ADB:Raff, Georg Christian

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Artikel „Raff, Georg Christian“ von Binder. in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 27 (1888), S. 158–159, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Raff,_Georg_Christian&oldid=- (Version vom 19. Juli 2019, 06:29 Uhr UTC)
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Raff: Georg Christian R., bedeutender Schulmann und Jugendschriftsteller, geboren am 30. September 1748 zu Stuttgart, † am 5. Juni 1788. Derselbe besuchte das Gymnasium zu Ulm, bezog hierauf die Universität Göttingen, wo er sich vorzugsweise pädagogischen Studien zuwandte und dann dem Lehrerberufe sich widmete; er starb als Director des dortigen städtischen Lyceums. Seine Persönlichkeit ist für die Entwickelung der Methodik des Unterrichts in den Realien und hier besonders der Naturgeschichte von Bedeutung. Raff’s Bestreben war auf die Begründung einer dem jugendlichen Anschauungs- und Fassungsvermögen angepaßten leichten und vornehmlich die Lernlust anregenden Belehrungsart gerichtet. Als das förderlichste Mittel hierfür erschien ihm, den Unterrichtsstoff der Realien in ausschließlich in dialogischer anregender Form geschriebenen Lehr- und Lesebüchern der Jugend vorzuführen. Zu diesem Zwecke verfaßte R. mehrere in dieser Art behandelte Jugendschriften, die beifällige Aufnahme fanden und besonders beim Privatunterricht ziemlich lange im Gebrauch blieben; von diesen sind hauptsächlich hier zu erwähnen seine „Geographie für Kinder“, die 1778 erschien und später von André verbessert und fortgesetzt wurde, 1790–92, 3 Bde., dann kommt ganz besonders in Betracht die „Naturgeschichte für Kinder“, die er gleichfalls 1778 veröffentlichte und die vielfache Auflagen selbst noch in neuerer Zeit erfuhr. Von der in letzterem Buch angewandten Form der Mittheilung schreibt R. in der Vorrede desselben folgende dieselbe charakterisirende Darlegung: „Ich habe den dialogischen Ton gewählt. Bald rede ich mit den Kindern, bald reden sie mit mir. Jetzt redet ein Kind mit einem Thier, oder ich rede mit einem; jetzt lassen wir das Thier seine Geschichte selbst hersagen. Nun gehen wir spazieren und suchen Pflanzen, Thiere und Steine auf. – Kurz ich habe alles gethan und versucht, was meinen lieben kleinen Herzensfreunden gefallen könnte. Und gefällt es diesen, so deucht mich, wäre meine Methode glücklich entschieden.“ Der Verfasser hat das Buch als Lesebuch geschrieben, wobei der Lehrer gelegentlich weitere naturgeschichtliche Belehrung anknüpfen möge. Der wirkliche Werth dieses Buches hinsichtlich der Fortbildung der Methode liegt aber nicht in der Anwendung jener dialogischen, hin und wieder sogar gezwungenen und erkünstelten Form der Darstellung, als vielmehr vornehmlich darin, daß hier wohl zuerst der naturgeschichtliche Inhalt, vorgeführt an charakteristischen Thiertypen, in drei sich stets mehr erweiternden und vertiefenden Kreisen entwickelt und so für drei aufsteigende Unterrichtsstufen berechnet erscheint; dann erst wird zum Abschluß auf der letzten Stufe das System selbst, soweit es dem vorliegenden Zwecke des Unterrichts entspricht, aufgebaut und zusammengestellt. Mit diesem Verfahren wurde der bisher übliche Weg, die Voranstellung des fertigen und abgeschlossenen Systems, verlassen und der analytische Gang als der naturgemäßere angebahnt, der die Beobachtung und das Urtheil des Schülers an dem einzelnen Naturgegenstand selbst übt und von der Betrachtung des Einzelnen zur Bildung des Systems hinführt. Die sonstige Anordnung des Materials blieb in Raff’s Buch im ganzen die bisher gebräuchliche; nach der Eintheilung in drei Naturreiche folgt die Besprechung der Familien und Arten der Gewächse, Thiere und des Mineralreiches, wobei die Zoologie den größten Raum einnimmt. – R. war bei diesen seinen Bestrebungen von philanthropischen Ideen geleitet, wie dies die Eigenart seines Werkes, das starke Hervorheben des Nützlichen, die Betonung der Anschaulichkeit, sowie besonders sein Bemühen, das Lernen den Kindern leicht, ja zum Vergnügen zu [159] machen, unschwer erkennen läßt. Bei dieser philanthropischen Richtung seiner Pädagogik hatte R., wie jene Ideen überhaupt, seine Gegner; so fühlte sich A. G. Kästner, der bekannte Mathematiker und Satiriker, durch die in Raff’s Naturgeschichte auftretenden sprechenden Thiere zum Spott und zu der Aeußerung veranlaßt: „Hier sind die Thiere sprechend angekommen, allein den Esel ausgenommen; die Rolle hat der Autor übernommen!“

Vgl. Kehr, Geschichte der Methodik. Bd. I, S. 224 u. 225.
Binder.