ADB:Friedrich Karl (Herzog von Württemberg-Winnenthal)

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Artikel „Friedrich Karl, Herzog von Würtemberg-Winnenthal“ von Bernhard Kugler in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 50–52, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Friedrich_Karl_(Herzog_von_W%C3%BCrttemberg-Winnenthal)&oldid=- (Version vom 22. Juli 2019, 18:51 Uhr UTC)
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Friedrich Karl, Herzog von Würtemberg-Winnenthal, geboren am 12. September 1652, gestorben am 20. December 1698, war der siebente Sohn des Herzogs Eberhard III. von Würtemberg. Er empfing eine sorgfältige Erziehung, zuerst am Hofe seines Vaters, dann in dem bei der Tübinger Universität zur Ausbildung junger Prinzen und Edelleute gegründeten Alumnat, dem sogenannten collegium illustre, schließlich durch wiederholte Reisen, die ihn während der J. 1669–74 nach der Schweiz, nach Frankreich, Holland, England, Dänemark, Schweden, Norddeutschland und Italien führten. Er verweilte in diesen Ländern theils an den Höfen der Fürsten, zum großen Theil aber auch auf den Universitäten derselben. Kurze Zeit nach seiner Rückkehr in die Heimath starb sein Vater und hinterließ ihm als Apanage unter anderem das Schloß Winnenthal, wodurch er der Stifter der mit seinem Sohn Karl Alexander späterhin zu Regierung gekommenen Linie Würtemberg-Winnenthal geworden ist. Inzwischen war der erste schwere Krieg zwischen dem deutschen Reich und Ludwig XIV. ausgebrochen. F. K. nahm an demselben Theil und zeichnete sich durch Thatenlust und Tapferkeit aus. Nachdem aber sein Bruder, der regierende Herzog Wilhelm Ludwig, am 23. Juni 1677, erst dreißig Jahre alt, plötzlich gestorben war, eilte er nach Würtemberg zurück, um die Vormundschaft für seinen kaum drei Vierteljahre alten Neffen Eberhard Ludwig zu übernehmen. Hiermit trat F. K. jedoch an die Lösung einer Lebensaufgabe heran, die ihm vom Anfang bis zum Ende fast ausschließlich Noth und Kummer bringen sollte. Denn für’s erste war er zur vormundschaftlichen Regierung nicht eigentlich berechtigt, weil ihm zur Volljährigkeit noch einige Wochen fehlten, und er mußte deshalb im Streit mit seinem Oheim, Herzog Friedrich von Würtemberg-Neuenstadt, die Entscheidung des Kaisers Leopold anrufen, die aber schließlich günstig für ihn ausfiel. Sodann kam er durch den fortdauernden deutsch-französischen Krieg bald in bittere Bedrängniß, weil das ihm anvertraute und schon längst arg mitgenommene Land die Heerhaufen, die Jahr für Jahr in demselben verweilten [51] und zum Theil arge Gewaltthätigkeiten verübten, kaum mehr zu unterhalten vermochte. Noch schlimmer wurde seine Lage, als Ludwig XIV., kurze Zeit nach Abschluß des Nimweger Friedens, die Reunionskammern einrichtete und durch dieselben auch die linksrheinischen Besitzungen Würtembergs bedrohte. F. K. kam da zu der schmerzlichen, aber richtigen Erkenntniß, daß das deutsche Reich nicht im Stande sei, die Usurpationen Ludwigs XIV. mit dem Schwerte in der Hand zurückzuweisen und zu gleicher Zeit die Türken, die so eben zum übermächtigsten Angriff rüsteten, von den Grenzen fernzuhalten. Er wünschte daher auch, daß man den Franzosen gütliche Anerbietungen mache und mit ihnen zu einer Vergleichung zu kommen suche, damit sich Ludwig XIV. wenigstens weiterer „Innovationen auf dem Boden des Reiches“, als bisher geschehen, enthalte. Andrerseits aber erfüllte er seine reichspatriotische Pflicht in rühriger Weise, indem er Hülfstruppen zum Kampfe gegen die Türken abschickte. Dieselben sind noch rechtzeitig eingetroffen, um am Entsatz von Wien sich zu betheiligen, und haben auch bei der Befreiung Ungarns im Lauf der nächsten Jahre wacker mitgeholfen. Und als nicht lange darauf der Krieg gegen Ludwig XIV. abermals ausbrach, da hat F. K. mit vieler Wucht in denselben einzugreifen versucht. Er ist persönlich nach dem Haag gegangen, um in das große, gegen Ludwig XIV. gebildete Bündniß aufgenommen zu werden, und er hat Würtemberg wehrhafter zu machen gesucht, als dies seit langen Zeiten der Fall gewesen war. Die Truppen des Landes bestanden damals nämlich aus kleinen Schaaren von Berufssoldaten, die jedesmal im Fall der Noth angeworben wurden, und aus der militärisch wenig brauchbaren Landmiliz, der sogenannten Landesauswahl. Die letztere suchte F. K. in eine „regulirte Landmiliz oder Landesdefension“ umzuschaffen, indem er eine Aushebung von etwa 6000 Landeskindern veranstaltete, aus denselben einige Reiter- und Infanterieregimenter bildete und sie angeworbenen Officieren unterstellte. Bald darnach hat er noch einmal 6000 Mann ausgehoben und sich mehr und mehr bestrebt, ein kleines stehendes Heer in Würtemberg zu begründen. Der Erfolg dieser wohlgemeinten Bestrebungen ist aber ein sehr unglücklicher gewesen. Denn als nun F. K. im J. 1692 mit seinen noch rekrutenhaften Truppen nach dem Rhein abrückte, erkannte er bald, daß er die Franzosen mit denselben nicht bestehen könne. Er hoffte noch auf eine „reputirliche Retraite“, wurde aber bei Oetisheim am 17. September in ein unglückliches Gefecht verwickelt und schließlich selber gefangen. Von dem Orte des Treffens wurde er über Straßburg nach Paris geführt, am französischen Hofe jedoch mit ritterlicher Freundlichkeit behandelt und schon Anfang 1693 wiederum nach Deutschland entlassen. Aber die kurze Zeit seiner Gefangenschaft genügte, um der politischen Rolle, die er bisher gespielt hatte, ein Ende zu machen. Er hatte die würtembergischen Landstände durch seine kriegerischen Rüstungen heftig gegen sich aufgebracht, da dieselben allerdings gegen den Wortlaut der althergebrachten Landesverfassung verstießen. Vergebens hatte F. K. auf die Noth der Zeit verwiesen; die Stände waren bei ihrem Widerstande geblieben und hatten schließlich sogar eine Anklage gegen den Herzog bei Kaiser Leopold eingebracht. Dazu kam, daß F. K. auch für sich selber starke Ansprüche erhoben und mehrfach erklärt hatte, er wolle, um sein „Fortün“ zu machen, die Vormundschaft niederlegen und in kaiserliche Dienste treten. Die Stände hatten ihn nur durch Zusicherung eines Geschenkes von 50000 Gulden davon abbringen können. In Folge von alledem wendeten sich die geheimen Räthe und Landstände von Würtemberg, sogleich nachdem F. K. gefangen worden war, an Kaiser Leopold und baten ihn um Aufhebung der Vormundschaft und Volljährigkeitserklärung des Herzogs Eberhard Ludwig. Der [52] Kaiser gab die gewünschte Erklärung am 20. Januar 1693. Wenige Wochen darauf kehrte F. K. aus Frankreich zurück und beschwerte sich in Stuttgart und in Wien bitter darüber, daß man ihn der Regierung gerade zu einer Zeit entsetzt habe, wo er für die Wohlfahrt und Rettung des Landes Leib und Leben, Hab’ und Gut einsetzte. Leopold und Eberhard Ludwig beschwichtigten jedoch allmählich seinen Unwillen durch Ehrenerklärungen und Dankesworte, und der letztere vergrößerte überdies noch die bisherige Apanage des Herzogs. Während der vormundschaftlichen Regierung hatte sich F. K. aber nicht blos um kriegerische Angelegenheiten bekümmert. Auch die Künste des Friedens fanden an ihm einen werkthätigen Beschützer. Er verkehrte gern mit Gelehrten, förderte deren Bestrebungen und das dauerndste Denkmal seiner Landesverwaltung ist das Stuttgarter Gymnasium, welches er im J. 1685 begründet hat. Im J. 1694 ernannte ihn der Kaiser zum Generalfeldmarschall. Als solcher machte er noch die Feldzüge von 1694 und 1695 mit, erkrankte aber während des zweiten Feldzugs und starb, da die Krankheit trotz vieler angewandten Heilmittel immer wiederkehrte, am 20. December 1698, erst 46 Jahre alt. F. K. war ein schöner, ritterlicher Mann, von einnehmendem, leutseligem Wesen und lebhaftem Geist. Seine Tapferkeit veranlaßte den Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden einmal zu dem Ausruf, wenn seine Armee aus lauter Friedrich Karln bestünde, so getraute er sich, den König von Frankreich nicht blos über den Rhein, sondern aus ganz Frankreich zu verjagen. Seine militärisch-politischen Bemühungen fanden außerhalb seines Heimathslandes so vielen Beifall, daß z. B. England im J. 1691 die schwäbischen Kreisstände ermahnte, Würtemberg als Vormauer Oesterreichs kräftig zu unterstützen. Sein Wahlspruch war: dura placent fortibus, und auf mehreren Münzen, die er prägen ließ, findet sich Herkules, die Hydra erlegend, abgebildet. Seine Leichenredner haben ihn deshalb auch den würtembergischen Herkules oder, mit Rücksicht auf die Gründung des Stuttgarter Gymnasiums, Herkules Musagetes genannt. F. K. gehört nach alledem immerhin zu der Gruppe heldenhafter Männer, welche das Haus der Herzoge von Würtemberg in der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts in großer Zahl hervorgebracht hat, und er hat überdies seinen kriegerischen Sinn vier tüchtigen Söhnen vererbt. Verheirathet hat er sich im J. 1682 mit Eleonore Juliane, Markgräfin von Brandenburg-Ansbach, und mit dieser sieben Kinder erzeugt, von denen vier Söhne und eine Tochter den Vater überlebten. Die Söhne Karl Alexander (der Nachfolger Eberhard Ludwigs in der Regierung Würtembergs), Heinrich Friedrich, Maximilian Emanuel und Friedrich Ludwig haben in dem spanischen Erbfolgekrieg, dem nordischen Krieg und den Türkenkriegen des Zeitalters an der Seite Marlborough’s, des Prinzen Eugenius und Karls XII. gefochten und sich sämmtlich, zum Theil sogar in ungewöhnlichem Grade ausgezeichnet.

Vgl. die zum Andenken an F. K., Stuttgart 1699, veröffentlichten Leichenpredigten, Sattler, Geschichte des Herzogthums Würtemberg unter der Regierung der Herzoge, Bd. XI., und Pfaff, Würtembergisches Heldenbuch.