ADB:Recke, Elisa Baronin von der

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Artikel „Recke, Elisabeth von der“ von Julius von Eckardt in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 27 (1888), S. 502–503, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Recke,_Elisa_Baronin_von_der&oldid=- (Version vom 17. Juni 2019, 11:20 Uhr UTC)
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Band 27 (1888), S. 502–503 (Quelle).
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Recke: Charlotte Elisabeth Konstantia v. d. R,, deutsche Dichterin und Schriftstellerin, wurde am 20. Mai 1756[1] in (dem damaligen Herzogthum) Kurland geboren und im Hause ihres Vaters, des Reichsgrafen v. Medem sorgfältig erzogen. Fünfzehnjährig mit dem zweiunddreißigjährigen Kammerherrn Baron v. d. Recke, einem ausschließlich den politischen und ständischen Interessen seiner Heimath lebenden Kampfgenossen des siebenjährigen Krieges verheirathet, führte die sensitive und seit ihrer Kindheit zur Schwermuth neigende junge Frau an der Seite des anders gearteten Gatten eine so unglückliche Existenz, daß ihre Ehe 1776 getrennt und nach dem Tode ihrer einzigen Tochter im J. 1781 geschieden wurde; auf diese Scheidung war es nicht ohne Einfluß, daß Elise an dem Professor des Mitauer akademischen Gymnasiums David Hartmann[2] (aus Württemberg) einen Verehrer im Werther’schen Stil gefunden hatte (vgl. den Artikel D. H. im Goethe-Jahrbuch für 1888). Seit der im J. 1779 erfolgten Verheirathung ihrer Halbschwester Anna[3] mit Peter Biron, dem letzten Herzoge von Kurland, lebte Elisabeth vornehmlich am Mitauer Hofe, dessen gefeiertester Gast damals Cagliostro war. Anfänglich entschiedene Anhängerin des geschickten Betrügers und Mitglied der von ihm gestifteten Loge (d’Adoption) hatte sie demselben bereits ihre Begleitung an den Hof der Kaiserin Katharina II. zugesagt, als einige von unsittlicher Lebensauffassung zeugende Aussprüche des angeblichen Grafen und königl. spanischen Obristen das Mißtrauen der feinfühligen kaum 24jährigen jungen Frau weckten. Ohne Cagliostro vollständig durchschaut zu haben, brach Elise ihre Beziehungen zu ihm ab, und trug sie dadurch wesentlich zur Erschütterung seiner Mitauer Stellung bei. Nach Entdeckung der sog. Halsbandgeschichte trat sie mit der im J. 1787 zu Berlin erschienenen, noch in demselben Jahre ins Russische und später (1792) ins Holländische übersetzten Schrift „Nachricht [503] von des berüchtigten Cagliostro Aufenthalt in Mitau 1787 und von dessen magischen Operationen“ öffentlich gegen den Betrüger auf, der sich von diesem Schlage nicht wieder zu erholen vermochte (vgl. Cagliostro in Mitau, Balt. Monatsschrift 1864, Bd. X, S. 354 ff. – Cagliostro in Mitau, Berlinische Monatsschrift 1790, Stück 10, S. 302 ff.). Zur Zeit der Veröffentlichung dieser Schrift, welche europäisches Aufsehen erregte, weilte die Verfasserin in Deutschland, wo sie durch ihre von Joh. Adam Hiller componirten „Geistlichen Lieder einer vornehmen kurländischen Dame“ (Leipzig 1780), sowie durch die gleichfalls von J. A. Hiller herausgegebene Gedichtsammlung „Elisens geistliche Lieder“ bekannt geworden war. Zu Ende der achtziger Jahre nach Mitau zurückgekehrt, reiste sie bald nach der im J. 1796 erfolgten Unterwerfung Kurlands unter das russische Scepter nach St. Petersburg, wo sie von Katharina II. mit Auszeichnung empfangen und durch Verleihung des (von 508 Menschen bewohnten) Domänengutes Pfalzgrafen in den Besitz eines ansehnlichen Vermögens gesetzt wurde. Eine Zeit lang mit philanthropischen Plänen zur Besserung der Lage der Bauern ihres Gutes Subern beschäftigt, wurde sie bei der Ausführung derselben durch die Thronbesteigung Paul’s I. unterbrochen und zu dauernder Niederlassung in Deutschland veranlaßt (vgl. den an den Schriftsteller G. Merkel gerichteten Brief d. d. Pyrmont d. 8. Sept. 1797 bei J. Eckardt, Die baltischen Provinzen Rußlands, – 2. Aufl. – Leipzig 1869, S. 191 ff.). Seit dem Jahre 1797 lebte Elise v. d. R. abwechselnd in Berlin, Leipzig, Dresden und auf dem ihrer Schwester, der Herzogin von Kurland gehörigen Gute Löbichau und zwar in Gesellschaft des ihr nahe befreundeten Dichters Tiedge, mit welchem sie in den Jahren 1804 bis 1806 eine Reise nach Italien unternommen hatte (vgl. das von Böttiger herausgegebene „Tagebuch einer Reise durch einen Theil Deutschlands und durch Italien“ 4 Bände. Französische Ausgabe: „Voyage en Allemagne, dans le Tyrol et en Italie par Mme. de la Recke, traduit de l’Allemand par Mme. la Baronne de Montolieu, Paris 1819“. - Briefe aus Italien, in den Mitauer Wöchentlichen Unterhaltungen, Bd. 2 [1805]. – Caroline von Binzer, Drei Sommer in Löbichau). Sie starb im J. 1833 (13. April) zu Dresden, wo sie während der letzten 14 Jahre ihres Lebens dauernden Aufenthalt genommen und ihre früheren Beziehungen zu Tiedge fortgesetzt batte (vgl. Eberhard, Blicke in Tiedge’s und Elisa’s Leben, Berlin 1844). Die übrigen der Frau v. d. R. gewidmeten litterarischen Zeugnisse und ein Register ihrer zahlreichen Schriften finden sich in dem Allgem. Schriftsteller- und Gelehrtenlexikon der Provinzen Liv-, Est- und Kurland, von J. F. v. Recke und K. E. Napiersky (Mitau 1831, III, 480 ff.) und den Nachträgen und Fortsetzungen zu demselben (Mitau 1859, S. 135). Litterargeschichtlich kommen die poetischen wie die prosaischen Schriften dieser ihrer Zeit vielgenannten Dichterin höchstens als charakteristische Typen des Zeitalters rationalistischer Schönseligkeit in Betracht. Ihren Ruf hat die Schwester der letzten Herzogin von Kurland nicht sowohl ihrem Talent, als ihrer gesellschaftlichen Stellung und ihrem Charakter zu danken gehabt, der ungewöhnliche Energie mit ebenso ungewöhnlicher Güte verband.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 502. Z. 26 v. u. l.: 1754 (statt 1756); [Bd. 55, S. 893]
  2. Z. 15 v. u. l.: Gottlob David Hartmann; [Bd. 55, S. 893]
  3. Z. 17 v. u. l.: Dorothea (statt Anna). [Bd. 55, S. 893]