ADB:Reuchlin, Christoph

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Artikel „Reuchlin, Christoph“ von Theodor Schott in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 28 (1889), S. 279–280, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Reuchlin,_Christoph&oldid=- (Version vom 20. August 2019, 12:32 Uhr UTC)
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Reuchlin: Christoph R., Professor der evangelischen Theologie in Tübingen, geboren zu Tübingen 1660, † ebendaselbst am 11. Juni 1707, war der Sohn von David R. (Stellung unbekannt) und Anna Elisabeth geb. Klein. Seine Familie, welche viele tüchtige Geistliche zu ihren Mitgliedern zählte, leitete ihren Stammbaum bis auf Dionysius R., den Bruder von dem Humanisten Johann R. zurück. Eine sehr sorgfältige Erziehung ließ die reiche Begabung des Knaben frühe zur Entfaltung kommen, schon 1671 wurde er als civis academicus in die Universität seiner Vaterstadt aufgenommen. 1679 ging er nach Wittenberg, um seine Studien fortzusetzen, er trieb besonders classische und orientalische Philologie; 1681 wurde er Magister, las seitdem und leitete Disputirübungen an der Universität. 1685 kehrte er nach Tübingen zurück, las Privatcollegien, wurde Feldprediger des Administrators Herzogs Friedrich Karl [280] von Württemberg, 1690 Diakonus an der Leonhardskirche in Stuttgart, 1692 wurde er Professor am Gymnasium in Stuttgart und zugleich Abendprediger an der dortigen Stiftskirche; 1699 wurde er zum dritten ordentlichen Professor der Theologie und Stadtpfarrer an der Stiftskirche in Tübingen ernannt, 1700 bezog er diese Stelle; in demselben Jahre wurde er zum Doctor der Theologie promoviert. 1705 wurde er Decan und zugleich Superattendent des herzoglichen Stipendiums (Seminar). In den letzten Jahren seines Lebens litt er an heftigem Kopfweh, am 18. Mai traf ihn ein Schlaganfall, von welchem er sich nicht mehr ganz erholte, doch predigte er zuweilen, so noch zwei Tage vor seinem Tode. Am 11. Juni 1707 (nicht 1704 wie bei Weizsäcker S. 93) brachte ihm ein zweiter Anfall den Tod. 1690 hatte er Sibylle Hechler geheirathet, von ihren vier Kindern überlebten ihn zwei Töchter.

R. ist in der württembergischen Kirchengeschichte dadurch bekannt, daß er ein Gönner und Beförderer des Pietismus war, und mit dazu beitrug, dem Pietismus in Württemberg die eigenthümliche Gestaltung zu geben, daß es zu keiner Separation von der Landeskirche kam. In seiner Wohnung sammelte er die Alten an Sonn- und Festtagen zu Erbauungsstunden und erklärte ihnen die Psalmen, bei seinen Vorlesungen durften die Studenten ihn fragen und ihre Bedenken ihm vortragen. Am 5. Mai 1706 gab er ein Votum ab – abweichend von der Erklärung seiner Collegen – günstig für die Privaterbauungsstunden, das auf den Erlaß vom 12. August 1706 nicht ohne Wirkung war. Der geisteskräftige klare, aber milde und sanfte, von Herzen fromme Mann stand besonders auch wegen seiner praktischen, gegen Heuchelei und Pharisäismus gerichteten Predigten in großem Ansehen; wie ein kühler Morgenthau sei alles gewesen, was man von ihm gehört, voll Kraft und Leben, rühmt Joh. Albr. Bengel von ihm. Von theologischen Schriften sind nur einige Disputationen („De diluvio“, „De fundamento fidei“, „De nova creatione“, „De officio Christi prophetico“ etc.) vorhanden; nach seinem Tode erschien eine Sammlung seiner Predigten: „Auserlesene Predigten“. Tübingen 1708.

Leichenpredigt von Andrea Adam Hochstetter. – Weizsäcker, Lehrer und Unterricht an der evangelisch-theologischen Fakultät in Tübingen. 1877.