ADB:Mantel, Sebastian

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Mantel, Sebastian“ von Richard Heß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 20 (1884), S. 252–253, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Mantel,_Sebastian&oldid=- (Version vom 23. Januar 2021, 18:38 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Mantels, Wilhelm
Band 20 (1884), S. 252–253 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Sebastian Mantel in der Wikipedia
GND-Nummer 136048110
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|20|252|253|Mantel, Sebastian|Richard Heß|ADB:Mantel, Sebastian}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=136048110}}    

Mantel: Sebastian M., Forstmann, geb. am 15. Juli 1792 zu Langenprozelten (Unterfranken), † am 27. Juli 1860 zu Wasserlos; ein älterer Bruder des Vorigen. Auch er legte den Grund zu seiner künftigen Berufsbildung durch zweijähriges gründliches Studium auf der Forstlehranstalt zu Aschaffenburg (1810 bis 1811) und eine hierauf folgende zweijährige Praxis auf einem der dortigen Forstämter. Gern hätte er nun zur Verwerthung und Erweiterung seiner Kenntnisse eine forstliche Dienstesstellung übernommen, allein die kriegerischen Verhältnisse jener Zeit und seine warme Vaterlandsliebe für das geknechtete Deutschland drückten ihm das Schwert in die Hand. Im Corps der Spessarter Freiwilligen machte er den ersten und in der mobilen Legion des Fürstenthums Aschaffenburg den zweiten französischen Feldzug mit, erhielt das Armeedenkzeichen und verblieb als Oberlieutenant im 14. baierischen Infanterieregiment bis Schluß 1815 in Militärdiensten, um nun zu seinem ursprünglichen Berufe zurückzukehren. Im Januar 1816 erhielt er die Revierförsterstelle zu Obersteinbach, wurde bald darauf bei dem damaligen Oberforstamte, später bei der Regierung des Rheinkreises aushilfsweise verwendet und im Juli 1818 als Kreisforstcontroleur daselbst[WS 1] angestellt. Mit Beginn des Jahres 1822 erfolgte seine Beförderung zum Forstmeister zunächst in Hochspeyer, später zu Kaiserslautern; im November 1831 wurde ihm auf allerhöchsten Befehl die Verwaltung des wegen äußerst schwieriger Verhältnisse große Anforderungen an seine Umsicht und Arbeitskraft stellenden Forstamtes Kronach übertragen. Hier galt es, dem übermäßigen Localbedarf der Unterthanen an Holz ohne Bedrückung derselben Schranken zu setzen, um mehr Hölzer zur freien Verwendung zu behalten, die Absatzwege zu vermehren, die Floß- und Triftverhältnisse zu reguliren, die Forstservituten einzuschränken, die Cultur zu heben, überhaupt den ganzen forstlichen Betrieb in geordnetere Verhältnisse zu bringen und die forstlichen Erträge des Waldes ohne Beeinträchtigung der Productionskräfte zu steigern. In Anerkennung seiner nach allen diesen Richtungen hin entfalteten ersprießlichen Wirksamkeit wurde ihm 1842 der Verdienstorden des heiligen Michael zu Theil. Als die 1807 zuerst als Privatinstitut gegründete, kurze Zeit darauf zur (provisorischen) Staatsanstalt erhobene und 1832 wieder aufgehobene Forstlehranstalt zu Aschaffenburg im Jahre 1844 neu erstand, [253] wußte man zur Uebernahme des Directorpostens keine geeignetere Persönlichkeit, als Sebastian M., ausfindig zu machen. Auf diese Weise dem Lehramte zugeführt, gelang es ihm, nicht nur die Schwierigkeiten, mit welchen die junge Anstalt in den ersten Jahren ihres Bestehens zu kämpfen hatte, glücklich zu überwinden, sondern ihr auch einen ehrenvollen Platz unter den deutschen forstlichen Bildungsstätten zu erringen und ihre Frequenz zunehmend zu steigern. Nachdem die Bahn so geebnet war, sehnte er sich wieder in den ihm von jeher lieber gewesenen Forstverwaltungsdienst zurück. Dieser Wunsch wurde ihm am 23. März 1848 durch seine Ernennung zum Regierungs- und Kreisforstrath bei der königlichen Regierung der Pfalz erfüllt, mit deren Waldungen und forstwirthschaftlichen Verhältnissen er von seinen früheren dienstlichen Stellungen her bereits vertraut war. Ein 1858, wohl in Folge übermäßiger Anstrengungen im Dienste, sich einstellendes Leiden nöthigte ihn, für einige Monate der Ruhe zu pflegen; leider war ihm aber die Wiederaufnahme seiner Funktionen wegen zunehmender Kränklichkeit nicht mehr gestattet, weshalb er sich noch in demselben Jahre genöthigt sah, um seine Versetzung in den Ruhestand einzukommen, welche ihm am 20. Januar 1859 in ehrenvollster Weise zu Theil wurde. Den Rest seiner Tage verbrachte er unter der sorgsamsten Pflege bei seinem Sohn Albert (Revierförster) in Wasserlos. M. hat sich in allen dienstlichen Stellungen, welche er der Reihe nach bekleidete, durch rastlosen Eifer, unermüdliche Thätigkeit, gewissenhafte Amtsführung und große Sachkenntniß ausgezeichnet. Während seiner Stellungen im ausübenden Forstdienste verließ ihn nie der Wissensdrang und das Bestreben, das von ihm für richtig Erkannte in der Praxis anzuwenden. Als Director und erster Professor der Forstlehranstalt bemühte er sich, stets die praktischen Ziele im Auge behaltend, seinen Zöglingen ein Vorbild in Erfassung und Pflege der Wissenschaft zu sein. Leider verhinderte ihn eine übermäßige Bescheidenheit, die seinen Vorlesungen zum Grunde gelegten Hefte über Waldbau und Forsteinrichtung im Drucke erscheinen zu lassen, doch sind wir über die bewährten Grundsätze, welchen er hierbei folgte, durch die von seinem Amtsnachfolger Karl Stumpf veranstaltete Herausgabe einer „Anleitung zum Waldbau“ (1850, später in mehren Auflagen erschienen) unterrichtet worden.

Abendblatt zur Neuen Münchener Zeitung vom 31. Juli 1860 (dieser mit F. M. unterzeichnete Nekrolog ist in mehrere forstliche Blätter übergegangen). – Fr. v. Löffelholz-Colberg, Forstl. Chrestomathie, II. S. 339, Bemerkung 276b. – G. von Schwarzer, Biographien, S. 18. – Bernhardt, Geschichte des Waldeigenthums etc. III. S. 366, Bemerkung 33.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: daselst