ADB:Onymus, Adam Joseph

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Artikel „Onymus, Adam Joseph“ von Franz Stanonik in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 24 (1887), S. 359–361, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Onymus,_Adam_Joseph&oldid=- (Version vom 21. September 2021, 05:04 Uhr UTC)
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Onymus: Adam Joseph O., katholischer Theologe, wurde am 29. März 1754 zu Würzburg geboren, 1770 in das dortige geistliche Seminar aufgenommen, am 29. März 1777 zum Priester geweiht, wirkte als Kaplan in Hausen, als Cooperator in Fahr, 1778 als Kaplan im Juliushospitale in Würzburg, kam dann als Hofmeister in das freiherrlich v. Frankensteinische Haus nach Mainz, wo er durch seine ästhetischen Vorlesungen rühmliche Anerkennung fand, so daß ihn 1782 der Fürstbischof von Würzburg, Franz Ludwig v. Erthal (s. A. D. B. VII, 310) als Subregens an sein Seminar berief, welche Stelle er beibehalten durfte, als er im folgenden Jahre nach dem Tode Holtzklau’s zum Professor der Exegese und geistlichen Rathe ernannt wurde. Ueberdies [360] wurde ihm 1786 ein Canonicat am Stifte Neumünster verliehen. 1789 wurde er Regens des adligen Seminars, Director der beiden Gymnasien von Würzburg und Münnerstadt und Mitglied der Schulcommission. Reich begabt von Natur und während seiner Studien immer seinen Mitschülern an Eifer voran, huldigte er der sogenannten Aufklärung, welcher Richtung auch der Fürstbischof und die meisten jüngeren Professoren angehörten. In den damals gegründeten „Würzburger gelehrten Anzeigen“ trat auch O. schroff gegen die alte kirchliche Schule und insbesondere gegen den Domprediger Merz in Augsburg auf, der Fürstbischof vertraute ihm die Durchsicht seiner Hirtenbriefe an, von denen zwei, welche von der Erziehung und von der Arbeitsamkeit handeln, in Wagenmann’s „Magazin für Industrieschulen“ aufgenommen wurden. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß O. als Director der Mittelschulen zur Erholung der Jugend die Einführung gynmastischer Uebungen verlangte. Erst eine spätere Zeit würdigte die Zweckmäßigkeit solcher Vorschläge. Nach dem Tode Franz Ludwigs (1795) ließ sich sein Nachfolger Georg Karl v. Fechenbach durch die weitverbreitete Unzufriedenheit zu einer zahmen Reaction gegen die rationalistischen Bestrebungen der theologischen Professoren bestimmen. Doch ließ er es bei halben Maßregeln bewenden. Als 1802 infolge der Säcularisation Würzburg unter Kurpfalz-Baiern fiel und die neue Regierung ihre Herrschaft am ehesten durch möglichste Einschränkung des geistlichen Einflusses zu befestigen glaubte, gehörte O. zu jenen, welche noch über die Absichten der Regierung hinausstürmten. Er verschärfte als Decan eigenmächtig die Vorschläge der theologischen Facultät, verdächtigte das geistliche Seminar, als ob darin Feindseligkeit gegen die Professoren und ein für die Regierung bedenklicher Corpsgeist genährt würde und verlangte, die Kleriker sollten erst nach vollendetem theologischem Studium in dasselbe eintreten und nur ein Jahr darin verbleiben dürfen, bei der Aufnahmsprüfung sollte auch der Staat seinen Einfluß geltend machen u. dgl. Er wurde zum Landesdirectionsrathe mit dem Vortrage in Schulsachen ernannt und als nach Zerlegung der Universität in acht Sectionen, von denen nur die katholisch-theologische keine Vertretung im Senate fand, die übrigen Professoren dieser Facultät zurücktreten mußten, durften O. und Berg im Amte verbleiben. Da sie die Religionsmengerei so weit trieben, daß sie 1805 in Gemeinschaft mit ihren neu berufenen protestantischen Collegen einem Protestanten das theologische Doctorat verliehen, so war es nicht zu verwundern, daß unter der nachfolgenden Regierung des Großherzogs Ferdinand von Toscana die kirchliche Behörde den nächsten Anlaß ergriff, um eine Reform im entgegengesetzten Sinne durchzuführen. Nach französischem Vorbilde wurde 1809 die theologische Facultät in das geistliche Seminar verlegt und die bisherigen Professoren in den Ruhestand versetzt. Nach der Rückkehr der bairischen Herrschaft wurde O. reactivirt und erhielt die Lehrkanzel der Dogmatik. Indessen lenkte er von selbst in kirchlichere Bahnen ein. Dieses bewies er durch seine beiden Programmarbeiten: „Ueber die Verhältnisse der katholischen Kirche, oder Beantwortung der Punkte, welche der Freiherr v. Wangenheim in seiner Eröffnungsrede bei der Berathung mehrerer teutschen Bundesstaaten über die Angelegenheiten der teutschen katholischen Kirche vorgelegt hat“, 1818, und „Programma de eo, quod iustum est circa rationem et revelationem“, 1819, worin er die Kantische Philosophie für unvereinbar mit der Religion erklärt. Auch schien er durch seine öffentlichen Uebungen der Frömmigkeit seine in der Zeit der Aufklärung gegebenen Aergernisse sühnen zu wollen. Noch weiter ging er im J. 1821, in welchem er auch Rector der Universität wurde, in der dreimal aufgelegten Schrift: „Meine Ansichten von den wunderbaren Heilungen, welche der Fürst Alexander von Hohenlohe seit dem 20. Juni d. J. in Würzburg vollbracht hat“. Im J. 1823 schickte er seine Schrift [361] „Ueber die Verhältnisse der katholischen Kirche“ und seine 1820–1823 in drei Theilen erschienene „Glaubenslehre der katholischen Kirche“ an den neu gewählten Papst Leo XII. mit der Bitte um die Approbation. Diese wurde zwar als nicht üblich verweigert, doch erhielt O. als Antwort im Auftrage des Papstes von der Münchener Nuntiatur ein vom 25. November 1823 datirtes sehr anerkennendes Schreiben (abgedruckt in der Tübinger Quartalsschrift 1824, 179 f.). Als er 1824 vom Könige zum Domdechant ernannt wurde, nahm er mit dem Programme „Presbyterium eiusque partes in regimine Ecclesiae“ Abschied vom akademischen Lehramte. 1825 wurde er Generalvicar des Bischofs, 1833 erhielt er den Ludwigsorden und starb am 9. September 1836. Er übte bis in sein hohes Alter auch die Seelsorge aus und bewies sowol im Leben als auch durch sein Testament eine außerordentliche Mildthätigkeit, namentlich durch Stiftungen. Außer den bereits erwähnten Schriften hat er noch veröffentlicht: „Dissertatio exponens Justini Mart. de pracipuis religionis christianae dogmatis sententiam“, 1777; „Opera s. Justini Mart. graece et lat.“, 3 Voll. 1777–1779 (Bestandtheil der Oberthür’schen Handausgabe von Kirchenvätern. Im dritten Bande befindet sich auch der Brief an Diognet und die Werke des Athenagoras, Theophilus v. Ant., Tatian und Hermias); „Die Weisheit Jesu Sirachs Sohns, aus dem Griechischen mit Anmerkungen“, 1786; „Entwurf zu einer Geschichte des Bibellesens“, 1786; „Geschichte des alten und neuen Testamentes“, 5 Bde., 1787–1802; „Rede bei dem Begräbniß des Weihbischofs Fahrmann“, 1802; „De usu interpretationis allegoricae in novi foederis tabulis“, 1803; „Der 104. Psalm, übersetzt mit Anmerkungen“, 1807; „Die Dämonenlehre der Alten, oder die Idee des Göttlichen in ihrer Ausartung bei den Aegyptern, Phöniciern und Griechen“, 1822; „Die Principien der Glaubenslehre der katholischen Kirche“, 1823; „Glaubens- und Sittenlehre der katholischen Kirche in katechetischer Form“, 2 Thle., 1826; „Lehre von den Heilsmitteln der christlichen Religion, katechetisch vorgetragen“, 1824; „Homilien und Betrachtungen über die Leidensgeschichte Jesu, seine Auferstehung und Himmelfahrt“, 1827; „Das Leben und die Lehre Jesu nach Matthäus, Marcus und Lucas in Homilien“, 1831. Anonym: „Bemerkungen auf einer Reise durch einen großen Theil von Deutschland“, Zürich 1793.

Vgl. Neuer Nekrolog d. Deutschen XIV, 579 ff. – Ruland, Series et vitae professorum s. Theol. Wirceb. 180 ff. – Schwab, Franz Berg, 518, 89 f., 264, 508 u. ö. – Felder u. Waitzenegger, Gelehrten- u. Schriftstell.-Lex. d. deutschen kath. Geistl. II, 32 f.; III, 535. – Thesaurus librorum rei cath. 596. – Schulte. Gesch. d. Quellen u. Lit. d. Canon. Rechts, III, 298. – Werner, Gesch. d. kath. Theol. 563.