ADB:Radagais

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Artikel „Radagais“ von Felix Dahn in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 27 (1888), S. 108, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Radagais&oldid=- (Version vom 18. September 2019, 03:45 Uhr UTC)
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Radagais: Führer germanischer Schaaren, richtiger Ansicht nach nicht König, jedenfalls nicht König der sämmtlichen, von ihm befehligten, sehr verschiedenen Völkerschaften angehörigen Kriegerhaufen, weder König noch Herzog (= gekorener Oberfeldherr) eines einzelnen wandernden Volkes sondern abenteuerndes Haupt abenteuernder Haufen aus manchfaltigen Völkern, vielleicht oder sogar wahrscheinlich Herr einer Gefolgschaft, welcher aber – bei der geringen Zahl aller Gefolgen – der Menge nach – für die (auch nach Abzug aller Ueberschreitungen) offenbar sehr starken Massen, welche sich ihm angeschlossen hatten, verschwindend geringe Bedeutung zukam. Er war Heide und, wie sein Name bezeugt, Germane, vielleicht einer gothischen Völkerschaft angehörig: Gothen bildeten einen erheblichen Bestandtheil seiner Schaaren, welche auf 200,000 bis 400,000 Köpfe geschätzt werden, unter den 400,000 sollen 200,000 Gothen gewesen sein: die Zahl der zuletzt mit R. Eingeschlossenen wird auf 100,000–200,000 angegeben. Da wir nicht genau wissen, welche Völker, abgesehen von dem allgemeinen Ausdruck „Hunnen“, „Gothen“ und „Alanen“, bei jenem Zuge betheiligt waren, ist es müßig, nach besonderen Gründen für diese besondere Bewegung zu suchen, neben den allgemeinen, welche um jene Zeit die Ausbreitungen der germanischen Stämme, ihr Drängen und Gedrängtwerden, verursachten. Zweifelhaft bleibt die Mitwirkung des R. bei dem Zug Alarich’s von 401. Im J. 405 geschah der (allein fest stehende) Einbruch des R. in Oberitalien; seine Massen waren in drei Heere getheilt: Stilicho erschien plötzlich im Rücken von Radagais und machte zwei der Heere durch Gefechte oder Verhandlungen unschädlich: das dritte, unter R. selbst, ward bei Fiesole von Stilicho unter erheblicher Mitwirkung alanischer und hunnischer Hilfsvölker geschlagen, zwischen dem Arno und den Bergen eingeschlossen und durch Aushungerung zur Ergebung gezwungen. R. ward mit seinen Söhnen in der Gefangenschaft getödtet.

Quellen und Litteratur bei Dahn, die Könige der Germanen II. 1861 S. 96 V. 1870 S. 37; daselbst auch über die angebliche Verbindung des R. mit Alarich’s Einbruch von 400/401.