ADB:Porzia, Johann Ferdinand Fürst von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Porzia, M. Johann Ferdinand Fürst von“ von Franz von Krones in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 26 (1888), S. 450–452, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Porzia,_Johann_Ferdinand_F%C3%BCrst_von&oldid=- (Version vom 29. Oktober 2020, 20:49 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Portus, Aemilius
Band 26 (1888), S. 450–452 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Johann Ferdinand von Porcia in der Wikipedia
GND-Nummer 120091569
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|26|450|452|Porzia, M. Johann Ferdinand Fürst von|Franz von Krones|ADB:Porzia, Johann Ferdinand Fürst von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=120091569}}    

Porzia: M. Johann Ferdinand, Graf, später Fürst v. P., Graf zu Mitterburg und Brugnara, Graf zu Ortenburg, österr. Staatsmann, geb. 1605 zu Venedig, † zu Wien am 19. Februar 1665. Das Adelsgeschlecht der P., seit dem Schlusse des 12. Jahrhunderts deutlicher auftauchend, zählte seit 1214 als Linie des Gesammthauses Prata-Porzia nach Heimath, Besitz und Lehenspflicht zu den vordersten des Friauler Feudaladels der Patriarchen von Aquileja. Unter den Sprossen dieser P., welche das zweite Prädicat Brugnara führten, erscheinen seit Ende des 16. Jahrhunderts mehrere Persönlichkeiten in hervorragenden Stellungen, die sie mit den Habsburgern als ihren Dienstherren verknüpften. So war der Großvater unseres M. Joh. Ferdinand, Hermes Graf v. P., seit 1571 durch Heirath im Krainer Karstlande begütert, Vertreter Innerösterreichs beim Senate Venedigs und begründete 1609 testamentarisch das Familienfideicommiß. Der eine seiner beiden Söhne, Johann P. († um 1624), der Vater des Gegenstandes unserer biographischen Skizze, 1605 Kammerherr Erzherzog Ferdinands (nachmals K. Ferdinand II.), wurde seit 1605 als Resident in Venedig, dann als Gesandter an die Höfe zu Florenz und Rom entboten, 1611 nach Madrid als Ueberbringer der Beileidsbezeugungen des Grazer Hofes anläßlich des Hinscheidens der Königin von Spanien, Schwester Erzh. Ferdinands, gesandt, 1614 in der Eigenschaft eines Feldobersten verwendet und schließlich, bis an sein Ableben, mit dem Amte eines Görzer Stadthauptmannes betraut. Zur Zeit als er in Venedig das Amt eines Residenten versah, wurde ihm – aus der Ehe mit der in Krain begüterten Freiin Anna Maria v. Raunach – M. Joh. Ferdinand Graf v. P. geboren. Die Laufbahn des letzteren in kais. Diensten war von äußerst günstigen Umständen begleitet und gefördert. Mit 29 Jahren bereits innerösterreichischer Regierungsrath, fünf Jahre später Landesverweser in Krain, welches Amt er bis 1647 bekleidete, dann 1647–1652 Nachfolger des Frhrn. Barbo v. Waxenstein als kais. Orator bei der Signoria, gelangte P. mit 47 Jahren zu der begünstigten Stellung eines Obersthofmeisters (Ajo) des damals 12jährigen Erzh. Leopold Ignaz, zweitgebornen Sohnes Kaiser Ferdinand’s III. Als sein Zögling, ursprünglich für den geistlichen Stand bestimmt, in Folge des Ablebens seines älteren Bruders, König Ferdinand’s IV., und des Todes Kaiser Ferdinand’s III. (1657, 2. April), zum Besitze der österrreichischen Länder und zur Anwartschaft der deutschen Kaisetkrone gelangte, behauptete P. fortan das ungeschmälerte Vertrauen und die volle Gunst des Erben Kaiser Ferdinand’s III. als Obersthofmeister und Vorsitzender des Geheimen Rathes, mithin als Premier Kaiser Leopold’s I. Die medisante Anecdote des französischen Botschafters, Duc de Grammont, über Leopold und dessen Ajo, P., carikirt dieses Verhältniß. Am besten läßt sich die Zuneigung Leopold’s zu seinem Erzieher und Rathgeber den 90 eigenhändigen Briefen dieses Habsburgers an P. entnehmen, welche innerhalb der Jahre 1657–1665 geschrieben und gegenwärtig noch im Familienarchive des Fürstenhauses P. zu Spital a. d. Drau im Kärntner Lande vorhanden, das Bedürfniß Leopold’s abspiegeln, sich in allem und jedem des Rathes und der Zustimmung seines Vertrauten zu versichern, und dessen Ergebenheit in wahrhaft fürstlicher Weise zu entlohnen. Bei der schwierigen Kaiserwahl Leopold’s (1658) spielte P. als Führer der österreichischen Action in dieser Richtung eine Hauptrolle und ebenso trat er für den politischen Anschluß Oesterreichs an Brandenburg-Preußen gegen Schweden ein. Ueber seinen Einfluß äußert sich der venetianische Botschafter (Oratore) Nani in der Finalrelazion an den Senat vom 7. Januar 1658, also für die Zeit, die noch vor der Kaiserwahl Leopold’s (1658, 22. Juli) ablief, folgendermaßen: „Allen durch seine Stellung überlegen ist der Obersthofmeister und zwar als erster Minister und besonders durch die Gunst und das Vertrauen des Herrschers Graf J. F. von [451] Portia, dessen Andenken zufolge seiner längeren Gesandtschaft in Venedig noch so frisch ist, daß ich mich über ihn kurz fassen kann. Er ist sicherlich ein Cavalier der würdigsten Art, treu seinem Herren, reinster Gesinnung, fern der Selbstsucht, ein Freund des Friedens und derart, daß von seiner Güte nicht einmal seine eigenen Feinde etwas zu befürchten haben. Es wäre wahrhaftig sein größtes Glück gewesen, minder stürmischen Zeiten als dies die gegenwärtigen sind, zu begegnen, denn man würde ihn dann sicherlich das Juwel (delitie) des ganzen Hofes nennen müssen. Aber so gewaltig ist die Masse der laufenden Geschäfte, der Stand der Angelegenheiten derart verworren, daß P., unter der Last der Jahre und geplagt von häufiger Kränklichkeit, nicht leicht für die Länge mit ebenbürtigen Kräften einer solchen Aufgabe gewachsen sein dürfte, und da er Niemanden sein volles Vertrauen zuwendet, so daß er sich eines Theiles dieser Last entledigen könnte; so geschieht es, daß bei der minderen Befähigung der kleineren und bei der Furcht vor den größeren Talenten: Aufschieben und Zeitverlust seine hauptsächlichen Rathgeber sind. Deshalb nehmen die Geschäfte, wie dies unter neuen Ministern vorkommt, mit Unsicherheit, Langsamkeit und nicht ohne Weitläufigkeiten ihren Weg.“ Der Geschäftsträger Venedigs berührt in seiner Charakteristik Porzia’s mit officieller Feinheit jene Schattenseiten des österreichischen Principalministers, die von dessen Gegnern um so schonungsloser an den Pranger gestellt wurden. Geistig überlegen war ihm entschieden Fürst Joh. Weikhard v. Auersperg, gegen dessen Einfluß P. mit dem Obersthofmeister Erzh. Leopold’s Wilhelm, Joh. Adolf Grafen v. Schwarzenberg, zusammenhielt, und noch mehr der damalige Hofkriegsrathspräsident, Fürst Wenzel v. Lobkowitz, der später der Erbe der Stellung Porzia’s wurde. – Nani erläutert auch ausführlich die wachsenden Verstimmungen zwischen dem Wiener und Madrider Hofe und betont die geheime Abneigung Porzia’s gegen die Spanier, unbeschadet des Umstandes, daß er bereits 1657 das goldene Vließ von König Philipp IV. erhalten. Hierin stimme er auch mit Erzh. Leopold Wilhelm und mit Schwarzenberg überein. Schon im J. 1660 (6. Nov.) durfte sich P. der kaiserl. Huld in vollem Maaße rühmen. Denn es wurden ihm 200,000 Gulden als Remuneration und überdies die Grafschaft Mitterburg (Pisino) im heutigen Istrien (damals zur Krainer Landschaft gehörig) verliehen, mit der baldigen Zusage, daß letztere zu einer gefürsteten Grafschaft erhoben werden solle. Denn die Erwerbung eines „Reichsfürstenthums“ war das Ziel der Wünsche Porzia’s. 1662 erhielt er von seinem Monarchen den persönlichen Fürstenrang mit dem großen Pfalzgrafenamte, das Recht, Münzen zu schlagen, Adelsbriefe zu verleihen u. s. w., ein Beweis mehr, daß seine von Nani gerühmte „Uneigennützigkeit“ jedenfalls auf harte Proben gestellt wurde. Am unpopulärsten war P. in Ungarn, in dessen Ständeschaft eine weitverzweigte Unzufriedenheit mit dem „deutschen Regiment“ allgemach zur sog. „Magnatenverschwörung“ der Jahre 1665–1670 führte, nachdem der Türkenkrieg 1663–4 den Erfolg nicht hatte, den man sich vom Siege bei St. Gotthard (1664, Aug.) versprach. In Prosa und Versen finden wir dort der Abneigung gegen den Premier Kaiser Leopold’s I. Ausdruck gegeben. Von besonderem Interesse, und ein Beweis, wie vertraulich die Correspondenz zwischen dem Kaiser und P. blieb, erscheint der Brief des Ersteren vom 9. Nov. 1663 an seinen Minister und Freund. Der Kaiser habe dem „Billet“ Porzia’s die offenherzige Klage über die seinem Lieblingswunsche nach „Reichsunmittelbarkeit“ der Grafschaft Mitterburg entgegenstehenden Hindernisse entnommen. Er wolle dessen Vertrauen mit gleichem entgelten, ihm nicht als Herr (padrone) sondern als intimer Freund (intrinsechissimo amico) offenherzig schreiben. „Ich auch waiß, daß wenig, so mitt Euch vmbgehen, Euch recht die Wahrheitt sagen, sondern mehr schmeichlen thuen.“ Um zur Sache zu kommen, so wisse er leider nur zu gut, was es für Intriguen [452] und Einmischungen bei Hofe gebe, wie man alles übel auslege, wie man P. und folgerichtig den Kaiser selbst zu verkleinern bestrebt sei. Er verhoffe sich selbst nicht viel Gutes von Auersperg. Letzterer könne allerdings die Krainer Landschaft gegen das Mitterburger Project aufgehetzt haben. Aber dem Kaiser selbst seien immer mehr Bedenken dawider aufgestiegen. Fürs erste würde die Reichsunmittelbarkeit Mitterburgs beinahe den vierten Theil des Herzogthums Krain, eines „vornehmen Erblandes“ kosten, zweitens kämen so die Steuern gewaltig ins Stocken, und obschon er für seine Person „diese wenige contributiones gar gern fallen lassen würde“, so würden ihm (Porzia) die übrigen dennoch zur Last fallen; drittens hätte P. und seine Nachkommenschaft keine Sicherheit eines solchen Besitzes, denn die Nachfolger des Kaisers würden vielleicht sagen, letzterer habe ihre Erbländer nicht verschenken können; viertens habe er bei der Erbhuldigung Krains mit seinem königlichen Worte anstatt des Eides versprochen, Krain bei all seinen Freiheiten zu belassen und nichts davon zu veräußern; fünftens endlich, und das dünke ihn das gewichtigste Bedenken zu sein, würden Er und P. ihr Gewissen damit belasten und eine schwere Verantwortung auf sich laden. Er suche deshalb nach einem beruhigenden Auswege. P. solle ihm zwei vertrauenswürdige Personen bezeichnen, die dem Kaiser in allem Geheim ihr begründetes Gutachten abzugeben hätten. „Ich sage Euch nochmalen“, schreibt der Kaiser, „daß Ich alles dieses als innerster Freund Euch schreibe, vnd Ihr werdtet es gewiß heutt oder morgen erkhennen, wie wolmeinendt Ich dises Euch zu gemüdt gefürdt habe. Vnd wollet Mir ferners hirüber Euer intention eröfnen. Ich versichere Euch anbey genedigst, daß Ich Euch allezeitt in allem schütze und manutenirn werde vnd habet Ihr etwo irgendts einen anstoß, recurirdt nur zu mir vnd gebt es mir an die Handt. Ich will gewiß solche Demonstrationes thun, daß es gewiß manchen dawider graußen solle“ … Es gelang thatsächlich dem Fürsten P. nicht, das zu erreichen, was seinem Rivalen, Auersperg, in Bezug des Fürstenthums Münsterberg gelungen war; er entschloß sich daher auch, sein Besitzrecht auf die Grafschaft Mitterburg an die Krainer Landstände zu verkaufen, die dafür 550,000 fl. rh. zu zahlen sich bereit erklärten. Der bezügliche Vertrag wurde am 4. Februar 1665 abgeschlossen. P. selbst starb fünfzehn Tage später.

S. die Geschichtswerke für die Regierungszeit Leopold’s I., insbesondere A. Wolf, W. Eus. Fürst v. Lobkowitz. Wien 1869. – J. Fiedler, die Relationen der Botschafter Venedigs (fontes rer. austr. II. Abth. 27. Bd. 1867). – Wurzbach XXIII. (1872) 120–23. – Beckh-Widmanstetter über das Familienarchiv der Fürsten Porzia zu Spital a. d. Drau i. O. Kärnten. Mitth. der Centralcommission z. E. u. E. der Kunst- u. hist. Denkmale. (N. F.) IX. (1883) S. CXXXV f. u. X (1884) XII ff.