ADB:Pourbus, Pieter

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Artikel „Pourbus, Pieter“ von Joseph Eduard Wessely in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 26 (1888), S. 490–492, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Pourbus,_Pieter&oldid=- (Version vom 22. November 2019, 07:05 Uhr UTC)
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Pourbus: Pieter P., Historienmaler, geb. zu Gouda in Holland; das Jahr seiner Geburt ist nicht bekannt, auch von seinen Lebensverhältnissen weiß man nicht viel. In früher Jugend kam er nach Brügge, wo er 1543 in die Lucasgilde aufgenommen wurde; ebenda heirathete er die Tochter des berühmten Malers Lancelot Blondeel. Zu seinen Hauptwerken gehört der Bildercyclus in der Kathedrale Gouda aus dem Leben des hl. Hubert. In Brügge befinden sich zwei vortreffliche Bildnisse seiner Hand. Im Bildniß war er hervorragender als in der Heiligenhistorie, da er in letzterer noch von alter Weise befangen war. Auch Wien besitzt drei Bildnisse unbekannter Persönlichkeiten. Vorzüglich sind auch zwei kleine Büsten in einem Rahmen, der Gräfinnen Egmont und Hoorn, in Trauerkleidern. Die meisten Werke des Meisters sind in Brügge zu sehen, in der Notre-Damekirche. Er wird auch als tüchtiger Geometer gerühmt. Zu seinen letzten Arbeiten gehört das Portrait des Herzogs von Anjou, das er in Antwerpen malte. Er starb in Brügge am 30. Januar 1584. Der nachfolgende Künstler, Franz, ist sein Sohn und Schüler.

Immerzeel. – van Mander. – Kramm. – Michiels.

Franz P. der ältere, berühmter Historien- und Bildnißmaler, geb. in Brügge 1545. Den ersten Kunstunterricht erhielt er im Atelier seines Vaters, später zog er nach Antwerpen, wo er bei Franz Floris sich weiter ausbildete. Letzterer nannte den jungen Künstler seinen besten Schüler. Das Meisterrecht erwarb er 1569 und wurde in die Lucasgilde aufgenommen. Wie Viele seiner Landsleute wollte er auch Italien besuchen, doch kam es nicht dazu, da er sich in die schöne Tochter des Architekten Cornelis Floris, des Bruders seines Lehrers, verliebte und sie heirathete. Diese hielt ihn im Vaterlande zurück. Van Mander nennt verschiedene Bilder von ihm, die sich sonst in Brügge, Gent, Audenaerde befanden, die aber jetzt verschollen sind. Sein Hauptwerk ist das Bild in der St. Bavonkirche zu Gent, ein Triptychon, das Christum in der Mitte von Schriftgelehrten darstellt. Im Vordergrunde bemerkt man Karl V., Philipp II., den Künstler selbst und den Donator Viglius Aytta, der das Bild für seine Grabcapelle malen ließ. Auf den Flügeln des Altarwerkes sieht man links die Beschneidung und rechts die Taufe Christi. Wie die Inschrift besagt, ist das Werk 1571 entstanden. In der Seminarcapelle zu Mecheln befinden sich zwei Flügel, [491] deren Mittelbild verloren ging. Sie stellen die Verkündigung und die Darstellung im Tempel dar. Unter den Zuschauern, die auf letzterem Bilde zu sehen sind, hat sich der Maler selbst auch angebracht, gleichsam um das Bild als sein Werk zu beglaubigen. Die Kirche St. Martin zu Courtrai besitzt von seiner Hand eine Sendung des h. Geistes, ein effectvoll gemaltes Bild. Der gewölbte Saal ist düster gehalten und die Personen sind von den feurigen Zungen schattenlos erleuchtet. Im Museum zu Brüssel sieht man den h. Matthäus, der im Begriff das Evangelium zu schreiben, sich nach dem Engel umwendet, und auf dessen Offenbarungen horcht. Obgleich P. durch die genannten Bilder sich als trefflichen Meister kirchlicher Bilder kennzeichnet, so ist er doch als Bildnißmaler noch höher zu schätzen. Wien besitzt im Belvedere das Bildniß eines Ritters von Calatrava und das einer jungen Dame. Die Namen der Dargestellten sind leider unbekannt, wie auch von den männlichen Bildnissen, die sich in der Eremitage in Petersburg, in Kopenhagen und in Braunschweig (vom Jahre 1575) befinden. Von Bildnissen bekannter Persönlichkeiten besitzt das Johanneshospital zu Brügge zwei, das Bildniß des Nic. van Nieuwenhove und des van Brakele, Brüssel jenes von J. van der Gheenste in spanischer Tracht, vom Jahre 1573. Ein schönes jugendliches Damenbildniß in Amsterdam soll die Königin Elisabeth von England vorstellen, was jedoch zu bezweifeln ist. In der medicinischen Facultät zu Paris sieht man das ausdrucksvolle Bildniß des Ambroise Paré, des Arztes Karl’s IX., vom Jahre 1570. Als Bildnißmaler ist P. deßhalb für die Kunstgeschichte wichtig, weil er mit diesem Kunstzweig den Weg bahnte, auf dem Rubens und van Dyck ihre Triumphe gefeiert haben. P. war auch Fahnenträger der Antwerpner Bürgerwache. In diesem Amte zog er sich eine Erkältung zu, die Ursache seines Todes war. Van Mander läßt ihn 1580 sterben; diese Angabe ist nicht richtig, er starb am 19. September 1581.

Van Mander. – Immerzeel. – Kramm. – Michiels.
W.

Franz P. der jüngere, Historien- und berühmter Bildnißmaler, Sohn des Vorhergehenden, geb. in Antwerpen 1570. Da er beim Tode sein Vaters erst 11 Jahre alt war, so dürfte er dessen Schüler nicht gewesen sein; doch erbte er von demselben eine ausgesprochene Vorliebe für das Bildniß. Sein Lehrer ist nicht bekannt, im J. 1591 wurde er als Meister in die Lucasgilde aufgenommen. Als Erzherzog Albrecht und Isabella nach den Niederlanden kamen, wurde P. für dieselben, und zwar zu ihrer Zufriedenheit beschäftigt. Was er für sie malte, ist unbekannt. In dieser Zeit hielt sich in Brüssel Vincenz Gonzaga, Herzog von Mantua auf, der neben Vergnügungen aller Art auch die Künste liebte. Dieser fand Gefallen an dem jungen Künstler und beredete ihn, nach Italien an seinen Hof zu ziehen. Ende August 1600 kam P. nach Mantua, wo er das herzogliche Paar malte. Außerdem sollte er für den Herzog eine Galerie weiblicher Schönheiten ausführen. In Folge dessen mußte der Maler verschiedene Reisen machen; so 1603 nach Turin, um da zwei Prinzessinnen-Bräute zu malen, dann 1607 nach Neapel, wo der Herzog eine schöne Frau entdeckte, deren Bild er in seiner Schönheiten-Galerie nicht missen wollte. P. begleitete dann den Herzog nach Lothringen, wo dessen Tochter den Herzog von Bar heirathete. Der Künstler portraitirte hier viele Schönheiten des Adels. Dann kam er mit dem Herzog nach Paris, wo eines seiner Hauptwerke entstand, das Bildniß Heinrich’s IV. in ganzer Figur, jetzt eine Zierde des Louvre. Maria de Medicis beredete den Herzog, ihren Schwager, daß er ihr den Maler überließ. P. blieb also in Paris, malte den König noch einmal in Rüstung, im J. 1610, also kurz vor dessen Ermordung. Auch die Königin saß dem Künstler, einmal ohne und einmal in Trauerkleidern. Letzteres befindet sich im Museum zu Valenciennes. Hier sind [492] noch zwei Bildnißwerke unseres Meisters, die zu seinen besten Arbeiten gehören, das Portrait der Dorothea de Croy im Brautanzug und das Bild mit den Bildnissen ihrer beiden Kinder. Dieses letztere dürfte etwa 13 Jahre später, als das der Mutter entstanden sein. P. hatte noch öfter Wiederholungen der Bildnisse von Heinrich IV. und Maria de Medicis ausgeführt; man trifft sie in verschiedenen Sammlungen an. Im Belvedere befindet sich ein Damenbildniß in reichem Costüm, in den Ufficien zu Florenz das Portrait des Bildhauers Francavilla. Für das Pariser Rathhaus malte er zwei große Wandbilder: „Die Vorsteher der Kaufmannsgilde huldigen dem unmündigen Ludwig XIII.“ und „Proclamation der Mündigkeit desselben“. Sie sind in der Revolution zu Grunde gegangen. Auch einige Altarbilder hat der Meister gemalt. Ein Abendmahl Christi, vom Jahre 1618, befindet sich jetzt im Louvre. Sein Vaterland hat er nicht wieder gesehen, er starb in Paris 1622. Obwohl fast die ganze Lebenszeit in der Fremde lebend, bewahrte er doch treu den vlämischen Accent in seiner Kunst. Auf die französische Bildnißmalerei hat er einen wohlthuenden Einfluß ausgeübt.

Immerzeel. – Kramm. – Michiels.
Wessely.