiedergenesung an verschiedenen Curorten der Schweiz und Italiens zu leben. Als er sich gekräftigt genug fühlte, bezog er die Universität Leipzig, an der er wie später in Bonn hauptsächlich philosophische und kunstgeschichtliche Studien betrieb. Nachdem er in Leipzig promovirt hatte, ließ er sich als Kunstkritiker in Frankfurt a. M. nieder, wo er für die „Frankfurter Presse“ schrieb und eine Wochenschrift für Städtewesen, „Die Stadt“, herausgab. In Frankfurt verlegte er sich auch auf musikwissenschaftliche Studien, in deren Interesse er mehrmals größere Reisen durch Deutschland und das Ausland unternahm. Als Frucht derselben haben wir hauptsächlich die drei folgenden Abhandlungen zur Geschichte der mittelalterlichen Musik anzusehen: „Die Musik Wilhelm von Hirschaus. Wiederherstellung, Uebersetzung und Erklärung seines musik-theoretischen Werkes“ (Frankfurt a. M. 1883), „Hucbalds echte und unechte Schriften über Musik“ (Leipzig 1884) und „Eine Abhandlung über Mensuralmusik in der Karlsruher Handschrift St. Peter pergamen 29 a“. Die letzte dieser Arbeiten veröffentlichte M. in dem 6. Bande der „Mittheilungen aus der Großherzoglich Badischen und Landesbibliothek und Münzsammlung, hrsg. von W. Brambach und A. Holder“, da er 1885 an der Karlsruher Landesbibliothek eine Anstellung gefunden hatte; doch gibt es auch eine Sonderausgabe davon (Leipzig 1886). Noch in demselben Jahre, 1885, wurde er an die musikalische Abtheilung der königl. Bibliothek in Berlin berufen. Seltsamer Weise gab er [504] jedoch seitdem keine musikgeschichtlichen Werke mehr heraus; vielmehr kehrte er zu seiner schon früher betriebenen Beschäftigung mit der Poesie zurück, indem er ein Lustspiel („Der König schläft“, 1867) zu seinen früheren Dramen hinzufügte. Auch ließ er eine illustrirte Sammlung „badischer Fürstenbildnisse“ (Karlsruhe 1888–1892) in zwei Bänden erscheinen. Im J. 1889 zum Professor ernannt, übernahm er die Vorlesungen für Musikgeschichte an der kgl. Hochschule für Musik in Berlin. Am 1. October 1893 wurde er mit der Vertretung des erkrankten Robert Dohme beauftragt und erhielt am 2. April 1894 als dessen Nachfolger die Ernennung zum ersten ständigen Secretär der kgl. Akademie der Künste in Berlin. In dieser Stellung beschäftigte er sich auf das eingehendste mit der bisher noch wenig bekannten Geschichte dieser ältesten deutschen Kunstanstalt und veröffentlichte zur Erinnerung an ihr zweihundertjähriges Bestehen wenigstens noch den ersten Theil einer Festschrift, die den Titel führt: „Die königliche Akademie der Künste zu Berlin 1696 bis 1896“ (Berlin 1896). Leider konnte er auch nur den ersten Band seiner etwas zu breit angelegten, aber auf sorgfältigen Quellenstudien beruhenden Biographie Wilhelm Kaulbach’s (Berlin 1893) zu Ende führen, da er, noch nicht ganz dreiundvierzig Jahre alt, am 11. April 1897 zu Berlin an den Folgen der Influenza starb. Kurz vorher war er zum Ehrenmitglied der kgl. Akademie der schönen Künste in Antwerpen ernannt worden.

Ad. Hinrichsen, Das literarische Deutschland, 2. Aufl. Berlin 1891, Sp. 932, 933. – Frz. Brümmer, Lexikon d. deutschen Dichter u. Prosaisten des 19. Jahrhunderts, 5. Ausgabe. Leipzig, o. J. Bd. 3, S. 108. – Kunstchronik. Neue Folge. Leipzig 1897, Sp. 347. – Die Kunst für Alle. München 1897. Jahrg. 12, S. 13 und 263. – Chronik der kgl. Akademie der Künste zu Berlin 1896/97, S. 87, 88.