ADB:Molther, Philipp Heinrich

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Artikel „Molther, Philipp Heinrich“ von Hermann Arthur Lier in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 22 (1885), S. 155–156, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Molther,_Philipp_Heinrich&oldid=- (Version vom 20. Juni 2019, 07:34 Uhr UTC)
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Molther: Philipp Heinrich M., Liederdichter und Prediger der Brüdergemeine. M. wurde am 28. December 1714 zu Imsheim bei Buchsweiler im Elsaß geboren, wo sein Vater als Prediger angestellt war. Von seinen Eltern für das Studium der Theologie bestimmt, besuchte er zunächst das Gymnasium in Buchsweiler und wurde dann ein Jahr lang nach Metz geschickt, um die französische Sprache zu erlernen. Im J. 1735 bezog er die Universität Jena, wo er, bereits innerlich religiös erfaßt, durch die Versammlungen des Magisters Brumhard seiner Sündhaftigkeit und zugleich seiner Siegesgewißheit im Glauben an Jesus Christus gewiß wurde. Da er dem Wunsche seines Vaters, nach Hause zu kommen und eine Pfarrstelle anzunehmen, nicht Folge leistete und deshalb von diesem ohne Unterstützung gelassen wurde, sah er sich genöthigt, seinen Unterhalt durch Unterrichten in der französischen Sprache zu suchen. Dies brachte ihn mit dem jungen Grafen Christian Renatus von Zinzendorf in Verbindung, der [156] zu Anfang des Jahres 1737 nach Jena kam. M. wurde sein Lehrer in der Musik und französischen Sprache. Auf diese Weise lernte er auch bald den Stifter der Brüdergemeine kennen, der er am 8. Februar 1738 zu Berlin beitrat, wo damals gerade der Graf mit der Pilgergemeinde Aufenthalt genommen hatte. Von diesem Zeitpunkt ab gestaltete sich sein äußeres Leben ungemein bewegt, da er im Dienste der Brüdergemeine[WS 1] bald dahin, bald dorthin versetzt wurde und den Grafen auf mancher seiner Reisen begleitete. Für den Dienst in Pennsylvanien bestimmt, kam er jedoch nur bis London. Dann finden wir ihn in Frankreich, der Schweiz, in Holland und wieder in England. Im J. 1744 begründete er die Brüderniederlassung zu Montmirail in der Schweiz, welche aber im J. 1748 wieder aufgegeben werden mußte. M. zog mit der dortigen französischen Gemeine zuerst nach Herrenhaag und dann nach Neuwied am Rhein, wo er gleichfalls (October 1750) eine brüderliche Ansiedlung ins Leben rief. Im April 1761 von Neuwied abberufen, ward M. bald darauf zur Gemeine in Dublin versetzt, 1767 aber nach Bedford. Auf der Synode zu Barby im J. 1775 wurde er zum Bischof gewählt. Er starb zu Bedford am 9. September 1780. Von seinen Liedern haben sich noch zwei im Gebrauch der Brüdergemeine erhalten: „O inniglich geliebte Liebe“, gedichtet am 28. December 1738, zuerst gedruckt im 7. Anhang zum christlichen Gesangbuch von 1735, 1741, 8°, Nr. 1250, S. 1123 und „Mit inniger Herzensfreud, mein Lamm!“, an Zinzendorf den 26. Mai 1740 gerichtet, zuerst gedruckt im 11. Anhang des Gesangbuches von 1741, Nr. 1687, S. 1592. Auch ins Französische übersetzte M. eine ganze Reihe von in der Brüdergemeine üblichen Liedern und ließ sie unter dem Titel „Recueil de cantiques, traduits de l’Allemand“, London, Amsterdam, Berlin 1743, 8°, II. partie 1745, 8° erscheinen (2. édition à Basle 1747–1757). Als Componist versuchte sich M. gleichfalls. Das Archiv in Herrnhut bewahrt von ihm 10 Stück Cantaten, Leichencantaten, Cantate auf Zinzendorf’s Trauungstag, auf J. v. Wattewille’s Geburtstag etc.

Nach einem großentheils eigenhändigen Lebenslauf, abgedruckt in den Nachrichten aus der Brüdergemeine, 1873, Heft 7, Gnadau, 8°, S. 603–621.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Brüdergemeinde