ADB:Maria de Austria

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Maria de Austria“ von Wilhelm Maurenbrecher in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 20 (1884), S. 365–366, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Maria_de_Austria&oldid=- (Version vom 16. September 2019, 23:07 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Maria Theresia
Nächster>>>
Maria Elisabeth
Band 20 (1884), S. 365–366 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Maria von Spanien (1528–1603) in der Wikipedia
GND-Nummer 101103573
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|20|365|366|Maria de Austria|Wilhelm Maurenbrecher|ADB:Maria de Austria}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=101103573}}    

Maria, deutsche Kaiserin, war eine Tochter Karls V., geb. am 21. Juni 1528 in Madrid; sie wurde mit ihrem 13 Monate älteren Bruder Philipp zusammen erzogen und unterrichtet. Schon früh war die Verheirathung dieser Tochter von Karl in seine politischen Berechnungen und Erwägungen hineingezogen worden: dabei hatte man von ihrer Ausstattung entweder mit Mailand oder mit den Niederlanden geredet. Unter den verschiedenen Bewerbern entschied Karl sich 1547 für seinen Neffen, Ferdinands ältesten Sohn, Erzherzog Maximilian (s. d. Art.). Der Ehevertrag wurde während des Reichstages in Augsburg am 21. April 1548 abgeschlossen und am 4. Juni ratificirt; M. hatte auf die Länder ihres Vaters völligen Verzicht urkundlich am 17. September 1548 zu leisten: jede territoriale Mitgift war ausgeschlossen, nur eine Gelddotation in spanischer Rente ihr gewährt. Im Juni reiste Maximilian nach Spanien; die Hochzeit fand am 13. September in Valladolid statt. Das junge Paar führte für einige Zeit die Verwaltung in Spanien – natürlich nur in rein formaler Beziehung. Zärtlichste Zuneigung band bald die beiden jungen Leute aneinander; im Verlauf zweier Jahrzehnte sind ihnen 15 Kinder geboren. Als Maximilian im November 1550 nach Deutschland zurückging, führte M. allein die spanischen Verwaltungsgeschäfte weiter, bis Philipp sie in denselben ablöste. Im Sommer 1551 kam Maximilian zum zweiten Male nach Spanien, seine Frau sich zu holen. Im Herbst kehrte er mit der Frau über Genua, Trident und durch Tirol in die österreichische Heimath zurück. Eine selbständige politische Rolle zu spielen fand M. keine Gelegenheit; aber ihr Wort war von großem Einfluß bei ihrem Gatten. Daß derselbe eine Weile im Begriff zu stehen schien, seinen Uebertritt ins protestantische Lager zu vollziehen, erregte der Spanierin großen Kummer; mit allen Mitteln arbeitete sie an seiner Bekehrung oder Festhaltung auf katholischer Seite. M. hatte sich einen Hofstaat aus Spanien mitgebracht; besonders den Posten des Beichtvaters versah ein spanischer Geistlicher; sie bot sich als Mittelsperson oder Werkzeug dar, um die Politik des deutschen Kaisers Maximilian II. an die spanische Allianz zu binden. Darin beruht ihre historische Bedeutung für die deutsche Geschichte: sie beschwichtigte ihres Gatten Abneigung wider die spanischen Verwandten; sie blieb in stetem Verkehr mit Madrid; sie unterstützte alle Versuche, die von spanischer Seite gemacht wurden, um Maximilian zu katholischer Action zu treiben; sie half den Bemühungen, ihn von den Protestanten zu trennen; sie war es, welche 1562 die Sendung von zwei jungen Söhnen nach Spanien zu Stande brachte, die für Philipp das Unterpfand einer katholischen Haltung Maximilians bedeutete und ihren eigenen Kindern die Aussicht etwaiger Nachfolge in Spanien offen hielt. Ihre Haltung blieb in jeder Beziehung die gleiche, auch in der eigentlichen Regierungsperiode ihres Gatten (1564–1576); bei der Kaiserin fanden stets die katholischen Tendenzen warme Förderung. Einzelheiten anzuführen bleibt dem Artikel „Maximilian II.“ überlassen. Nach dem Tode des Gatten war die Lage der Wittwe keine behagliche; sie war immer eine Spanierin, der jetzt der Rückhalt abging. So verlangte sie, sich nach Spanien zurückzuziehen. Erst 1581 konnte sie dies ausführen, begleitet von ihrer [366] jüngsten, 1569 geborenen Tochter Margaretha. Halb als Nonne, halb als Fürstin lebte sie dort. Ihre persönlichen Beziehungen zu ihrem Bruder Philipp II. gestalteten sich aber bei directer Berührung gar nicht erfreulich; sie bemühte sich ihren Sohn Kaiser Rudolf mit einer spanischen Prinzessin zu verheirathen; in Spanien meinte man, sie strebe nach der Regentschaft über Spanien, wenn König Philipp sterben sollte, ehe sein Thronfolger erwachsen. Philipp wollte sie auf seinem letzten Krankenlager gar nicht zulassen. Verbitterung umschloß ihre letzte Lebenszeit. Erst am 24. Februar 1603 starb sie in Madrid, beinahe 75 Jahre alt.