ADB:Riepel, Joseph

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Artikel „Riepel, Joseph“ von Robert Eitner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 28 (1889), S. 565–566, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Riepel,_Joseph&oldid=2487676 (Version vom 15. August 2018, 22:10 Uhr UTC)
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Riepel: Joseph R., der Sohn eines Gastwirths in dem oberösterreichischen Dorfe Horschlag, wo er gegen 1708 geboren ist, war berufen, ein in seiner Zeit berühmter Musiktheoretiker zu werden. Nachdem er in Graz die lateinische Schule besucht hatte, bekleidete er anfänglich den Posten eines Schulmeisters, diente dann einem vornehmen Herrn als Kammerdiener und hatte Gelegenheit, mit demselben durch fast ganz Europa zu reisen. Der innere Drang zum Lernen nebst dem Bestreben, seinen Gesichtskreis zu erweitern, mag ihn wohl bewogen haben, die eng begrenzte Stellung in Graz aufzugeben und dem vornehmen Herrn als Kammerdiener zu folgen, in welcher Stellung er wohl hoffen konnte, seinen Wissensdrang zu stillen. Wie weit er schon damals die Musik [566] als besonderes Ziel ins Auge gefaßt hatte, ist nicht bekannt, auch wissen wir nicht, wann er sich von seinem Dienstherrn getrennt hat und seine eigenen Wege wandelte, nur soviel ist bekannt, daß er einen längeren Aufenthalt in Dresden dazu benützte, Unterricht in der Musikwissenschaft zu nehmen und daß wohl hier der Plan in ihm reifte, sich ganz der Musik zu widmen. Vom Jahre 1751 ab finden wir ihn als wohlbestallten Musikus in der fürstlich Thurn- und Taxis’schen Musikcapelle in Regensburg angestellt, an der er später zum Musikdirector ernannt wurde und hier am 23. October 1782 sein Leben beschloß.

Riepel’s Verdienste bestehen in seinen Bestrebungen, die theoretische Seite der Musik besonders gepflegt zu haben. Als Praktiker war er Violinist und als Componist hat er unzählige Werke im Manuscript hinterlassen, theils Kirchenstücke, theils Instrumentalwerke. Letztere sind mit der Zeit verschwunden und was sich noch erhalten hat, liegt in Regensburg. Seine theoretischen Werke dagegen sind gedruckt und manches ist in mehreren Auflagen erschienen. Auch scheint er als Lehrer einen großen Ruf genossen zu haben, denn die Gesprächsform, die er in seinen Werken anwendet, läßt das Verhältniß vom Lehrer zum Schüler deutlich erkennen. R. lebte in einer Zeit, in der die Theorie der Musik eine gewaltige Umwälzung erfuhr und eine Reihe gelehrter und schlagfertiger Männer mit Geistesschärfe und oft auch mit beißendem Witze neue Lehrsätze aufstellten und die alten mit Feuer und Schwert zu vertilgen suchten, während von der anderen Seite mit gleicher Heftigkeit das Alte gegen das Neue vertheidigt wurde. Rameau in Frankreich und Mattheson in Deutschland waren die Revolutionäre: der Franzose als Begründer des neuen Harmoniesystems und der Deutsche als Bekämpfer veralteter Gebräuche und Vertheidiger der neuen Ideen. R. zeigt sich auch hier als echter Lehrer der Tonwissenschaft, daß er Streit und Hader nicht in die Lehrmethode hineinträgt, sondern vom Neuen und Alten nimmt, was ihm als richtig erscheint und in klarer, wenn auch in sehr umständlich breiter Weise bespricht. Er geht von dem sehr richtigen Grundsatze aus, daß selbst die beste Erklärung dem Schüler gegenüber von wenig Nutzen ist, wenn nicht das Musikbeispiel ihn praktisch anleitet die Regel zu verwerthen und nehmen die Beispiele daher in Riepel’s Werken mehr Raum in Anspruch, als seine theoretischen Auseinandersetzungen. Sein frühestes Werk sind die „Anfangsgründe zur musikalischen Setzkunst: Nicht zwar nach altmathematischer Einbildungsart der Zirkel-Harmonisten, sondern durchgehends mit sichtbaren Exempeln abgefaßt“. Wir sehen schon im Titelwortlaut den Praktiker, der den Schüler nicht mit gelehrtem Ballast beschweren will, sondern den praktischen Weg zum Componiren führt. Die erste Ausgabe scheint in Augsburg 1752 erschienen zu sein, die zweite schon 1754. Bald darauf erschienen die „Grundregeln zur Tonordnung insgemein. Abermals durchgehends mit musikalischen Exempeln abgefaßt und gesprächsweise vorgetragen“, Augsburg 1755. Diesen folgten 1757, 1765, 1768 und 1776 vier andere Werke, die theils die Elementarlehre behandeln, theils aber auch den Contrapunkt und die Anleitung zur Composition von Gesangswerken enthalten. Von seinen Schülern ist nur einer namhaft zu machen, der Regensburger Cantor Schubart, der nach dem Tode Riepel’s dessen „Sieben Baßschlüssel“ 1786 herausgab. Auch eine Vorarbeit eines musikhistorischen Werkes fand Mettenleiter in einer Regensburger Bibliothek. Letzterer widmet in seiner Musikgeschichte der Stadt Regensburg (Regensburg 1866 S. 277) R. einen ausführlichen Artikel.