ADB:Rosen, Reinhold von

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Artikel „Rosen, Reinhold von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 29 (1889), S. 197–199, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Rosen,_Reinhold_von&oldid=- (Version vom 27. Juni 2019, 10:45 Uhr UTC)
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Rosen: Reinhold v. R., (in zeitgenöss. Schriften auch Rose, Roser genannt), ein Kriegsmann des 17. Jahrhunderts, aus dem Geschlechte der R. zu Groß-Roop in Livland stammend, kam jung nach Schweden, wo König Gustav [198] Adolf, welcher ihn zum Kornet ernannte, ihn lieb gewann und ihn selbst in der Kriegskunst unterrichtete. Mit dem Könige nach Deutschland gelangt, befehligte er in der Schlacht bei Lützen am 6./16. November 1632 ein Reiterregiment, dann diente er unter Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar. Bei der Belagerung von Breisach und den Kämpfen, welche durch die Entsatzversuche der Kaiserlichen im J. 1638 veranlaßt waren, wird sein Name mehrfach mit Auszeichnung genannt; 1639 nahm er die Stadt Thann ein und focht erfolgreich gegen die Lothringer. Als Herzog Bernhard am 8./.18. Juli dieses Jahres starb, vermachte er ihm 10000 Livres und ernannte ihn zu einem der vier General-Directoren seines Heeres. In dieser Eigenschaft trug R. besonders dazu bei, daß des Herzogs Truppen als „die Weimarische Armee“ in französischem Solde verblieben. Sein Dank war, daß er, nachdem von den Directoren einer gefallen, zwei ausgeschieden waren, mit der Berechtigung die Officiere zu ernennen und einem Jahresgehalt von 12000 Livres, als General den Oberbefehl derselben erhielt. 1640 führte er seine Truppen über den Rhein nach Hessen, wo er die Kaiserlichen vor Friedberg schlug, Homberg mit Sturm nahm und mancherlei andere Vortheile davontrug. Als er im November bei Ziegenhayn stand, gedachten seine Gegner ihn zu überfallen; ihre Maßregeln waren so getroffen, daß General Breda versprach, dem Oberbefehlshaber Erzherzog Leopold zu seinem Namenstage (5./15.November) eine „Rose“ zu schenken. R. blieb nur die Wahl zwischen Durchschlagen und Ergeben. Er kam dem Angriff zuvor und trug statt einer Niederlage einen Sieg davon. „Gott mit uns, der Teufel mit R.“ war das Feldgeschrei der Kaiserlichen gewesen. König Ludwig XIV. schenkte ihm das Lösegeld eines gefangenen Generals (10000 Livres) und R. rächte sich bald darauf, indem er vor Mainz ein kaiserliches Kürassierregiment überfiel und gefangen nahm. Am 7./17. Januar 1642 focht er unter Guébriant bei Kempen im Erzstift Köln, wo Lamboy geschlagen ward; am 14./24. November 1643 erlitt er nebst Rantzau bei Tuttlingen eine schwere Niederlage, so daß er nur die Trümmern des Heeres über den Rhein zurückbrachte. 1644 war er als Generallieutenant der deutschen Reiterei unter Turenne und Condé auf dem Kriegsschauplatze in Süddeutschland thätig, wo er, nachdem Anfang August Mercy bei Freiburg im Breisgau geschlagen war, diesen bei seinem meisterhaften Rückzuge zu verfolgen hatte. Stets erwies er sich als kühner Reiterführer, ein Feldherr war er nicht. Als er 1647 seine Truppen nach Flandern führen sollte, meuterten dieselben. Turenne beschuldigte ihn sie dazu angestiftet zu haben und veranlaßte seine Gefangennahme, welche R. im Bewußtsein seiner Schuldlosigkeit über sich ergehen ließ. Die von ihm vorgebrachten Beweise, verbunden mit den Fürsprachen der Königin von Schweden und der Landgräfin von Hessen, befreiten ihn nach vierzehn Monaten aus der Haft; 1649 erhielt er das Commando der ganz in das französische Heer übergegangenen schwedischen Truppen und den Oberbefehl im Elsaß. 1650 focht er unter Plessis in Flandern und trug wesentich zum Gewinn der Schlacht von Rethel am 5./15. December bei. Mißhelligkeiten mit Turenne veranlaßten ihn, dem Dienst im Heere zu entsagen. R. hatte freilich mit Bezugnahme auf des Marschalls Geschlechtsnamen La Tour einen verfallenen Turm und einen blühenden Rosenstock darstellen und den Spruch „Malgré la Tour les Roses fleurissont“ darunter setzen lassen, mußte aber weichen. Es wurde ihm indessen, obgleich er Ausländer und Lutheraner war, die Verwaltung des Ober-Elsaß bis zu seinem Tode belassen. Im Elsaß hatte er sich ansässig gemacht und, aus dem Kriege, welcher Deutschland arm gemacht hatte, selbst nicht arm zurückgekommen, von der Stadt Straßburg die Herrschaft Herrenstein, vom Grafen Fugger die Baronie Bollweiler gekauft. Auf dem von ihm erbauten Schlosse Dettweiler starb er an den Folgen einer 1638 vor Breisach [199] erhaltenen Wunde am 18./28. December 1667 mit Hinterlassung von zwei Töchtern, welche sich mit gleichnamigen Verwandten vermählten.

Außer ihm dienten seine beiden Brüder unter den Weimaranern, von denen der eine der Tolle, der andere, welcher in Folge einer Verwundung hinkte, der Lahme zubenannt wurde; er selbst hieß „der Gute“.

Ein Vetter, ebenfalls Reinhold mit Namen, stand in schwedischen Diensten und verpflanzte 1655 die Familie nach dem damals polnischen Herzogthum Preußen.

Chronologie historique militaire par M. Pinard, Paris 1706. I, 518. – Skizzen zu einer Familiengeschichte der Freiherren und Grafen von Rosen, entworfen von Baron Andreas Rosen, St. Petersburg 1876, S. 24.