ADB:Nüll, Eduard van der

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Artikel „Nüll, Eduard van der“ von Albert Ilg in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 24 (1887), S. 51–52, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:N%C3%BCll,_Eduard_van_der&oldid=- (Version vom 18. Juni 2019, 23:26 Uhr UTC)
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Band 24 (1887), S. 51–52 (Quelle).
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Nüll: Eduard van der N., Architekt, zu Wien 1812 geboren, wo er am 3. April 1868 starb. Er war der natürliche Sohn des Feldmarschalllieutenants Freiherrn v. Welden. An der Akademie wollte er sich anfangs der [52] Malerei widmen, wo ihn Professor H. Maurer unterrichtete. Zu Anfang der dreißiger Jahre wendete er sich aber von diesem Kunstfache zur Architektur, allerdings zunächst ohne Vorkenntnisse und eigentliches Studium. Er fand 1832 eine Anstellung als Baupraktikant beim Landesgubernium in Lemberg, empfand aber den Mangel eines gediegenen Unterrichtes so tief, daß er zur Akademie nach Wien zurückkehrte, um hier Architektur zu betreiben. Seine Dienststellung wurde ihm dabei belassen. An der Schule war es weniger die Leitung der damaligen im nüchternsten Classicismus verharrenden Lehrer aus der Nobile’schen Tradition, was den talentvollen Künstler förderte, als vielmehr sein inniger, bis ans Lebensende andauernder Freundschaftsbund mit dem mitstrebenden Architekten Siccard v. Siccardsburg. Die beiden hochbegabten Naturen studirten aufs eifrigste, arbeiteten nun gemeinschaftlich und richteten ihr Augenmerk von der geistlosen Schablone des Empirestiles zu den Erscheinungen der Renaissance Italiens. Hierdurch wurden beide Künstler mit Ludwig v. Förster und wenigen anderen die ersten Repräsentanten des großartigen Aufschwungs der Wiener Architektur der Gegenwart, welche so bedeutende Resultate liefern sollte. 1839 competirten beide mit Entwürfen für eine Börse, erhielten jeder den ersten Preis und die Mittel, eine italienische Studienreise anzutreten, die dann auch noch auf Frankreich, Deutschland und England ausgedehnt wurde. Nach vier Jahren wieder in die Heimath gelangt, erhielt N. die Professur für Ornamentlehre und Perspective, dann nach Förster’s Tode noch diejenige für Architektur, auch Siccardsburg bekleidete einen entsprechenden Posten. Die Freunde wirkten nun fortan in dem Sinne, daß Siccardsburg das eigentlich Architektonische, N. aber die Ausschmückung leitete, wobei er sich als feinfühliger Decorateur erwies. Das begeisterte Schaffen der Künstler gewann ihnen die Sympathie aller Kunstfreunde, es stimmte zu den damals bereits sich regenden Gedanken der Stadterweiterung und Verjüngung der Residenzstadt, und hatte den besonders wichtigen Erfolg, die Herrschaft des Baubüreaugeistes in Oesterreich zu brechen, an Stelle des Monopols phantasieloser Baubeamten wieder die freie Künstlerthat zu setzen. Die beiden Meister waren nun für das Karltheater, den Sophiensaal, das Industrieausstellungsgebäude von 1845, das Ständehaus in Pest thätig. Wichtiger war ihr Eingreifen im Bau des großartigen Artilleriearsenals zu Wien, wo sie mit Förster, Hansen und Rösner gemeinschaftlich thätig waren. Als der Monumentalbau der Altlerchenfelder Kirche zustande kam, besorgte N. die Ausstattung aller Geräthschaften und Einrichtungsstücke des Innern. Endlich gipfelte das Wirken dieses merkwürdigen Dioscurenpaares in der Schöpfung des Opernhauses, welches 1861 begonnen wurde und dessen Bau sowie die gesammte Ausstattung ihrem Genius entsprang. Das Gebäude ist zwar keineswegs frei von ästhetischen und stilistischen Mängeln, es gehört jedoch gewiß zu den glänzendsten und solidesten Theaterbauten der Neuzeit. Gehässigkeiten und Intriguen aller Art vergällten den Künstlern indeß die Freude an dem Werk, ja, sie führten N. endlich in Trübsinn, der mit seinem Selbstmorde schloß. 1861 war er Oberbaurath geworden. Zu seinen Schöpfungen sind noch zu rechnen das prachtvolle Waarenmagazin von Haas am Graben, ein Entwurf für eine neue Universität, sowie für die Sparkasse in Prag, die Zeichnung zum O’Donellschild, zu einem Gebetbuch der Kaiserin Elisabeth, zu den Monumenten des Erzherzog Karl und Prinz Eugens.