ADB:Pilooth, Gerhart Evert

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Artikel „Pilooth, Gerhart Evert“ von Karl Ernst Hermann Krause in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 26 (1888), S. 138–140, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Pilooth,_Gerhart_Evert&oldid=2504216 (Version vom 20. November 2017, 04:02 Uhr UTC)
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Pilooth: Gerhart Evert P., auch Pilote und Ghert Evert Piloot genannt, ein Ostfriese, Bürger zu Emden, anscheinend früher holländischer Capitän, da er immer Capitän genannt wird, und in Holland im Festungsbau herangebildet, hatte vor 1612 für den Grafen Enno von Ostfriesland Pläne entworfen und Bauten besorgt; dann war er auf Berufung des Herzogs Adolf Friedrich nach Mecklenburg gekommen, der ihn um Martini desselben Jahres in seinen Dienst als Baumeister nahm, vorzugsweise um die Insel Poel im Wismarschen Meerbusen mit einem festen Schlosse zu versehen. Wahrscheinlich schon im Beginn des Jahres 1612 entwarf P. einen Plan vom Ordenshause der Komthurei Kraak, aus dem sich Adolf Friedrich ein Jagdschloß für die Wildbahn bei Jessenitz anlegen wollte, vermuthlich ist es auch durch P. ausgebaut. [139] Auch an Plänen für den Umbau und die Restauration des Schweriner Schlosses arbeitete er schon damals, wurde aber im Winter bis zum Frühjahr 1613 noch einmal nach Ostfriesland zu den Bauten Enno’s berufen. Dann wurden die Pläne für das Schloß, feste Haus oder die Veste Poel entworfen, welche der Herzog „Anseeburg“ genannt haben wollte, in Auslegung der „Hansestädte“ als „Anseestädte“, welche diese selbst freilich schon 1370 in der Uebersetzung „civitates maritimae“ aufgenommen hatten. Neujahr 1614 begann der Bau des Schlosses und der Veste, auf welche Friedrich Adolf einen ganz besonderen Werth legte, von 1618 ist ein Grundplan des damals fertigen Werkes vorhanden: des Schlosses mit fünfeckiger Befestigung in 5 ausspringenden Bastionen und 5 einspringenden Winkeln, des nördlichen „Hornwerkes“ um die alte Kirche von Kirchdorf herum und des südlichen, ebenfalls von P. entworfenen Schloßgartens. Das Schloß war auf seiner „Plaatze“ 14–15 Fuß über dem gewöhnlichen mittleren Ostseespiegel erbaut; die Bau- und Werkleute hat P. zum großen Theil aus Ostfriesland und Holland herbeiziehen müssen: seinen Bauführer Johann Brechts, die „Rothsteinhauer“ Conrad Harmens und Garvelt, den „Grausteinhauer“ Meister Rolof; wol auch den „Bildsteinhauer“ Meister Heinrich Stockmann. Ein „Steinschneider“ Ludolf Stockmann aus Hildesheim findet sich freilich 1593 in Braunschweig. Das Schloß war ein zweistöckiger, massiver Rothsteinbau von ca. 140 Fuß Länge und 50 Fuß Tiefe, in der Mitte hinten mit einem Thurm und vorn mit einer säulengetragenen „Auslucht“ (Balcon). Frontispiz und Gallerie waren von grauem, aus Emden bezogenen Sandstein, wol rheinischem, der Rothstein kam aus Holland. Aber auch Pirnaer Sandstein kam die Elbe herunter über Dömitz zu den Fenstereinfassungen. Den Boden deckte „Ahlstrak“ aus glasirten Ziegeln und „Floeren“. Auch über die Schnitzarbeit des Meisters Lamprecht, die Decken- und Wandmalerei des Jacob Warnecke zu Lübeck und die Vergoldungen des „Hans Mahler“ liegen Rechnungen im Archiv. Oefen mit eisernem Feuerungsuntersatz, oben von Kacheln, bezog P. über Bremen aus dem Sauerlande. Auch 2 Kriegsjachten für 4–6 Geschütze mußte P. für die Veste bauen, die freilich nur eine Bemannung von 10 und 5 Seeleuten erhielten. Selbst die Ausrüstung und Bestückung der Festung mußte P. besorgen, 1620 hielt man das Werk für völlig ausgestattet und vertheidigungsfähig. Schon am 3. April 1619 hatte der Herzog den seit 1617 mit seiner Frau auf der Insel wohnenden P. „zum Capitän auf unser Vestung Pöle und über unsere Schiffe, auch für unseren General-Baumeister und Ingenieur in unserm Fürstenthum und Landen“ ernannt, der denn auch nun seinen festen Wohnsitz in dem Schlosse nahm, auch den Herzog dort gelegentlich bewirthete. Dabei arbeitete der Generalbaumeister einen Plan zum Neubau des Schweriner Schlosses seit 1619 aus; seine Grundrisse und Ansichten sind noch vollständig erhalten. 1621 hat er einen Plan für die Schiffbarmachung der Elde, oberhalb des Einflusses in den Plauer See um die Lenzinsel und den Lenzthurm (Lenzik) herum entworfen. Im October 1622 erbat Graf Enno wieder Urlaub für ihn wegen eines neuen Gebäudes am „Hause“ zu Aurich. Noch am 24. April 1627 inspicirte P. mit dem Herzog Schloß und Stadt Schwerin auf ihre Vertheidigungsfähigkeit und machte den Plan zu einer neuen Schanze auf der gegenüber liegenden Seite des See’s. Nachher hielt sich Adolf Friedrich in der kritischen Zeit vor dem Verluste seiner Lande wesentlich in Poel auf, mußte aber am 21. November 1627 die Veste den Kaiserlichen übergeben, doch machte er aus, daß der herzogliche Hauptmann P. dort seine Wohnung behalten solle. Noch im December und Januar 1628 baute dieser auf Anfordern der Kaiserlichen die von den Dänen gesprengte Brücke über den Meeresarm zum Festlande wieder auf. Dann scheint er bei der starken Belegung der Veste durch [140] Wallenstein’sche Truppen abgezogen zu sein; wenigstens wird von seiner Theilnahme am Bau der Brückenschanze und der Befestigung der kleinen Insel „Walfisch“ nichts erwähnt. Er starb 1629 im Februar.

Lisch, Jahrbb. I, S. 45, V, S. 39–46; XVII, S. 13. – Wigger, Jahrbb. 48, S. 1–55.