ADB:Oppel, Julius Wilhelm von

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Artikel „Oppel, Julius Wilhelm von“ von Albert Schumann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 24 (1887), S. 390–392, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Oppel,_Julius_Wilhelm_von&oldid=- (Version vom 21. April 2019, 17:54 Uhr UTC)
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Oppel: Julius Wilhelm v. O., Staatsmann, geb. am 16. November 1766 zu Freiberg in Sachsen, ein Sohn des um die Gründung der dortigen Bergakademie verdienten Berghauptmannes Friedrich Wilhelm v. O. und der Freiin Juliane Sophie v. Hartisch, empfing seine wissenschaftliche Vorbildung im elterlichen Hause und auf der genannten Anstalt seines Geburtsortes und studierte dann von 1784–1787 in Leipzig die Rechte. Nach ehrenvoll bestandener Prüfung als Assessor beim Bergamte Schneeberg angestellt, schwang er sich durch Begabung und Kenntnisse schnell zu höheren Rangstufen empor, bis er, 1793 Geheimer Finanzrath geworden, 1811 mit der Direction des ersten Departements im Geheimen Finanzcollegium betraut wurde. Als er aber im folgenden Jahre einen von hoher Stelle Begünstigten sich vorgezogen sah, erbat und erhielt er seinen Abschied und widmete sich nun mit regem Eifer der Bewirtschaftung seines Familiengutes Krebs bei Pirna, das er durch Benutzung aller neueren landwirthschaftlichen Erfahrungen bald in seiner Ertragsfähigkeit steigerte, während er zugleich als Freund der Botanik nicht versäumte, den Garten des Gutes mit in- und ausländischen Zierpflanzen auszustatten und ihn so in einen vielbesuchten Anziehungspunkt für Freunde der Gartenkunst zu verwandeln. Dieses freundliche, durch das Zusammenleben mit seiner geliebten Mutter, verschönte Stillleben nahm in Folge der kriegerischen Ereignisse des Jahres 1813 ein jähes Ende, wozu noch kam, daß ihm der Tod am 1. October die bisherige teilnehmende Genossin seiner Bestrebungen entriß. Als dann nach der Leipziger Schlacht und der Wegführung des Königs Friedrich August die verbündeten Mächte Sachsens Verwaltung einem Generalgouvernementsrathe unter der Oberleitung des Freiherrn v. Stein übertrugen, sah sich O. unvermutet als Mitglied in diese Behörde aufgenommen und mit dem Amte eines Director der Finanzsection bekleidet. Seine gründliche Kenntniß der Verhältnisse machte ihn für diesen verantwortungsreichen Posten in hohem Grade geschickt, und bald zeigten sich die Spuren seines energischen und durchgreifenden Wirkens nicht nur in seinem eigenen Verwaltungsfache, sondern in Folge seiner Anregungen auch in den übrigen, so daß in kurzer Zeit das verrottete altsächsische Staatswesen eine vollständige, den Anforderungen der Neuzeit und der augenblicklichen Lage entsprechende [391] Umgestaltung erfuhr. Vor allem mußten Ersparnisse gemacht werden: es geschah durch Beschränkung des bisherigen prunkvollen Hofhaltes, durch Verschmelzung verschiedener Collegien, durch Verbesserung des Forstwesens, durch Hebung der Meißener Porcellanfabrik in ihren Leistungen u. s. w. Die Spuren des Krieges verschwanden rasch vor der sorglichen Tätigkeit der Regierenden: die gesprengten Elbbrücken in Dresden und Meißen, die Saalbrücke in Weißenfels, die zerstörten Dresdener Anlagen wurden wiederhergestellt; die in ihrem Eigenthum Geschädigten erhielten Unterstützung; lästige Abgaben, wie Sporteln und Ablösegebühren, hörten auf, und selbst Künste und Wissenschaften fanden einsichtige Förderung. Daß der Antrieb zu dieser Neubildung des Staates hauptsächlich von O. ausging, das ergibt sich aus der von ihm veranlaßten und nach seinem Rücktritte zu Dresden erschienenen Schrift: „Ueber die Verwaltung des Generalgouvernements der hohen verbündeten Mächte im Königreich Sachsen vom 31. October 1813 bis zum 8. November 1814“, welche nach der Rückkehr des Königs zwar verboten wurde, aber durch Wiederabdruck in Voß’ „Zeiten“ (Jahrg. 1815, 9. Stück) künftigen Geschichtsschreibern jener Periode zugänglich geblieben ist. – Nachdem O. sein Amt niedergelegt hatte, berief ihn der preußische Staatsminister Fürst Hardenberg nach Prag, um von seiner genauen Kenntniß der sächsischen Verhältnisse Gebrauch zu machen. Beim Congreß in Wien, wohin er den Fürsten begleitete, bot der patriotisch gesinnte Mann Alles auf, um eine Theilung seines Heimathlandes abzuwenden; als ihm dies nicht gelang, kehrte er tieferschüttert nach Hause zurück. Hier überließ er seinem Bruder drei Familiengüter gegen ein bestimmtes Leibgeding und behielt sich nur Krebs, das vierte, als dereinstigen Ruhesitz vor, um dann von 1815–28 seinen Schmerz über die Zerstückelung Sachsens auf Reisen zu beschwichtigen und zugleich den gehässigen Angriffen seiner Gegner aus dem Wege zu gehen. Indem er so in der besseren Jahreszeit einen großen Theil Deutschlands, sowie Oesterreich-Ungarn, Frankreich, Holland, England, Dänemark und Schweden durchwanderte, kehrte er im Winter nach einer deutschen Stadt oder nach seinem Gute Krebs zurück, wo er 1824 ein neues Wohnhaus und einen geräumigen Büchersaal zur Aufstellung seiner reichhaltigen, zuletzt über 30 000 Bände umfassenden Bibliothek erbauen ließ. – Mit dem Jahre 1828 endete seine Wanderzeit, indem ihn damals Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Gotha als Geheimen Rath und Kammerpräsidenten in seine Dienste berief. Er übernahm dieses Amt im folgenden Jahre unter der Bedingung, daß er nach drei Jahren sich wieder zurückziehen und außerdem alljährlich eine Urlaubszeit von 4–6 Wochen auf seinem Gute verleben dürfe. Auch in seinem neuen Wirkungskreise war er bemüht, staatliche Schäden und Mißbräuche zu beseitigen und Neues und Besseres an deren Stelle zu setzen, während er seine Ferien dazu benutzte, den schon längst gehegten Plan der Erbauung eines neuen Schulhauses in Krebs auszuführen. Am 7. August 1830, dem Jahrestage seiner Mutter, legte er den Grundstein zu der nach ihr benannten „Sophienanstalt“, wies zu deren Unterhalt ein Capital von 20 000 Thalern an und bereitete der schulpflichtigen Jugend ein ländliches Fest, worauf im folgenden Jahre der Ausbau des Hauses und die Anstellung eines Lehrers erfolgte. Doch sollte er sich dieser Stiftung nicht lange mehr erfreuen; denn noch vor Ablauf seiner Amtsdauer erlag er am 11. Februar 1832 nach kurzer Krankheit einer durch Erkältung verursachten Milzentzündung. Seine Ruhestätte auf dem Friedhof in Gotha ziert ein von Döll dem Jüngeren künstlerisch ausgeführtes Denkmal.

Gothaische politische Zeitung, 141. Jahrg., Nr. 31 vom 14. Februar 1832. – Allgemeiner Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen, Jahrg. [392] 1832, 1. Bd., Nr. 49 vom 19. Februar. – Sachsenzeitung, Jahrg. 1832, Nr. 72, S. 574. – Conversationslexikon d. neuesten Zeit u. Litteratur, 3. Bd., Leipzig 1833, S. 332–338.