ADB:Mundy, Jaromir Freiherr von

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Artikel „Mundy, Jaromir Freiherr von“ von Julius Pagel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 52 (1906), S. 540–541, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Mundy,_Jaromir_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 06:34 Uhr UTC)
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Mundy: Jaromir Freiherr von M., Militärarzt zu Wien, geboren am 3. October 1822 auf Schloß Eichhorn in Mähren, studirte anfänglich Theologie, war dann zwölf Jahre lang Soldat, machte als Officier die Feldzüge von 1848, 1849 mit, nahm, 1852 zum Hauptmann avancirt, 1855 den Abschied, um in Würzburg Medicin zu studiren, wurde daselbst bereits nach dem vierten Semester Dr. med., besuchte darauf noch verschiedene deutsche Universitäten, indem er aus der Irrenheilkunde und gerichtlichen Medicin ein Specialstudium machte und sich bei der ersteren für die freie Irrenbehandlung oder das coloniale System erklärte. Nachdem er den Feldzug von 1859 in Italien wieder in seiner früheren Charge als Hauptmann mitgemacht, nahm er einen mehr als halbjährigen Aufenthalt zu Gheel in Belgien, besuchte mehrere Hunderte von Irrenanstalten und hielt in vielen Haupt- und Universitätsstädten Europas Vorträge über jenes System der Irrenbehandlung, dem er überall Eingang zu verschaffen suchte. Diese Vorträge finden sich 1860–67, hauptsächlich in französischer und englischer Sprache, veröffentlicht im Journal publié par la Société des sciences méd. et nat. de Bruxelles, Journal de méd. de Bruxelles, Procès verbaux du Congrès méd. de Lyon, Annales méd.-psychol., ferner im Medical Critic and Psychol. Journal, Journal of Mental Sciences, Lancet, Brit. Med. Journal. Er hielt sich für diese Zwecke in Großbritannien über sieben und in Frankreich mehr als zehn Jahre auf und studirte gleichzeitig die Fortschritte des öffentlichen und Militär-Sanitätswesens. Den Feldzug von 1866 machte er als k. k. Regimentsarzt mit, leitete und improvisirte in demselben Sanitätszüge, übernahm in Böhmen die Feldspitäler von den Preußen u. s. w., und erhielt den Charakter als Stabsarzt a. D. Seine Bestrebungen in den folgenden Jahren waren, außer Fortsetzung der früheren, namentlich auf eine Reorganisation des österreichischen Militär-Sanitätswesens gerichtet. Er war Delegirter des Reichskriegsministeriums bei verschiedenen Congressen und Commissionen, ferner bei dem Aufstande in den Bocche di Cattaro (1869) und während des deutsch-französischen Krieges, in welchem er theils Lazarette zu Paris und Umgebung einrichtete und leitete, theils die Evakuation von vielen Tausend verwundeter und kranker Franzosen aus Deutschland in die Heimath organisirte und überwachte. 1872 wurde er zum Prof. e. o. des Militär-Sanitätswesens an der Wiener Universität ernannt, legte diese Stelle aber bald wieder nieder, unterstützte dagegen die Organisation des Deutschen Ritterordens, als Factors der freiwilligen Krankenpflege, richtete (1875) als General-Chefarzt des souveränen Malteser-Ritterordens die für den Verwundeten-Evakuationsdienst bestimmten Sanitätszüge desselben ein, war oberster Militär-Sanitätschef im serbisch-türkischen Kriege (1876, 1877), und während des russisch-türkischen Krieges (1877, 1878) in Constantinopel als Organisator bei dem Vereine vom rothen [541] Halbmond thätig. In dieser Zeit erschienen von ihm: „Studien über den Umbau und die Einrichtung von Güterwaggons zu Sanitätswaggons“ (Wien 1875, m. 9 Tafeln); „Der freiwillige Sanitätsdienst des souveränen Malteser-Ritter-Ordens u. s. w.“ (1879, m. 4 Tafeln); „Beschreibung der Sanitätszüge des souveränen Malteser-Ritter-Ordens“ (2. Aufl. 1880), außerdem: „Kleiner Katechismus einer radicalen Reform des Irrenwesens“ (1879); „Die freie Behandlung der Irren auf Landgütern“ (1879). 1881 wurde auf seinen Antrieb die „Wiener freiwillige Rettungsgesellschaft“ gegründet, in deren Interesse er als ihr Schriftführer zahlreiche Publikationen theils selbst verfaßt, theils veranlaßt hat. Von seinen sonstigen Schriften erwähnen wir noch, abgesehen von der ungezählten Menge von Denk-, Gelegenheits-, Flugschriften und Zeitungsartikeln in den verschiedensten Sprachen: „Zur Sanitätsreform in Oesterreich“ (1860); „Die Militär-Sanität der Zukunft“ (1882); „Van Swieten und seine Zeit“ (1883). Auch am serbisch-bulgarischen Kriege (1885, 1886) nahm er in Serbien thätigen Antheil. In einem Anfall von Geistesgestörtheit erschoß sich M. am 23. August 1894.

Vgl. Biographisches Lexikon ed. Hirsch und Gurlt IV, 314.