ADB:André, Karl

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Artikel „André, Christian Karl“ von Georg Brückner, William Löbe in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 1 (1875), S. 432–434, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Andr%C3%A9,_Karl&oldid=- (Version vom 20. September 2019, 22:42 Uhr UTC)
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André: Christian Karl A., (Andreä nach dem Kirchenbuch und nach der Schreibweise seiner Eltern und Verwandten), geb. 20. März 1763 zu Hildburghausen, † 19. Juli 1821[1] zu Stuttgart, auf dem Gebiete der Volkscultur ein Säemann, dem Wenige an die Seite gestellt werden können. Wie sein berühmter Namensvetter J. Val. Andreä, so hatte auch er die geistige und sittliche Hebung des Volkes im Auge, nicht aber wie jener mit unpraktischen und zum Theil geheimen, auf die gesammte Menschheit zielenden, sondern mit den verständigsten, vorzugsweise die mittlern und untern Classen des deutschen Volkes umfassenden Mitteln. Nach Vollendung seiner der Rechtswissenschaft, Pädagogik und Musik gewidmeten Studien wurde A. fürstlich waldeckischer Secretär und kurz darauf Rath zu Arolsen, indeß sehr bald gab er, um für das Volk durch Erziehung und Unterricht zu wirken, die staatliche Laufbahn auf. Bereits 1782 gründete er zu Arolsen eine Erziehungsanstalt, wurde 1785, wo das Salzmann’sche Institut zu Schnepfenthal ins Wanken kam, dessen wiederbelebende Stütze, leitete 1790 ein Mädcheninstitut zu Gotha, das er 1794 nach Eisenach verlegte, entwarf 1791 den Plan des „Allgemeinen Reichsanzeigers“, dessen Ausführung er mit Hofrath Becker begann, aber diesem nach wenig Jahren allein überließ, übernahm 1798 das Directorium der protestantischen Schule zu Brünn in Mähren, wurde hier Secretär der kaiserl. mährischen Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaus, der Natur- und Landeskunde und in kurzem die Seele des Vereines, namentlich als er sein Schulamt aufgegeben hatte, erlangte 1806 für seine auf das Volkswohl gerichtete schriftstellerische Thätigkeit exclusive Censurvergünstigungen, verlor indeß schon 1812, in welchem Jahre er fürstlich Salm’scher Wirthschaftsrath geworden, dieselben durch das Ministerium Metternich, trat zufolge der fortdauernden Censurbeschränkung 1821, dem Rufe des Königs von Würtemberg folgend, mit dem Titel eines Hofraths in würtembergische Dienste und wirkte nun zu Stuttgart bis zu seinem Tode, einerseits als Secretär bei der Centralstelle des landwirthschaftlichen Vereines für Ausbreitung gemeinnütziger Kenntnisse, andererseits als Mitglied von Privatvereinen für Kunstanstalten, besonders für Musik, anregend und nachhaltig segensreich.

Seine 45 Jahre andauernde schriftstellerische Thätigkeit, welche 40 Werke [433] theilweise von vielen Bänden und Heften umfaßt, bezeugt sowol seinen herculisch thätigen Geist als seinen heiligen Eifer, in das deutsche Volksleben befruchtende Bildungselemente zu senken, die es zu einer hellern und sittlichern Anschauung und zur selbständigen Thätigkeit erheben sollten. Unter seinen Schriften waren besonders wirksam: „Der Landmann“ (4 Hefte, 1790–95): „Gemeinnützige Spaziergänge auf alle Tage im Jahr“, erst mit Bechstein, später mit Blasche bearbeitet (10 Thle., 1790–97); „Patriotisches Tageblatt“ (1800–1805); „Hesperus“ (jährlich 12 Hefte, 1809–21 in Prag, seit 1822 in Stuttgart); „Oekonomische Neuigkeiten“ (von 1811 jährlich 12 Hefte); „Nationalkalender für die deutschen Bundesstaaten“ (Stuttgart seit 1823).

N. Nekrol. IX. (1831) S. 637. – Bernsdorf, Universallex. d. Tonkunst I. 233.

Rudolf A., Sohn des vorigen, landwirthschaftlicher Schriftsteller, ist geb. 16. Jan. 1792 in Gotha, † im Januar 1825 in Tischnowitz. In seinem 17. Jahre betrat er, ausgerüstet mit den nöthigen Vorkenntnissen, die praktische Laufbahn in Mähren, später in Böhmen. 1814 kam er in die Dienste des Fürsten Salm, auf dessen Herrschaften Rainz und Blansko er von 1820–24 als Wirthschaftsdirector fungirte. 1825 administrirte er noch kurze Zeit die Güter Tischnowitz in Mähren und Staaz in Niederösterreich. Durch seine Schriften hat er sich einen geachteten Namen erworben. Namentlich gebührt ihm das Verdienst, daß er zuerst die Veredelung der Schafe, welche noch von keinem Schriftsteller ausschließend und genügend behandelt worden war, gründlich und in seinem ganzen Umfange beschrieb: „Anleitung zur Veredelung des Schafviehs“ 1815 u. öfter; „Kurzgefaßter Unterricht über die Wartung des Schafviehs“ 1818; ferner „Darstellung der vorzüglichen landwirthschaftlichen Verhältnisse“ 1815, 4. Aufl. 1848: „Ideen über die Verwaltung landtäflicher Güter in Böhmen, Mähren und Oesterreich“ 1821.

Sein Bruder, Emil A., Forst- und Wirthschaftsrath, geb. 1 März 1790 in Schnepfenthal, † 26. Febr. 1869 in Kisber in Ungarn, hat sich verdient gemacht durch Herausgabe der „Oekonomischen Neuigkeiten und Verhandlungen“ und als Forstwirth durch eine neue Forstwirthschaftsmethode, welche namentlich in Böhmen und Mähren Eingang gefunden hat. 1807 wurde er fürstl. Salm’scher Forstmeister. 1809 trat er als Freiwilliger in k. k. österreichische Dienste, wurde Officier, verließ aber den Dienst 1810 nach hergestelltem Frieden und kehrte auf die Salm’schen Herrschaften zurück, wo er zuerst im Berg-, dann im Forstamte fungirte. Von 1812–19 wirkte er als Forstbeamer bei dem Fürsten Dietrichstein, wurde 1819 Oberförster auf der Salm’schen Herrschaft Blansko, 1823 Forstinspector über sämmtliche fürstl. Auersperg’schen Herrschaften. 1825 zog er nach Prag und beschäftigte sich daselbst mit Forstinspectionen, Schätzungen und Forsteinrichtungen, begann auch sich der Landwirthschaft, namentlich der Schafzucht, zu widmen. Zu diesem Behuf kaufte er 1836 ein Gut, um Studien zu machen, nachdem er vorher (1830 und 31) die Administration der fürstl. Lamberg’schen Herrschaft Schichowitz und der gräfl. Rumerskirchen’schen Herrschaft Horazdiowitz in Böhmen übernommen und 1832 mehrere Meierhöfe gepachtet hatte. 1838 übernahm er die Administration der fürstl. Odescalchi’schen Majoratsherrschafft Illot in Syrmien, der Herrschaft Szolcsan und der gräfl. Barthyanj’schen Herrschaften Ikervop, Schleiming, Neuhaus und Toth-Moraz. Hier machte er sich um die Einführung veredelter Schafe und die Anlagen von Runkelrübenzuckerfabriken verdient. In seinen letzten Lebensjahren wohnte er, von den Geschäften zurückgezogen, in Kisber.

Er schrieb: „Versuch einer zeitgemäßen Forstorganisation“ (Prag 1823 2. Aufl. 1830); „Vorzügliche Mittel, den Wäldern einen höhern Ertrag abzugewinnen“ [434] (Prag 1826); „Einfachste, den höchsten Ertrag und die Nachhaltigkeit ganz sicher stellende Forstwirthschaftsmethode“ (Prag 1823, 2. Aufl. 1832); „Kubiktabellen“ (Wien 1844); setzte nach dem Tode seines Vaters, im Anfange mit Elsner, die „Oekonomischen Neuigkeiten und Verhandlungen“ fort (Prag 1831–48) und gründete, nachdem er dieselben aufgegeben hatte, die „Neue ökonomische Zeitschrift“ (Wien 1846 und 47).

Löbe.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 432. Z. 24 v. o. l.: 1831 (st. 1821). [Bd. 18, S. 794]