ADB:Marbach, Johann

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Artikel „Marbach, Johann“ von Heinrich Holtzmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 20 (1884), S. 289–290, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Marbach,_Johann&oldid=2486139 (Version vom 24. November 2017, 13:09 Uhr UTC)
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Marbach: Johann M., Führer der Straßburger Lutheraner, geb. am 24. August 1521 zu Lindau, † am 17. März 1581 zu Straßburg, besuchte 1536–1539 das Straßburger Gymnasium, studirte seit 1539 in Wittenberg, als einer der Haus- und Tischgenossen Luther’s, Theologie, promovirte 1543 unter Luther’s Vorsitz, ging über Isny, wo er 1543–1545 Pfarrer war, [290] aber mit dem Magistrat zerfiel, nach Straßburg als Diaconus an der Nicolaikirche; 1551 war er einer der Abgesandten Straßburgs zum Tridentiner Concil und wurde nach Hedio’s Tod 1552 Professor der Theologie und Präsident des Straßburger Kirchenconvents. Der eifrige, aber nach Melanchthon’s Urtheil nicht hinreichend unterrichtete (mediocriter doctus) Mann setzte sich Beseitigung der Tetrapolitana und aller zum schweizerischen Typus neigenden Lehrweise und Liturgie zur Lebensaufgabe. Sein bisher noch nicht veröffentlichtes Diarium zeichnet ihn als einen aufrichtigen Christen, aber auch als einen streitsüchtigen Theologen. Sein Versuch, das Controversbuch des lutherischen Zeloten Tileman Heßhus über die leibliche Gegenwart Christi im Abendmahl mit Umgehung der Censur und unter Angabe eines falschen Druckortes einzuschwärzen (1561), trug ihm einen Streit mit dem reformirten Professor Zanchi über die Prädestination ein; derselbe endigte mit dem Abgang des letzteren 1563. Den französischen Prediger Garnier hatte er schon 1555, den Petrus Martyr Vermigli 1556 aus Straßburg verdrängt. Beinahe wäre über ihn selbst das Urtheil der Heterodoxie ergangen, als er 1568 für die Lehre des Flacius von der Erbsünde eintrat. Für die Annahme der Concordienformel suchte er Predigerschaft und Rath der Stadt zu gewinnen, was ihm 1577 wenigstens bei ersterer gelang; im gleichen Jahre wurde auf sein Betreiben der reformirte Gottesdienst in Straßburg ganz untersagt. Auch beteiligte sich M. in der Kurpfalz 1556 an der Einführung der Reformation und 1576 an der Zurückführung der Landeskirche zum Lutherthum. „Bei der Norm und Regel ist er steif geblieben und weder zur Rechten noch zur Linken davon abgewichen“ – heißt es in der Leichenrede. Beweis hierfür liefern seine Schriften: „Christlicher und wahrhafter Unterricht von den Worten der Einsetzung des heil. Abendmahls“ (1565) und im Anschlusse hieran: „Christlicher Unterricht und wahrhaftige Erweisung etc.“ (1567). Sein lebensgroßes Bildniß hängt noch heute in der Capitelstube von St. Thomas.

Vgl. Röhrich, Geschichte der Reformation im Elsaß (3. Theil 1832); E. Schmidt, Der Antheil der Straßburger an der Reformation in der Kurpfalz (1856); Treuß, Situation intérieure de l’église luthérienne de Strasbourg sous la direction de M. (1857); auch in der Zeitschrift für lutherische Theologie und Kirche 1872, S. 64–94, 286–310, 441–461; R. Reuß, Notes pour servir à l’histoire de l’église française de Strassbourg 1538–1744 (1880).