ADB:Mayer von Heldenfeld, Anton Freiherr

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Artikel „Mayer von Heldenfeld, Anton Freiherr“ von Adolf Schinzl in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 21 (1885), S. 130–132, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Mayer_von_Heldenfeld,_Anton_Freiherr&oldid=- (Version vom 20. November 2019, 19:12 Uhr UTC)
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Mayer: Anton Freiherr M. von Heldenfeld, k. k. Feldzeugmeister, wurde den 9. December 1764 zu Prag geboren und schloß den 2. Juni 1842 zu Verona sein im Frieden und Kriege, vorzugsweise auf dem umfangreichen Gebiete des Generalstabsdienstes, höchst verdienstvoll bethätigtes Leben. Hierzu befähigten ihn nächst seinen regen Geistesgaben die sorgsame Erziehung und Ausbildung, welche er während der Zeit von 1772–1783 in der Wiener Neustädter Militär-Akademie genossen hatte. Seine Aufnahme in diese Anstalt war aber eine Anerkennung des braven Verhaltens seines Vaters, Unterlieutenants bei Coburg-Dragoner, Johann M., welcher überdies 1777 auch noch in den Adelstand mit dem Prädikate „von Heldenfeld“ erhoben wurde. 1783 trat M. aus der genannten Akademie als Fähnrich in das Infanterieregiment Zedtwitz Nr. 13, 1788 stand er in der Oberlieutenantscharge beim Generalquartiermeisterstabe, und nachdem er 1790 in diesem Corps zum Hauptmann vorgerückt war, trafen ihn 1792–1795 außer den verschiedensten Verwendungen bei der kaiserlichen Armee in Deutschland und den Niederlanden auch noch mehrere besonders ehrenvolle Missionen zu den alliirten Heeren unter Prinz von Oranien, Generallieutenant v. Knobelsdorf und Herzog von York. Während dieser, zu vielseitiger Kriegserfahrung die Möglichkeit bietenden Epoche betheiligte sich M. nicht nur an der Ausarbeitung von Operationsentwürfen, Gefechtsplänen, Marsch- und Verpflegsdispositionen, sondern nahm auch persönlichen Antheil an der Mehrzahl der vorgefallenen Kämpfe. Noch im letztgenannten Jahre, 1795, avancirte M. in Belohnung seiner vorzüglichen Brauchbarkeit außertourlich zum Major, welcher Auszeichnung er sich schon im folgenden Jahre erneut würdig erwies. Denn er [131] wirkte 1796, stets belobt, anfänglich im Hauptquartier des Erzherzogs Karl, dann beim Corps des Feldmarschalllieutenants Sztáray. Speciell in der Schlacht bei Würzburg den 3. September veranlaßte Mayer’s gereiftes Urtheil und rechtzeitige Energie den Erzherzog Karl zur Ausfertigung des Zeugnisses, „daß der schnelle Entschluß und die zweckmäßigen Vorkehrungen, welche M. in Besetzung und Behauptung der Lengfelder Anhöhe am 3. September aus freiem Antriebe gefaßt, wesentlich zum glücklichen Ausgange der Schlacht beigetragen haben.“ M., welcher für diese Leistung durch die Beförderung zum Oberstlieutentnt und nach dem Lüneviller Frieden 1801 durch die Verleihung des Ritterkreuzes des Militär-Maria-Theresien-Ordens nebst Erhebung in den Freiherrnstand geehrt worden war, befand sich 1797 wieder im Hauptquartier des Erzherzogs Karl, 1799 aber als Generalquartiermeister im Corps des Feldmarschalllieutenants Sztáray. Hingebungsvolle, rastlose Ausdauer und nutzbringende Einflußnahme auf die operativen Maßnahmen kennzeichneten Mayer’s Thätigkeit in dieser Verwendung und erfolgte in Anerkennung derselben nach der Einnahme von Mannheim, 18. September, seine Ernennung zum Obersten. 1805 avancirte M. zum Generalmajor und bekleidete, weil mit der Kriegsweise Napoleons bestens vertraut sowie in Berücksichtigung seines Ansehens im Heere, zuerst die Stelle des Generalquartiermeisters bei der nach Deutschland bestimmten Armee; doch schon kurze Zeit nach seiner Ernennung hierzu wurde er, wol nur aus Ursache seiner mitunter derben, nicht jederzeit tactvollen Formen als Brigadier zum Corps des Feldmarschalllieutenants Jellachich nach Vorarlberg versetzt. Im Momente dieser ihn gewiß hart treffenden Verminderung seiner Befugnisse gab M. ein hervorhebenswerthes Beispiel von Mannhaftigkeit und Ergebenheit. Er verfügte sich unverweilt an seine neue Bestimmung und strebte nun auch den Aufgaben seines bedeutend geschmälerten Wirkungskreises nach besten Kräften gehorsam und pflichtgetreu gerecht zu werden, so namentlich den 11.–13. October während des Marsches längs der Iller und im Gefechte bei Ober-Kirchberg. Bald hierauf, im December 1805, wurde M. Generalquartiermeister des Kaisers und nach dem Preßburger Frieden, den 26. December, Generalquartiermeister der Armee. Hiermit sah sich M. in eine seiner Begabung, Erfahrung und Arbeitskraft entsprechende Sphäre erhoben. In dieser entwarf er den Plan zur Befestigung der Monarchie gegen Westen, sowie die Normen für die Befestigung von Komorn, Jablunkau und Leopoldstadt in Ungarn, und wußte es nach heftigen Auseinandersetzungen gegen Feldmarschalllieutenant Grünne durchzusetzen, daß 1807 nicht Salzburg, sondern vorerst Komorn in einen Centralwaffenplatz umgewandelt worden ist. Ferner wurde damals auf Mayer’s Antrag eine die Manövrirfähigkeit und den Dienstgang vortheilhaft fördernde Corpseintheilung im Heere eingeführt. M. fällt weiter das Verdienst zu, seit 1806 für die trigonometrische Aufnahme der Monarchie entschieden gesorgt zu haben. Und als es zum Feldzuge 1809 kam, da verfaßte M. einen auf die Natur des Kriegsschauplatzes und die Kräftevertheilung Frankreichs wohl berechneten offensiven Operationsplan, gerieth aber bei Vertretung desselben mit Feldmarschalllieutenant Grünne und Generalmajor Wimpffen in derartig ernste Mißhelligkeiten, daß er schon den 20. Februar seines Postens als Generalquartiermeister enthoben und als Festungscommandant nach Brood in Slavonien übersetzt wurde. Der erneuerte Erfolg seiner Gegner erschütterte keineswegs Mayer’s Pflichtbewußtsein; er übernahm entsagungsvoll das Commando zu Brood und nachdem er 1810 Feldmarschalllieutenant geworden war, die Inspecteurstelle in Galizien. Erst 1813 erfolgte wieder Mayer’s Berufung als Divisionär zur Armee im Felde; bei Leipzig am 16. und 18. October lobt General der Cavallerie Klenau „die angestrengte Thätigkeit und das einsichtsvolle Benehmen Mayer’s“; in der Schlacht am Mincio, 8. Februar 1814, [132] war M. vorerst bemüht den Vereinigungspunkt der Straßen über Castiglione und Roverbella festzuhalten, worauf er im gefährlichsten Augenblicke mannhaft die Offensive gegen den ihn in bedeutender Uebermacht bedrohenden Feind ergriff und Pellaloco nahm; später leitete er die Blokade von Legnago und Mantua, welch letztere Festung er dann bis zu seiner 1836 mit dem Charakter eines Feldzeugmeisters stattgehabten Pensionirung befehligte. M., der inzwischen noch wirklicher geheimer Rath und 1816 Inhaber des Infanterieregiments Nr.45 geworden war und fast seine ganze Dienstzeit hindurch des Erzherzogs Karl volles Vertrauen genossen hatte, erfreute sich bis zu seinem Tode der Verehrung des Heeres, welches seine in Derbheit, Starrsinn, sowie Mangel an jederzeitiger Gefügigkeit bestandenen Schwächen weit überragt wußte durch dessen gründliche Kenntnisse, scharf berechnenden Verstand, raschen Vorausblick, Kriegserfahrung, Mannhaftigkeit, Pflichttreue, Vaterlandsliebe und vielfache ruhmwürdige Leistungen.

Vaterländische Blätter f. d. österr. Kaiserstaat. Wien 1808. Hirtenfeld, Der Milit.-Maria-Theres.-Orden etc. Wien 1857. Die Schlacht am Mincio am 8. Febr. 1814 in Streffl. öst.-milit.Ztschft. 3. Bd. Wien 1861. Springer, Gesch. Oesterreichs etc. Leipzig 1868. Wurzbach, Biogr. Lex. d. Kaiserth. Oesterr. 18. Thl. Wien 1868. Schönhals, Der Krieg 1805 in Deutschland. Wien 1873. Heller, Feldzug 1809 etc. Wien.