ADB:Pfauser, Johann Sebastian

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Artikel „Pfauser, Johann Sebastian“ von Eduard Reimann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 737–739, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Pfauser,_Johann_Sebastian&oldid=- (Version vom 18. September 2019, 01:42 Uhr UTC)
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Pfauser: Johann Sebastian P. hat sich eine Stelle in der deutschen Geschichte als Hofprediger Maximilians II. erworben. Er wurde 1520 in Kostnitz geboren. Ueber seine Jugend wissen wir nichts. Nach dem schmalkaldischen Kriege treffen wir ihn in Sterzing in Tirol als Pfarrer. Als Michael Geizkofler von der Universität nach Hause kam, suchte P. ihn oft heim und vernahm [738] gern aus seinem Munde, wie es in Wittenberg und Leipzig zugegangen sei, und was Luther, Melanchthon und andere öffentlich gepredigt haben. Er theilte das Abendmahl unter beiderlei Gestalt aus und sprach gegen die Lehren des Papstthums. Er war ein tüchtiger Kanzelredner; aus weit entlegenen Dörfern gingen viele Leute zu ihm in die Kirche, und oft blieben reisende Kaufleute am Sonntagmorgen in Sterzing, um seine schönen Predigten zu hören (Wolf, Lukas Geizkofler p. 19). Bei dem empfindlichen Mangel an solchen Priestern, welche des Wortes mächtig wären und durch ein frommes Leben erbauen könnten, wurde P. dem Könige Ferdinand empfohlen; dieser nahm ihn – wir wissen nicht zu welcher Zeit – in Dienst und war auch recht zufrieden mit ihm; aber er entließ ihn, weil derselbe verheirathet war und sich von seinem Weibe nicht trennen mochte. Nach einiger Zeit berief Maximilian, des römischen Königs ältester Sohn, P. zu sich – und der Vater ließ es geschehen, ohne Schlimmes zu ahnen. Als nun die Kunde sich verbreitete, Maximilian habe die evangelische Lehre angenommen, begab sich der böhmische Bruder Blahoslaw nach Wien, um sich von der Wahrheit des Gerüchtes zu überzeugen. Er ging am 10. März 1555 in die Kirche, wo P. predigte, und suchte ihn auch persönlich auf. Er fand in ihm einen Mann, welcher seine Stellung zwischen den beiden großen religiösen Parteien genommen zu haben schien, jedoch seine evangelische Gesinnung durchblicken ließ. P. erzählte viel von Maximilian, wie fromm er sei, wie er das Gute liebe und die Wahrheit feurig vertrete. Die Jesuiten aber waren wachsam, und Canisius verklagte den Thronerben und seinen Hofprediger bei Ferdinand, welcher einen Reichstag in Augsburg abhielt. Auch Karl V. erfuhr Unangenehmes über Maximilian und schickte deshalb den Spanier Juan de Ayala nach Wien, um Erkundigungen an Ort und Stelle einzuziehen, und die Nachrichten lauteten nicht günstig für die katholische Kirche. Da mußte P. den Hof verlassen und wurde nach Steiermark verbannt. Aber Maximilian legte sich ins Mittel, und er kehrte wieder zurück. Ferdinand verlangte nun von ihm mehr Rechtgläubigkeit, es kamen recht heftige Auftritte zwischen beiden vor, und die Jesuiten sowie Andere bereiteten ihm Nachstellungen. „Ich kann“, schrieb er am 3. Februar 1556 an Blahoslaw, „in Wahrheit wider die, welche nach meinem Blut auf das grausamste lechzen, mit Elias ausrufen: „Ich bin allein übrig geblieben, und sie stehen danach, daß sie mir mein Leben nehmen.“ Ungetrübt bestand dagegen das innige Verhältniß zwischen Maximilian und P. fort. Jener tröstete diesen wegen der Verfolgungen, die er leiden mußte. „Gott lebt“, schrieb er ihm einmal, „die Ungerechten und Lügner werden umkommen.“ Der Hofprediger wiederum nennt ihn in Briefen den starken Daniel, den starken Löwen; sich selbst bezeichnet er scherzhaft als den berühmten Ketzer. Gegen Ende des Jahres 1558 begab sich Ferdinand nach Augsburg auf den Reichstag. Hier empfing sein Hofprediger, der Bischof v. Gurk, vom Erzbischof von Salzburg im Januar 1559 einen Brief, in welchem dieser schrieb: „wie ihm berichtet werde, habe P. am vierten Adventsonntag und am Tage des Apostels Johannes so ärgerlich und leichtfertig wider den römischen Stuhl und die katholische Kirche gepredigt, daß dergleichen in Zwingli’schen Städten und Orten nicht geduldet werde.“ Die Nachricht ist dem Kaiser ohne Zweifel mitgetheilt worden. Als er im Anfange des Herbstes nach Wien zurückkehrte, drang er stärker als vorher in seinen Sohn, den schlimmen Prediger wegzuthun. Er verhandelte beinahe täglich mit ihm darüber, und als er mit Bitten und Flehen nichts ausrichtete, ward er heftiger und schroffer. Er gelangte endlich im Januar 1560 so weit, daß dem Hofprediger Schweigen auferlegt und seine gänzliche Entfernung erwartet wurde. Wirklich mußte Maximilian sich dazu verstehen. Noch gab er die Hoffnung nicht auf, ihn wiederzuerhalten; „inzwischen“, schrieb [739] er am 12. März, „müssen wir es unserem eigenen Mittler befehlen und Geduld haben. … Seid getröstet und gedenkt, daß wir, so Christum bekennen, müssen verfolgt sein und das Kreuz leiden und tragen.“ Am folgenden Tage wendete sich Maximilian an Christoph von Würtemberg, um dem Vertriebenen ein Unterkommen zu verschaffen, und der Herzog versprach es auch. Aber P. erschien nicht bei ihm, vielmehr erfuhr der Bischof Hosius von Ermeland, welcher als Nuntius vom Papste nach Wien gesendet worden war, um Maximilian zu bekehren, daß der unzüchtige d. h. verheirathete Priester die Erblande noch gar nicht verlassen habe, sondern sich in einem Kloster bei Wien aufhalte. Als er diese schmerzliche Kunde dem Kaiser mitgetheilt hatte, schickte dieser zwei Abgesandte nach dem 6 Meilen entfernten Kloster. Sie fanden den Abt schon von allem unterrichtet und vorbereitet. Indem er geltend machte, daß er nicht unter bischöflicher Gewalt stände, wollte er sich keiner Untersuchung unterwerfen; aber die Beauftragten beriefen sich auf den Befehl des Kaisers und des Nuntius. Da holte der Abt zu seiner Vertheidigung ein Schreiben Maximilian’s hervor, in welchem er dringend aufgefordert worden war, dem Hofprediger einen Zufluchtsort zu gewähren. Nun mußte dieser wirklich fortziehen. Maximilian schrieb für ihn an den Herzog von Würtemberg und an den Pfalzgrafen von Neuburg. In des Letzteren Gebiet, in Lauingen an der Donau, wurde P. evangelischer Pastor und Superintendent und lebte dort bis zu seinem Tode, der am 6. Juni 1569 durch einen Schlagfluß erfolgte.

Reimann, die religiöse Entwickelung Maximilians II., in den Histor. Ztschr. XV, 1 ff.