ADB:Schönberg, Hans Meinhard von

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Artikel „Schönberg, Hans Meinhard von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 262–264, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sch%C3%B6nberg,_Hans_Meinhard_von&oldid=- (Version vom 22. August 2019, 10:14 Uhr UTC)
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Schönberg: Hans Meinhard v. S., kurpfälzischer und brandenburgischer Feldobrister, ward am 28. August 1582 zu Bacharach geboren, wo sein Vater Meinhard v. S., Feldmarschall des Pfalzgrafen Kasimir, ein wackerer Kriegsmann, [263] zugleich Amtmann war. Er wird im öffentlichen Leben zuerst im J. 1609 genannt, als Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz ihn nach Oesterreich seinem Gesandten nachschickte, welcher die Aufgabe hatte, die Landherren in den kaiserlichen Staaten mehr und mehr dem Erzhause zu entfremden. Er scheint sein Geschäft zur Zufriedenheit besorgt zu haben, denn bald darauf sandten ihn Brandenburg und Pfalz-Neuburg nach den Niederlanden, um die Generalstaaten zum thätigen Eingreifen bei den Wirren des Jülichschen Erbfolgestreites anzutreiben und namentlich auch Geschütz von ihnen zu entlehnen. Dankschreiben, welche seine Auftraggeber an ihn richteten, beweisen, daß er auch dieser Aufgabe gerecht wurde. Bald darauf nahm er in Düsseldorf an den Verhandlungen mit dem französischen Gesandten Bongars theil und erhielt das Commando des von den Holländern jenen Fürsten überlassenen Regiments. Seit dem 5. Februar hieß er „der unirten Kur- und Fürsten bestallter Oberster“; in einer Instruction vom 24. Juni 1610 wird er Gubernator von Düsseldorf und Obrister genannt; erstere Stellung bekleidete er seit dem 1. October 1609. In beiden Stellungen bezog er hohe Gehälter, mußte aber auch ein zahlreiches Unterpersonal damit unterhalten. Dann war er bei den Rüstungen der Union zum Zwecke thatsächlicher Geltendmachung der Ansprüche der betheiligten Fürsten auf die Erbschaft thätig, trug bei der Belagerung von Jülich, welche Feste der tapfere Rauschenberg am 2. September 1610 nach mannhafter Gegenwehr übergeben mußte, als „Obrister über die Artillerie, Fortifikation und ein Regiment Fußvolk“ in hohem Grade zum Gelingen des Unternehmens bei. Auf den ihm zustehenden Antheil an der Kriegsbeute verzichtete er; die Leistungen seiner Officiere belohnte er durch Medaillen, welche er zu diesem Zwecke schlagen ließ. Seinen Kriegsherren half er außerdem durch Herleihen ansehnlicher Geldsummen. Am 22. Februar 1611 trat er in den Dienst des Kurfürsten Johann Sigismund von Brandenburg, welcher ihm die Errichtung und den Oberbefehl eines in seinen rheinischen Besitzungen aufzustellenden Artilleriecorps übertrug. Die Garnison desselben war Wesel. Im Frühjahr 1611 sandte ihn der Kurfürst nach Böhmen zum Erzherzog Mathias, um den Bruch zwischen diesem und seinem Bruder, dem Kaiser Rudolf V., zu erweitern, dann ging er im Auftrage der Union nochmals nach dem Haag und darauf wollte Kurfürst Johann Sigismund ihn mit nach Preußen nehmen, was ihm aber anscheinend seine Verpflichtungen gegen Kurpfalz nicht gestatteten. Denn gleichzeitig überwachte er den Festungsbau zu Mannheim und am 1. November 1611 ward er zum Hofmeister des Kurprinzen, später Kurfürst Friedrich V., bestellt. Daneben übernahm er in der nächsten Zeit vielfache diplomatische Sendungen im Interesse der Union und einzelner Fürsten in Brüssel, im Haag und 1612 in England zum Zweck der Ratification des Ehevertrages zwischen dem Kurprinzen und Elisabeth Stuart, bei welcher Gelegenheit er großbritannischer Rath ward und eine Jahrespension von 400 Pfund erhielt. Auf dieser Reise machte er die Bekanntschaft von Anna Sutton, Tochter des Lord Dudley, mit welcher er sich am 22. März 1615 zu London verheirathete. Vielen der Fürsten, mit denen er zu thun hatte, schoß er Geld vor, wogegen diese ihm Ländereien, Zölle und Kleinodien verschrieben. Mit dem Markgrafen Georg Wilhelm von Brandenburg, dem Administrator in Cleve und Jülich, gerieth er wegen seiner Forderungen in mancherlei Zwistigkeiten, der Kurfürst verpfändete ihm schließlich gegen eine solche von 23 572 Thalern seine gesammte Artillerie. 1615 stand er dem Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig bei der Belagerung der Stadt Braunschweig mit seinem Rathe zur Seite. Der Herzog hatte ihn „als einen fürnehmen und verständigen Kriegsofficier“ zu diesem Ende vom Kurfürsten erbeten und machte ihm darauf eine Verehrung von 15 000 Thalern. Er starb zu Heidelberg, seinem gewöhnlichen Wohnsitze, [264] am 3. August 1616; seine Gattin war ihm schon Ende December 1615 vorangegangen.

Rheinischer Antiquarius, II. Abtheilung, 7. Band. Coblenz 1858.