ADB:Ruesch, Joseph Theodor Freiherr von

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Artikel „Ruesch, Joseph Theodor Freiherr von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 29 (1889), S. 754–755, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ruesch,_Joseph_Theodor_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 14. Oktober 2019, 01:14 Uhr UTC)
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Ruesch: Josef Theodor, nach L. v. Baczko (s. unten) Joseph Ignatius, Freiherr v. R. (spr. Rusch), preußischer Generalmajor, zu Kronstadt in Siebenbürgen als der Sohn eines Kronrichters geboren, trat jung in die österreichische Infanterie. Durch seine Erziehung, welche er bei den Jesuiten erhalten hatte, war seiner ganzen Sinnesart früh eine kirchliche Richtung gegeben; er wurde durch sein Gewissen in derselben bestärkt, als er zu Neapel einen jungen Italiener im Zweikampf erstochen hatte. Mönche, in deren Kloster er Zuflucht gefunden hatte, retteten ihn damals nach Oesterreich. Er erhielt in Wien Verzeihung, heirathete ein Fräulein v. Metternich, deren Familienverbindungen seine Versetzung zu den Husaren bewirkten, und zeichnete sich im ersten schlesischen Kriege, namentlich in dem siegreichen Gefechte von Olbendorf bei Grottkau gegen die neuerrichteten preußischen Ulanen, aus. Nach Friedensschluß aber sah er sich dadurch zurückgesetzt, daß statt seiner ein jüngerer Officier aus vornehmem Hause, aber ohne Verdienst, zum Major befördert wurde. Durch Vermittelung eines preußischen Majors v. Borcke, welcher sich bei der österreichischen Armee aufhielt um diese kennen zu lernen, kam er 1743 in preußische Dienste; es lag Friedrich dem Großen daran, tüchtige Husarenofficiere zu gewinnen, welche verständen aus seiner eigenen leichten Cavallerie eine der feindlichen ebenbürtige Truppe zu machen; er schloß daher mit R. einen förmlichen Vertrag ab, durch welchen diesem freie Religionsübung und die Erlaubniß zugestanden wurde, seine Kinder im katholischen Glauben zu erziehen. R. gewann bald Zieten’s und Winterfeld’s Freundschaft und auch der König schenkte ihm seine Gunst; 1744 ernannte er den Oberst R. zum Chef des schwarzen Husarenregiments Nr. 5. Es waren schwierige Verhältnisse, in welche dieser kam: Mannschaften wie Officiere waren aus aller Herren Ländern zusammengekommen, und es hielt schwer, Zucht und Ordnung hinein zu bringen, aber R. glückte es, die Hindernisse [755] zu überwinden; mit der königlichen Anerkennung der im Felde geleisteten Dienste und geschmückt mit dem Orden pour le mérite für sein Verhalten bei Hohenfriedberg, wo Friedrich versprach, daß er die an diesem Tage von R. geleisteten Dienste noch dessen Enkeln danken werde, kehrte er aus dem zweiten schlesischen Kriege zurück; seinem Regimente wurde die ehrenvolle Auszeichnung zu Theil, die bei Katholisch-Hennersdorf eroberten sächsischen Pauken führen zu dürfen, er selbst erhielt die Amtshauptmannschaft zu Ragnit und eine Jahreszulage von 500 Thalern; 1753 erhob ihn der König, nebst seinem damals als Hauptmann in der preußischen Infanterie dienenden Bruder, in den Freiherrenstand. Beim Ausbruch des siebenjährigen Krieges stand R. in Ostpreußen in Garnison; als im J. 1757 die Russen gegen diese Provinz vordrangen, schlug er dem Feldmarschall Lehwaldt vor, ihnen entgegen zu gehen und erbot sich, diese Aufgabe einer der feindlichen Angriffcolonnen gegenüber mit den ihm unterstellten Truppen zu übernehmen, sein Vorschlag ward aber nicht angenommen. An der Schlacht bei Groß-Jägerndorf nahm er nicht Theil, weil sein Regiment durch zahlreiche Abcommandirungen auf 300 Pferde gekommen war und er nicht angemessen erachtete, mit einer so geringen Menge als „seinem Regimente“ aufzutreten und machte dann den Marsch nach Pommern mit, aber seine Thatkraft und sein Unternehmungsgeist hatten gelitten und der König, an und für sich in Beziehung auf die Truppen aus der Provinz Preußen wenig günstig gestimmt, entzog ihm seine Gunst immer mehr. Dazu kam, daß Ruesch’s strenge Denkungsart und sein bigott katholischer Sinn mannichfach Anstoß erregten und daß unvorsichtige Schritte, welcher er that, dem Verdachte Nahrung gaben, daß er es mit Preußens Sache nicht ehrlich meine und mit des Königs Gegnern förmliche Einverständnisse unterhalte. Dahin gehört eine Reise nach Wien, welche Ruesch’s großen Einfluß auf ihn ausübende Gemahlin damals unternahm. Das Verhalten seiner Husaren bei Zorndorf, wo sie des Feindes Troß plünderten und sich aus den erbeuteten Branntweinfässern berauschten, so daß sie in der zweiten Hälfte der Schlacht kampfunfähig waren, machte das Maß von des Königs Zorne voll. Als R. bald darauf erkrankte und aus diesem Grunde an einer Kriegsunternehmung nicht Theil nehmen konnte, glaubte der König, er stelle sich nur krank und schickte ihn nach Stettin, wo er, wenn auch nicht in Haft, doch in strengem Gewahrsam blieb, bis nach einigen Jahren seines Landsmannes und Jugendfreundes, des Generals Paul v. Werner Fürbitte ihm die Freiheit wieder verschaffte. Er starb 1769 auf seinem Gute Jawornitz in Oberschlesien. Der Königsberger Professor L. v. Baczko, dessen Vater lange unter R. gedient hatte, schildert ihn als einen geschickten, umsichtigen und entschlossenen Soldaten, aber auch als bigott, bekehrungssüchtig, jähzornig, geizig und grob, eine Reihe von Eigenschaften, welche allerdings wenig geeignet waren, ihm Freunde zu machen, und sein Schicksal erklären, ohne daß es nöthig wäre, in der Verrätherei einen Grund für dasselbe zu suchen. Sein Aeußeres war martialisch, er war ein vorzüglicher Reiter und Schütze.

Annalen des Königreichs Preußen, herausgegeben von L. v. Baczko und Th. Schmalz, 3. Quartal, S. 52, Berlin und Königsberg 1792. – Einige Züge aus dem Leben des General v. Ruesch. – Graf Lippe, Husarenbuch, S. 264, 305, 351, Potsdam 1863.