ADB:Schönfeld, Anton Freiherr von

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Artikel „Schönfeld, Anton Freiherr von“ von Oscar Criste in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 54 (1908), S. 154–156, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sch%C3%B6nfeld,_Anton_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 22. Oktober 2019, 14:16 Uhr UTC)
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Schönfeld: Anton Freiherr von Sch., k. und k. Feldzeugmeister, geboren am 3. Juli 1827 in Prag, entstammte einer in Böhmen und Niederösterreich ansässigen, im J. 1594 vom Kaiser Rudolf II. in den Reichsritterstand erhobenen Familie. Sch. erhielt seine erste Ausbildung 1838–1845 in der Theresianischen Militärakademie, die er am 25. September 1845 als Vorzugsschüler verließ. Nach Absolvirung des höheren Curses 1846 in das Infanterieregiment Nr. 42 eingetheilt, kam Sch. im Feldzuge des Jahres 1848, nachdem er vorher an den Gefechten am Stilfser Joche theilgenommen hatte und auch bei dessen provisorischer Befestigung thätig gewesen war, in die Operationskanzlei unter FZM. Frhr. v. Heß. Am 1. October 1848 zum Oberlieutenant befördert, war Sch. bei Beginn des Feldzuges von 1849 in Italien Generalstabsofficier der Avantgardebrigade des 2. Corps und zeichnete sich besonders bei Mortara und Novara hervorragend aus. An der Spitze des Wiener Freiwilligen-Bataillons wurde er durch eine Bersaglierikugel, die ihm Kinnlade und Zahnkiefer zerschmetterte, schwer verwundet. Mit dem Orden der Eisernen-Krone 3. Classe ausgezeichnet, wurde Sch. nach seiner Genesung in den Generalquartiermeisterstab des 5. Corps, Mailand, eingetheilt und bildete bald dessen vorzüglichste Arbeitskraft. 1850 zum Hauptmann 2. Classe, 1854 zum Hauptmann 1. Classe befördert, im Frühjahr 1856 als Mappeur in die Walachei entsendet, kehrte Sch. nach Jahresfrist wieder in das alte Dienstverhältnis zurück. 1859 wurde Sch. außer der Tour Major im Infanterieregimente Nr. 33, in welchem er den Feldzug in Italien mitmachte, ohne jedoch in ein Gefecht zu kommen. Nachdem Sch. wieder zwei Jahre dem Generalstabe zugetheilt gewesen, 1862 zum Oberstlieutenant befördert worden war und als Generalstabschef beim 7. Corps fungirt hatte, erfolgte seine Berufung in die Centralkanzlei des Kriegsministeriums, wo er das Referat über die deutschen Bundesangelegenheiten und später, 1863, auch sieben Monate die Leitung der Centralkanzlei übernahm. Im December jenes Jahres dem Erzherzog Wilhelm bei Inspicirung des 7. bairischen Bundescorps zugetheilt, ward ihm in den ersten Tagen des Jahres 1864 die wichtige Aufgabe, den Aufmarsch der österreichischen Truppen an der Eider vorzubereiten. Nachdem er hierzu drei Wochen angestrengter Thätigkeit in Berlin zugebracht hatte, erhielt er die Bestimmung als k. k. Militärbevollmächtigter beim preußischen Obercommando der alliirten Truppen, wohnte in dieser Eigenschaft dem Treffen bei Oeversee sowie allen größeren Actionen des preußischen Corps bei; im Sommer des nämlichen Jahres wurde Sch. nach Wien berufen, um den beginnenden Friedensverhandlungen mit Dänemark beizuwohnen. Für seine Thätigkeit in jenem Jahre mit dem Ritterkreuz des Leopoldordens und durch Verleihung preußischer, sächsischer und hessischer Orden ausgezeichnet, wurde Sch. am 1. Januar 1865 außertourlich zum Obersten befördert und wirkte ein Jahr lang als Commandant des Infanterieregiments Nr. 63, dann kam er als Militärbevollmächtigter zum 8. deutschen Bundescorps. Nach dem Feldzuge des Jahres 1866 mit dem Militärdienstkreuz ausgezeichnet, commandirte er das Infanterieregiment Nr. 47 und erhielt bei Ausbruch des Aufstandes in Süddalmatien eine Gebirgsbrigade, für deren Führung ihm der Orden der eisernen Krone 2. Classe verliehen wurde. Als er im Frühjahr 1879 Budna verlies, um das Commando der 1. Insanteriebrigade zu übernehmen, ernannte ihn jene Stadt zum Ehrenbürger „für entwickelte heldenmüthige Tapferkeit und menschenfreundliche Gefühle“. 1870 in den Freiherrnstand erhoben, am 29. October desselben Jahres zum Generalmajor befördert, wurde Sch. 1875 Feldmarschalllieutenant, nachdem er schon in den Jahren 1862, 1863 und 1867 an der Verfassung taktischer Vorschriften, im J. 1873 [155] an der Umarbeitung des Exercirreglement hervorragend mitgewirkt, 1874 an dem in Brüssel tagenden Congreß über das Völkerrecht im Kriege theilgenommen und seit Juni 1875 das Commando der 5. Infanterie-Truppendivision in Olmütz geführt hatte. Nach dem unerwarteten Tode des FZM. Frhr. v. John wurde Sch. zum Chef des Generalstabes ernannt (4. Juni 1876) und ihm die Würde eines Geheimen Rathes verliehen. Die Lösung der bosnischen Frage rückte zu dieser Zeit heran, der russisch-türkische Krieg erheischte gespannte Aufmerksamkeit und eine Fülle von Arbeiten erwartete ihn hier, aber er wußte sie während seiner fünfjährigen Thätigkeit in dieser Stellung mit emsiger Hand, mit Beharrlichkeit und klarer Einsicht zu bewältigen. Die Folgeübel einer überstandenen schweren Krankheit, die drückende Sorge um den kaum in das Heer eingetretenen, unheilbarem Siechthum verfallenen Sohn, aber auch andere Umstände veranlaßten Sch. um Enthebung von seiner Stellung zu bitten, die ihm am 11. Juni 1881 in vollen Gnaden gewährt wurde. Nachdem Sch. im September 1881 als Chef einer österreich-ungarischen Mission an den Manövern des 10. und 11. Corps der französischen Armee theilgenommen hatte, wurde er am 28. November jenes Jahres Commandant der 7. Infanterie-Truppendivision und Militärcommandant in Triest, am 26. November 1882 Militärcommandant in Hermannstadt, Inhaber des neuerrichteten Infanterieregiments Nr. 82 und am 1. Januar 1883 Commandant des 12. Corps (Siebenbürgen). Nach Enthebung des FZM. Frhr. v. Kuhn von seiner Stellung als Commandant des 3. Corps, commandirender General und Landwehrcommandant in Graz, wurde Sch. am 21. Juli 1888 dessen Nachfolger, um wenige Monate später, am 13. September 1889 das Commando des 2. Corps in Wien zu übernehmen. Fünf Jahre bekleidete er diesen Posten, dann wurde er, am 14. September 1894, zur Disposition des Generalinspectors des Heeres, FM. Erzherzog Albrecht, gestellt und am 14. März 1895 zum Generaltruppeninspector ernannt, in welcher Stellung er noch drei Jahre erfolgreich wirkte.

FZM. Sch. war eine bedeutende und hervorragende Individualität, welche überall Spuren ihres Wirkens oder fruchtbare Anregungen zu förderlicher Thätigkeit zurückgelassen hat, und die glänzende Laufbahn, die sich dem jungen, eleganten Officier schon während des Krieges gegen Sardinien eröffnete, entsprach in ihrer fortschreitenden Entwicklung durchaus den Leistungen, nicht dem Glück allein. Schon in dem jugendlichen Alter von 21 Jahren in Radetzky’s Hauptquartier mit Arbeiten betraut, die weit über die enge Sphäre eines Subalternofficiers hinausreichten, hat er dazu beigetragen, den Generalquartiermeisterstab unter der genialen Leitung des FZM. Frhr. v. Heß zu jener Elitetruppe zu machen, in welcher Radetzky’s Geist und Ueberlieferungen das Gemeingut Aller waren. Durch und durch Soldat, in der eisernen Schule der alten „kaiserlichen Armee“ erzogen und aufgewachsen, mit ihr um so inniger verbunden, je mehr häusliches Leid zeitweilig schwer auf ihn drückte, verschloß er sich den Ideen und Forderungen der neuen Zeit nie und gerade er war einer derjenigen, welche aus der alten Armee die neue schufen und dieses neue Heer mit dem belebenden Hauche selbstständiger Ideen zu erfüllen, dem Glauben und die Hoffnung auf eine große Zukunft zu stärken vermochte „Die Kriegswissenschaft war ihm in Fleisch und Blut übergegangen“, so schrieb ein militärisches Blatt treffend über ihn, „er war ein Weiser, ein Gelehrter, ohne damit zu prunken, ohne an seinem Wissen mühevoll zu tragen und im entscheidenden Augenblick die Bürde zu verlieren. Er spendete mit Eleganz aus dem reichen Borne seiner Wissenschaft, er war ja ein Krösus an Talent, eine große That hätte vielleicht bewiesen, daß dieses Talent Genie [156] bedeutete. Auf dem Manöverfelde ahnte man es, da sprühte sein glänzender, schöpferischer Geist Funken, da zauberte er das Bild meisterhafter Operationen mit genialer Sicherheit auf den Plan.“ Seine besondere Sorgfalt widmete er stets, mit in die Zukunft gerichtetem Blick, der Jugend des Heeres, und jederzeit hatte er, der von eiserner Strenge zu sein wußte, ein gutes, ermunterndes Wort für den, den er als strebsam erkannt und selbst als er die höchste im Frieden zu erreichende Stufe der militärischen Hierarchie erklommen, scheute er die Mühe nicht, in freundlichen eigenhändigen Zuschriften niederen, jungen Officieren, auch wenn sie seinem eigenen dienstlichen Commando nicht unterstanden, Worte der Anerkennung und Aufmunterung zu spenden. Von bezwingender Liebenswürdigkeit in persönlichem Verkehr, als geistvoller Causeur, der über eine universelle Bildung verfügte, geradezu bestrickend, beherrschte er meisterhaft das Wort, wenn er erheben, entflammen wollte.

FZM. Frhr. v. Sch. ist am 7. Januar 1898 nach kaum achttägiger Krankheit in Wien gestorben.

Acten des k. und k. Kriegsarchivs. – Swoboda, Die Theresianische Militär-Akademie zu Wiener Neustadt und ihre Zöglinge II, 116. – Pester Lloyd 1898, Nr. 8. – Reichswehr 1898 vom 7., 8. und 10. Januar. – Armeeblatt 1898, Nr. 2. – Armee-Zeitung 1898, Nr. 68. – Militär- Wochenblatt 1898, Nr. 6. – Bettelheim, Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog III, 214. – Persönliche Erinnerungen.