ADB:Rothe, Johannes

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Artikel „Rothe, Johannes“ von Franz Xaver von Wegele in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 29 (1889), S. 350–351, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Rothe,_Johannes&oldid=- (Version vom 20. Mai 2019, 09:15 Uhr UTC)
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Rothe: Johannes R., Geschichtschreiber und Dichter. Geboren ungefähr um das Jahr 1360 zu Kreuzburg an der Werra in Thüringen, bestimmte er sich für den geistlichen Stand. Wo er seine höhere und gelehrte Ausbildung erworben, ist uns leider nicht überliefert, doch geht aus seinen verschiedenen Schriften deutlich hervor, daß dieselbe der besten Art gewesen ist. Im Jahre 1387 tritt er zum ersten Male urkundlich als Priester in dem Marienstifte zu Eisenach auf und in dieser Stadt hat er dann sein ganzes, langes Leben zugebracht. Etwa ein Jahrzehnt hindurch hat er der Stadt Eisenach als Stadtschreiber gedient und dank dieser Stellung sich veranlaßt gesehen eine Bearbeitung und Sammlung der Rechtsbücher dieser Stadt zu veranstalten, ein Unternehmen, zu welchem er die erforderlichen Kenntnisse und den nöthigen politischen Sinn in hohem Grade mitbrachte. Eben dieser seiner Stellung verdankt ohne Zweifel das Spruch- und Lehrgedicht „des rathis czucht“ seinen Ursprung. Weiterhin, und vermuthlich noch vor dem Ablauf des 14. Jahrhunderts wurde er bischöflicher Caplan, tritt jedoch bereits im J. 1394 als Vicar in dem Collegienstifte der Frauenkirche auf und verbleibt in dieser Stellung bis zum J. 1412, wo er in die Kreise der Canoniker aufrückte und so 1422 die Dignität des Schulmeisters (scolasticus) des Capitels übertragen erhielt, eine Würde, die seiner umfassenden Bildung so ganz entsprach. Am 5. Mai 1434 ist er gestorben und hat ohne Zweifel ein hohes Alter, zwischen 70 und 80 Jahren erreicht. R. ist seit seiner Anstellung am Marienstifte fortgesetzt litterarisch beschäftigt gewesen. Obwol man die Reihenfolge seiner Schriften chronologisch nicht mit voller Sicherheit feststellen kann, ist es doch mehr als wahrscheinlich, daß einige dichterische Versuche dem großen Geschichtswerke vorausgegangen sind. So wird die Entstehung des didaktischen Gedichts „der Ritterspiegel“ in die Jahre 1400–1402 versetzt. Ob das „Leben der h. Elisabeth“ vor der Chronik entstanden, bleibt allerdings zweifelhaft, da die einen sich für diese Ansicht aussprechen, andere dagegen die Entstehung desselben lieber dem letzten Lebensjahre des Verf. vindiciten wollen. Zu welcher Zeit die „passio Jesu Christi“ abgefaßt worden, kann nicht genau nachgewiesen werden, jedoch spricht die Wahrscheinlichkeit mehr für die früheren als späteren Jahre. Spuren noch anderer Gedichte Rothe’s, wie z. B. eines Gedichtes „von der Keuschheit“ können an dieser Stelle nicht weiter verfolgt werden. Das verdienstreichste Werk Rothe’s, die „Düringische Chronik“, gehört seinem Ursprunge nach den ersten beiden Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts an. Nach Rothe’s eigener Versicherung hat er sie gleich nach Ostern 1421 vollendet, so daß es nahe liegt, was die Handschrift an Zusätzen die über diesen Zeitpunkt hinausreichen, bietet, einer anderen Hand zuzuschreiben. Die Chronik ist der Land- und Markgräfin Anna, der Gemahlin des Mark- und Landgrafen Friedrich des Friedfertigen, einer Tochter des Grafen Günther von Schwarzburg, gewidmet. R. stand zu dieser Fürstin, deren Caplan er sich auch nannte, offenbar in einem Vertrauensverhältnisse. Nach neuesten Untersuchungen hat R. von diesem seinem Werke zwei Ausgaben gefertigt, deren ältere ungefähr zehn Jahre vor der jüngeren verfaßt wurde und sich mehrfach von dieser unterscheidet und so auffallend mit der Historia („Pistoriana“) de landgraviis Thuringiae übereinstimmt, daß man sich versucht gefühlt hat, R. auch die Urheberschaft dieses Werkes zuzuschreiben, doch ist dasselbe auch in der späteren Bearbeitung vielfach benutzt. Im übrigen ist es die im J. 1421 vollendete Ausgabe, die R. seine Stellung in der Geschichte der deutschen und thüringischen Historiographie anweist. Die Bedeutung [351] der Chronik, die sich auf universalgeschichtlicher Grundlage aufbaut und erst allmählich, aber niemals ausschließlich das landesgeschichtliche Gepräge annimmt, liegt zum wenigsten in der Forschung, als vielmehr in der äußerst anmuthigen und künstlerischen Art der Darstellung und Erzählung wie in der fesselnden Handhabung der Sprache. In höchst gewinnender Weise tritt uns die Verbindung des rein geschichtlichen und des sagenhaften Elementes entgegen. Eine edle Denkungsweise und zugleich ein gesundes Urtheil beleben überdies das Gemälde. Leider faßt sich R. über die Geschichte seiner eigenen Zeit sehr kurz und er hätte uns bei seiner Stellung zum landgräflichen Hofe gewiß manches Wichtige oder Lehrreiche mittheilen können. Immerhin, der Vorzüge der Chronik sind so viele, daß sie die Volksthümlichkeit, die ihr zu Theil geworden, vollkommen erklären[WS 1].

Ueber Rothe’s Lebensverhältnisse hat er uns selbst in den die verschiedenen Capitel seiner Chronik umspinnenden Akrosticha authentische Andeutungen gegeben, die Feodor Bech in höchst scharfsinniger Weise in einem Aufsatze in Pfeiffer’s Germania (Jahrgang 1861 1, 45 ff.) festgestellt hat. Außerdem zu vgl. Funkhänel, Lebensgeschichtliches zu Joh. Rothe, Michelsen und Aue in der Zeitschrift für Thüring. Gesch. I, III, IV, R. Bechstein, ib. IX. – v. Liliencron in der Vorrede zu seiner Ausgabe der Chronik. – Feodor Bech: Pfeiffer’s Germania V, VI, VII, IX (Jahrgänge 1860, 1861, 1862, 1864) und Witschel in Jahrgang 1872. – Koberstein, Gesch. der d. N. Lit. 5. Aufl., I. – Endlich Lorenz, deutsche Geschichtsquellen, 3. Aufl. II, 103 ff. „Der Ritterspiegel“ Rothe’s ist herausgegeben von K. Bartsch in den Publicationen des litter. Ver. in Stuttgart (1860). – „Das Leben der h. Elisabeth“ in Menken’s script. R. Sax. und „des rathis czucht“ unter dem Titel „Von der stete ampten und von der fursten ratgeben“ von Vilmar (Marburg 1835). – Die Schrift: „Johann Rothe’s Chronik von Thüringen. Bearbeitet von Dr. E. Fritsche“ (Eisenach. ohne Jahresangabe, aber neuesten Datums) ist eine Modernisirung des Originals und genügt es, sie an dieser Stelle erwähnt zu haben.


Anmerkungen (Wikisource)[Bearbeiten]

  1. Vorlage: erkären.