ADB:Röse, Ferdinand

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Artikel „Röse, Ferdinand“ von Hugo Schramm-Macdonald in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 29 (1889), S. 186–187, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:R%C3%B6se,_Ferdinand&oldid=2505151 (Version vom 21. Oktober 2018, 12:52 Uhr UTC)
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Röse: Johann Anton Ferdinand R., geboren zu Lübeck am 27. September 1815 als Sohn eines Kornmaklers, sollte anfänglich Buchhändler werden, entschied sich aber dann, einem inneren Drange folgend, für den Gelehrtenstand, empfing seine Vorbildung auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt, studirte 1836–40 in Berlin, Basel und München Philosophie und Kunstgeschichte, versuchte sich hierauf als Docent zu Basel und (1847–49) Tübingen, lebte dann als Privatgelehrter und Volksschriftsteller in Stuttgart, Augsburg und Berlin und zuletzt in trauriger Abgeschlossenheit am Rheine, wo er am 27. November 1859 zu Krufft bei Andernach an den Folgen eines Blutsturzes starb. Bei [187] glänzenden Geistesgaben, ernstem und energischem Streben und hoher persönlicher Liebenswürdigkeit hat es diesem ältesten und nächsten Freunde Emanuel Geibel’s auf seinem reich und abenteuerlich bewegten Lebensgange gleichwohl niemals glücken wollen, das Ziel seiner Wünsche, ein öffentliches philosophisches Lehramt, das ihm eine unabhängige Stellung gesichert hätte, zu erringen, ein Mißgeschick, dessen Ursachen wohl zunächst in der Ungunst äußerer Umstände, zum Theil aber auch in Röse’s ökonomischer Sorglosigkeit und in seinem starken Selbstgefühl zu suchen sind, das ihn verhinderte, sich auch nur zeitweilig unterzuordnen. Seine bedeutendsten Leistungen liegen auf dem Gebiete der Philosophie. Schon in seiner ersten philosophischen Schrift: „Die Erkenntnißweise des Absoluten“ (1841) finden sich die Grundzüge seiner Lehre, die als „Individualitätsphilosophie“ eine principielle Fortentwickelung der Philosophie anstrebte und diese Wissenschaft namentlich zu einer mehr praktischen, für das Leben fruchtbareren und im höheren Sinne politischen machen sollte, in gedrängter Kürze niedergelegt. In seinen „Ideen von den göttlichen Dingen“ (1847) gab er dieser Richtung einen bestimmteren Ausdruck. „Nicht nur das religiöse, sondern auch das politische Bewußtsein sollte über sich selbst klarer gemacht werden, und wir begegnen hier in der That überraschenden prophetischen Blicken in das, was ein Vierteljahrhundert später Deutschland, freilich auf damals ungeahnten Wegen, zum großen Theil glorreich erreichen sollte. Der damals noch halb instinctartig wirkende Nationalgeist hatte sich bei R. schon zu einem klareren Selbstverständniß emporgearbeitet.“ (Vgl. den Artikel „Ein vergessener politischer Philosoph“ von Eman. Schärer in der „Allg. Ztg.“ vom 8. und 9. Sept. 1873). Was R. als Dichter und Volksschriftsteller geschaffen, ist von ungleichem Werthe, das Meiste geistvoll, Manches formlos. Von seinen Schriften sind noch zu nennen: „Ueber den Zeus von Olympia“ (in einem Berliner Kunstblatte 1837 oder 1838); „Ueber die scenische Darstellung des Faust“ (1838); „Gedichte“ (1839); „Lübische Sagen“ (im „Morgenblatt“ 1839); „Lübische Chronik“ (1842); „Bilder aus Süd und Nord“ (in Gemeinschaft mit Widmann, 1844); „Der Pilger durch die Welt, Volkskalender auf 1844 und 1845“ (vgl. die „Deutsche Vierteljahrsschrift“ 1845, Heft 4, S. 165); „Das Volksschriftenwesen“ („Deutsche Vierteljahrsschrift“ 1845, Heft 4); „Die Kunst, zu philosophiren“ (Habilitationsrede, Basel 1847); eine Recension von Fischer’s „Metaphysik“ (in den Göttinger „Gel. Anzeigen“ 1847, S. 134 ff.); „Die deutsche Volksbewegung von Gottes Gnaden“ (1849); „Der neue Eulenspiegel“ (1849); „Psychologie“ (1856).

Vgl. Theodor Storm’s Zerstreute Kapitel, deren eines der Erinnerung an Röse gewidmet ist.