ADB:Mentzer, Balthasar (Professor der Theologie und Superintendent in Gießen)

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Artikel „Mentzer, Balthasar der Aeltere“ von Paul Tschackert in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 21 (1885), S. 374, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Mentzer,_Balthasar_(Professor_der_Theologie_und_Superintendent_in_Gie%C3%9Fen)&oldid=- (Version vom 18. August 2019, 05:34 Uhr UTC)
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Mentzer: Balthasar M. der Aeltere († 1627), bekannter strenglutherischer Theologe im ersten Stadium der protestantischen Scholastik, wurde am 27. Februar 1565 zu Allendorf in Hessen geboren, studirte zu Marburg, erhielt eine Predigerstelle zu Kirtorf, 1596 eine Professur der Theologie in Marburg und 1607 eine solche an der eben gegründeten lutherischen Universität Gießen. Hier entfaltete er seine wichtigste Thätigkeit. Bei der Verlegung dieser Universität nach Marburg 1625 siedelte auch M. wieder dahin über und starb hier am 6. Januar 1627. M. stand dogmatisch auf dem Standpunkte der Concordienformel; sein Glaube an Christus deckte sich mit dem dort formulirten Dogma von Christus, das in der lutherischen Ubiquitäts- und Abendmahlslehre gipfelt. Von diesem Standpunkte aus hat dieser ehrenhafte und gelehrte, aber confessionell beschränkte Lutheraner seine zahlreichen, meist polemischen Schriften verfaßt, von denen die lateinischen durch seinen Sohn unter dem Titel „Opera theologica latina“ 1669 herausgegeben worden sind. Verglichen mit den gleichzeitig in Tübingen lehrenden orthodoxen Lutheranern, mit welchen er in einen christologischen Streit gerieth, ob die menschliche Natur Christi ihre göttlichen Eigenschaften angewandt habe oder nicht, zeigte er sich als den milderen Dogmatiker, der aus Wahrheitssinn die Realität der Menschheit des Gottmenschen aufrecht erhalten wollte. – Sein Sohn

Balthasar M. der Jüngere († 1679), am 14. Mai 1614 zu Gießen geboren, studirte seit 1628 zu Marburg, wurde hier 1640 Professor der Theologie, wirkte von 1648 an vier Jahre in derselben Eigenschaft in Rinteln und dann bis an seinen Tod an der eben restaurirten Universität Gießen. M. war nicht ausschließlich Gelehrter, sondern auch Weltmann, weshalb er vom hessischen Hofe öfter mit kirchlich-politischen Geschäften betraut wurde. Dogmatisch stand er auf dem Standpunkte seines Vaters, ohne indeß den Scharfsinn und die Gedankentiefe desselben zu erreichen.

Vgl. Gaß in Herzog’s Realencyklopädie IX (2. Aufl.), S. 593–597.