ADB:Mayer von Mayerfels, Karl

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Artikel „Mayer von Mayerfels, Karl“ von Hyacinth Holland in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 21 (1885), S. 132–133, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Mayer_von_Mayerfels,_Karl&oldid=- (Version vom 16. Juni 2019, 03:03 Uhr UTC)
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Mayer von Mayerfels: Karl M. Ritter v. M., Dr. philos., Heraldiker, geb. am 18. Nov. 1825 zu München, Sohn des 1861 verstorbenen Banquiers und Fabrikbesitzers Joseph Ritter v. M., absolvirte Gymnasium und Universität daselbst, warf sich mit Vorliebe aus historische Studien, insbesondere Genealogie und Heraldik, in welch letzterer M. geradezu das Ansehen einer Autorität errang. Sein Hauptwerk „Heraldisches A-B-C-Buch, das ist: Wesen und Begriff der wissenschaftlichen Heraldik, ihre Geschichte, Litteratur, Theorie und Praxis“ (München 1857, mit 66 Farbendruck- und 100 Holzschnitt-Bildern. Zweite Auflage 1862, gr. 8°) sichert ihm den geachteten Namen eines gründlichen Fachgelehrten und Kulturhistorikers. M. geißelt mit Humor und beißender Ironie das mit dieser Kunst und Wissenschaft auch heute noch getriebene Unwesen und ertheilt den früheren Zopfträgern, wie den modernen Livree-Heraldikern schmackhafte Zurechtweisungen. Das Buch verwickelte ihn mit Dr. Otto Titan v. Hefner in einen gelehrten Streit, welcher von M. in einer eigenen Schrift (München 1863) ausgefochten wurde. Die Universität Freiburg belohnte sein Werk mit dem philosophischen Doctorhut; außerdem erwarb der hierfür mit einer besonderen Inclination begabte Autor eine stattliche Anzahl von europäischen Decorationen und Auszeichnungen. Die Sucht, seinem Namen viele Titel zuzufügen, verleitete ihn zum Ankaufe alter Burgen, Schlösser und ähnlicher Besitzungen, welche er meist umbaute und in guten Stand setzte und sich darnach benannte. So wurde er Herr zu Prößels auf Völs, Karneid ob Kardaun, Stein am Ritten, Hocheppansthurm, Alt-Meersburg am Bodensee, Schwaneck an der Isar und in Niederpöcking am Würmsee. Dabei eröffnete sich ein großer Spielraum für seine ausgedehnte Baulust, welcher er insbesondere nach Erwerb des Schlosses Schwaneck (1863) und der großen Meersburg (1878) die Zügel schießen ließ. Als leidenschaftlicher Sammler von mittelalterlichen Waffen und sonstigen culturhistorischen Merkwürdigkeiten brachte er eine ansehnliche Fülle von Harnischen, Helmen, Schilden und Schwertern zusammen, womit er Schwaneck vollständig überfüllte, so zwar, daß er bei seinem Abzug nach Meersburg eines Extrazuges mit dreißig vollgeladenen Waggons bedurfte. Als Mitglied vieler historischer Vereine und gelehrter Gesellschaften hielt M. eine große Anzahl von Vorträgen und verfaßte eine Reihe von kleineren historischen Abhandlungen und Aufsätzen z. B. [133] über „Die deutschen Reichsfarben“, über „Das Wittelsbacher Stamm-, Haus- und Geschlechts-Wappen“ (Konstanz 1880), auch war er längere Zeit Gemeinde-Bevollmächtigter der Stadt München, Landwehr-Oberstlieutenaut und Inspector des ersten Landwehrbezirkes von Oberbaiern (älterer Ordnung) u. s. w. Ihm war auch die Freude beschieden, den deutschen Kaiser, während dessen Aufenthaltes auf der Insel Mainau, im Schloß Meersburg zu empfangen, wobei der Burgherr, ganz geharnischt in Eisengewand, an der Spitze von hundert bewehrten Knappen und Knechten erschien, ein Schauspiel, welches in Verbindung mit der übrigen alterthümlichen Burgeinrichtung dem Monarchen sehr gefiel. Auch sonst überraschte M. seine Gäste gern durch ritterliches Spiel, und ein Turnier mit Speerbrechen und sonstiger ritterlicher Courtoisie kam wol auch auf Schwaneck vor. Seine Sprache war meist lapidar und sein Witz kaustisch, sein Herz aber immer treu und von trauter Gemüthlichkeit, wenn auch bisweilen seltsame Schrullen mit unterliefen. M. starb plötzlich, kurz nach seiner Ankunft in München, wohin er auf Besuch gekommen war, am 8. Februar 1883. Einer schon früher getroffenen letztwilligen Verfügung gemäß wurden alle seine Sammlungen Stück für Stück durch Dr. Carl Förster in mehreren Auctionen versteigert. Ein aus seiner Studentenzeit stammendes Portrait hat A. v. Heckel gezeichnet; ein anderes in mittleren Jahren ist seiner Heraldik beigegeben; eine von Th. Haf modellirte Büste erschien nach Mayer’s Ableben auf der Münchener Internationalen Kunstausstellung 1883. Eine Abbildung und Beschreibung des Neubau in Schwaneck findet sich in Nr. 35 von Ueber Land und Meer 1871.