ADB:Parish, John

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Parish, John“ von Otto Beneke in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 172–173, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Parish,_John&oldid=- (Version vom 23. Oktober 2019, 14:11 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Parhamer, Ignaz
Nächster>>>
Parix, Johann
Band 25 (1887), S. 172–173 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg John Parish (Kaufmann) in der Wikipedia
GND-Nummer 123392632
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|25|172|173|Parish, John|Otto Beneke|ADB:Parish, John}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=123392632}}    

Parish: John P., Kaufmann. Zu denjenigen Notabilitäten Hamburgs, deren Bedeutung nicht nur in ihrem wohlerworbenen Reichthum, sondern in ihrer selbsterworbenen geistigen und moralischen Capacität liegt, gehört auch der Obengenannte, welcher, obgleich kein Hamburger, auch kein Deutscher von Geburt, doch länger als 50 Jahre als ein guter Bürger Hamburgs sich bewiesen hat. Geboren im März 1742 zu Leith in Schottland, anscheinend keiner hervorragenden Familie entsprossen, kam er kaum 15jährig im J. 1756 nach Hamburg, vermuthlich in das Haus und Geschäft eines hier etablirten Landsmanns, vielleicht eines der Mitglieder der privilegirten Englischen Factorei (der sog. Court). Als er später sein eigenes Handelsgeschäft gründete, trat er dieser Genossenschaft nicht bei, sondern zog es vor, dem Gemeinwesen als Bürger anzugehören. Mit guten Naturgaben ausgestattet, deren Cultivirung – auch ohne die Beihülfe höherer Bildungsanstalten (in einer von ihm verfaßten Staatsschrift erklärte er später, etwaige Formfehler entschuldigend, daß er niemals eine andere Bildungsanstalt als die Comptoirschule besucht habe) – ihn bald zu einem klugen, kenntnißreichen Weltbürger förderte, gelang es ihm, sein Haus zu einer respectabeln Größe zu erheben, und seiner Firma eine anerkannte Reputation besten Klanges zu verschaffen. Nachdem sein Haus nun auch die allgemeine Geschäftskrisis von 1799 unerschüttert überstanden hatte, zählte es ohne Frage zu den solidesten des Hamburger Großhandels. Die Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika hatte bereits 1793 dem ehrenwerthen P. ihr Consulat in Hamburg (beiläufig: das erste seiner Art in Deutschland) anvertraut, von welchem Posten er jedoch 1796 freiwillig zurücktrat. – Im J. 1801 befand sich Hamburg in großer Bedrängniß, indem die plötzliche Besetzung der Stadt durch dänische Truppen, die Bedrohung des freien Elbverkehrs durch fremde Kriegsschiffe, sowie die nur zu begründeten Gerüchte über eine demnächstige Mediatisirung und Annectirung der Republik Hamburg durch eine der mehreren beutelustigen Monarchieen, den Welthandel der Stadt völlig brach legten. Dem Senat erschien es deshalb angezeigt, durch eine geheime Mission, [173] und zwar keines Diplomaten, sondern eines sachkundigen gewandten Kaufmanns, das Londoner Cabinet davon zu überzeugen, wie sehr Englands commercielles Interesse dabei betheiligt sei, daß Hamburg schleunig von der dänischen Occupation erlöst werde, und ein freies, selbständiges Gemeinwesen mit anerkannter Neutralität, auch ferner bleibe, wofür Englands Vermittelung bei bevorstehenden Friedenstractaten anzurufen. Diese Mission übertrug der Senat dem zufällig in London anwesenden John P., welcher die schwierige Aufgabe als seine Bürgerpflicht willfährig übernahm und sie mit Geschick in taktvollster Weise erfolgreich zu lösen verstand. In einem amtlichen Schreiben drückte der Senat nach Parish’s Heimkehr demselben seine wie der ganzen Stadt Dankbarkeit in anerkennenden Worten aus. – Im J. 1806 feierte P. in seiner Villa zu Niensteden an der Elbe ein seinem 50jährigen reichgesegneten Aufenthalt in Hamburg gewidmetes Fest. Jedem der zahlreichen Theilnehmer überreichte er eine deshalb geprägte Denkmünze, welche in Gaedechens’ Werk über die Hamburger Münzen und Medaillen (I, 194) abgebildet und beschrieben ist. Als entschiedener Feind der französischen Weltherrschaft, war er ein warmer Freund und Verehrer Blücher’s, welcher 1806 als Kriegsgefangener in Hamburg lebte und Parish’s Gastfreundschaft genoß. Nach dem Frieden 1814 ließ P. eine sowohl Hamburgs Befreiung andeutende, als Blücher’s Feldherrnruhm verherrlichende Medaille anfertigen, welche in genanntem Münzwerk (I, 195) beschrieben ist. In demselben Jahre gedachte Hamburgs Senat nochmals Parish’s handelspolitische Kenntnisse und Erfahrungen zu benutzen, indem er ihn zum Beigeordneten einer nach London bestimmten Mission ernannte. Doch scheint P. diese Ehre abgelehnt zu haben, da sein ältester Sohn, John P. jun. des Vaters Stelle in dieser Gesandtschaft vertrat. – Später lebte er vorzugsweise in England, nachdem er sein Hamburger Domicil aufgegeben und seine Firma, sein Stadt- und Landhaus seinen Söhnen übertragen hatte. Unter diesen wie später unter seinen Enkeln erhielt das von ihm gegründete Handelshaus noch lange Zeit seinen alten Glanz und wurde erst 1842 aufgelöst. – P. starb zu Bath in England im December 1829. – Sein Name lebt in Hamburg noch jetzt fort in seines Enkels Charles Wittwe, Frau Auguste P. geb. Godeffroy, der Vorsteherin des (Sieveking’schen) weiblichen Vereins für Armen- und Krankenpflege, sowie in einer, armen Schulkindern gewidmeten milden Stiftung seiner 1866 gestorbenen Enkelin, Frl. Harriet Parish.

(Zum Theil nach archivalischen Quellen.)