ADB:Meyer, Franz Joseph

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Artikel „Meyer, Franz Joseph“ von Placid Meyer von Schauensee in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 21 (1885), S. 571–572, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Meyer,_Franz_Joseph&oldid=- (Version vom 19. Oktober 2019, 04:47 Uhr UTC)
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Meyer: Franz Joseph M., in Luzern geb. 1672, † am 16. Februar 1741. M., einer patrizischen Familie Luzerns angehörend, deren erster bekannter Ahne schon 1395 Mitglied des Kleinen Rathes daselbst war, bekleidete seit 1700, in welchem Jahre er in den Großen Rath trat, eine Reihe öffentlicher Stellen in der Verwaltung des Freistaates, an dessen Regierung er seit 1709 theilnahm. Er war einer der vorzüglichen Vertreter der politisch-aristokratischen, aber kirchlich oppositionellen Anschauungen, in denen ein Theil des luzernischen Patriziates am Schlusse des siebzehnten und im achtzehnten Jahrhunderte einerseits dem Einflusse der Priesterschaft, andererseits demjenigen der demokratischen Urcantone der Schweiz auf Luzerns Volk und Staatswesen entgegentrat und dem Letzteren eine selbständigere Regierung und Politik zu vindiciren suchte. Ihre vorzüglichsten Beweggründe fand diese Partei in der Vergleichung der luzernischen Zustände mit denjenigen der protestantischen Städtecantone Zürich und Bern. Dort förderten Handel und Gewerbe den Wohlstand und die Bildung der Landesbevölkerung; hier stand eine reiche und mächtige Aristokratie, durch Waffendienst im[WS 1] Ausland und Einkünfte aus trefflich geordneter Verwaltung stark, an der Spitze ihres[WS 2] ausgedehnten Gebietes. Beides gab den Regierungen dieser Bundesgenossen ein Gewicht, welches diejenige von Luzern nicht in gleichem Maße beanspruchen konnte, zumal ihr stets jene obenerwähnten Einflüsse auf ihr Land und Volk entgegenwirkten und die Waldstätte, inbesondere Schwyz, immer bemüht waren, im Interesse der eigenen Politik Luzern an diese zu binden. Der unglückliche Ausgang des sogenannten Toggenburgerkrieges von 1712 für die fünf Orte, die als Bundesgenossen des Abtes von St. Gallen für denselben auftraten, als Zürich und Bern demselben den Krieg erklärt hatten, brachte in Luzern, dessen Regierung nur gezwungen dem Aufrufe von Schwyz gefolgt war, jenen Parteigegensatz zu voller Entwicklung und die kirchliche liberale Fraction des Patriciates trug 1725 im sogen. Udligenschweilerhandel den ersten principiellen Sieg davon. Wie sie in gewissen Geschlechtern Luzerns, vom Vater auf die Söhne übergehend, sich bis 1770, ja bis in die neuere Zeit noch in eigenthümlicher Färbung forterhielt, und die Entwicklung des Gemeinwesens beeinflußte, darüber vergleiche man unter anderen Segesser’s Rechtsgeschichte der Stadt und Republik Luzern, Bd. IV, S. 588 ff. M., der sich vor dem Großen Rathe einer Theilnahme des Cantons am Toggenburgerkriege nachdrücklich widersetzt hatte, in demselben dann aber die oberste Leitung des Verpflegungs- und Postwesens zu übernehmen hatte, hinterließ in Tagebuchaufzeichnungen von 1696–1707, mancherlei Staatsschriften, ganz vorzüglich aber in seiner „Beschreibung des wegen der Grafschaft Toggenburg entstandenen Krieges“ etc. (unter dem Titel: „Geschichte der schweizerischen Eidgenossenschaft von 1707–1712“ in der Zeitschrift Helvetia von J. A. Balthasar, Bd. III, Aarau 1827, abgedruckt) bemerkenswerthe Zeugnisse der ihm eigenen [572] staatsmännischen Begabung. Die letztgenannte Arbeit schrieb er im Auftrage seiner Regierung in der kurzen Frist dreier Monate. Sein Sohn Joseph Leonz M. nahm nach dem von Mutterseite her ererbten Edelsitze Schauensee bei Luzern den von diesem Zweige der Familie fortgeführten Namen Meyer von Schauensee an.

Leu, Allg. Helvet. Lexikon, Bd. XIII, S. 121 ff. und Supplement dazu, Bd. IV, S. 151. – J. F. A. Balthasar, Historische Aufschriften zu den gesammelten Bildnissen berühmter Luzerner, S. 137. Luzern 1778.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: ime (Letter „e“ aus darunterstehender Zeile nach oben verrutscht)
  2. Vorlage: ihrs (Letter „e“ in darüberstehende Zeile verrutscht)