ADB:Scharff, Gottfried Balthasar

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Artikel „Scharff, Gottfried Balthasar“ von Julius August Wagenmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 30 (1890), S. 586–587, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Scharff,_Gottfried_Balthasar&oldid=- (Version vom 16. Juni 2019, 07:12 Uhr UTC)
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Scharff: Gottfried Balthasar S., lutherischer Theolog, Liederdichter und Erbauungsschriftsteller des 18. Jahrhunderts, geboren am 19. März 1676 in Liegnitz, † am 9. August 1744 in Schweidnitz. – Er stammte aus einem österreichischen Adelsgeschlecht. Nachdem er seinen Vater Johann Friedrich S., welcher Rechtspraktikant und Beisitzer des Schöppenstuhls in Liegnitz gewesen war, frühe verloren, besuchte er erst die Stadtschule seiner Vaterstadt, später das Gymnasium Elisabethanum in Breslau, studirte in Leipzig und Wittenberg mit Eifer und gutem Erfolg, wurde 1699 Magister, 1700 Pfarrer zu Gölschau in Schlesien, 1708 nach dem Altranstädter Tractat Diaconus an der evangelischen Freiheitskirche zu Schweidnitz, im October 1737 aber, nach dem Tode seines Collegen, des bekannten geistlichen Liederdichters Benjamin Schmolck, dessen Nachfolger als Pastor primarius. Nach der preußischen Eroberung Schlesiens 1742 wurde er Kirchen- und Schulinspector des Fürstenthums Münsterberg und des Schweidnitzer Kreises, in welcher Eigenschaft er verschiedene neugebaute evangelische Kirchen einweihte, Prediger einführte und heilsame Einrichtungen im Kirchen- und Schulwesen traf. Daneben entfaltete er eine rege und vielseitige litterarische Thätigkeit, sammelte eine zahlreiche und kostbare Bibliothek, führte einen ausgebreiteten Briefwechsel, machte Reisen, lieferte Beiträge zu allerlei Sammelwerken, besaß eine nachdrückliche und eindringende Beredtsamkeit, gute Kenntnisse in der Geschichte seines Vaterlandes und poetische Begabung, die er auch als geistlicher Liederdichter und Liedersammler (insbesondere durch Herausgabe des Schweidnitzer Kirchen- und Hausgesangbuches 1727) bethätigte. Seine Schriften (deren ausführliches Verzeichniß bei Jöcher, Moser, Hirsching usw.) zeigen einen Mann von vielseitiger Gelehrsamkeit und freimüthigem Urtheil, der aber „in verschiedenen Stücken seine eigenen Gedanken hat“. Aus der großen Zahl derselben sind bemerkenswerth einige antipietistische Schriften z. B. „Disputatio de enthusiasmo“ 1699; „Neue Frucht des pietistischen Geistes“ (unter dem Namen Wahrlieb) 1702 und 1705; „Ueber die Andacht der betenden Kinder in Schlesien“ 1708; „Supplementum historiae litis Arndianae“ 1727; ferner Schriften erbaulichen Inhaltes z. B. „Die Weise wohl zu sterben“ 1712; „Die verkehrte Bibel der Gottlosen in 32 Wochenpredigten“ 1717–22 und öfter; „Gottselige Wittwenbibliothek oder geistliches Hand- und Gebetbuch der Fürstin Elisabeth von Henneberg, nebst Anhang“ 1724 u. 44; Litterarhistorisches und Bibliographisches [587] z. B. Lebensbeschreibungen von A. Moiban und Joh. Gigas, Beiträge zur schlesischen Hymnologie („De hymnorum auctoribus Silesiacis“ in Miscell. Lips. t. IX), „Almosenbibliothek d. h. Nachricht von Schriften, die von Almosen handeln“ 1724. Verschiedene ältere Schriften gab er mit Vorworten neu heraus z. B. „Lucas Osiander’s Anweisung zum rechten Studium“; „Michael Herman’s heilsame Lehre vom wahren Christenthum“ etc. Beiträge lieferte er zu den Miscellanea Lipsiensia, zu den „Unschuldigen Nachrichten“, deren vieljähriger Mitarbeiter er war, zu „Coler’s theologischer Bibliothek“, und in die von ihm selbst herausgegebenen „Gelehrten Neuigkeiten Schlesiens“.

Vgl. über ihn M. Gottlob Klugens Hymnopoeographia Silesiaca oder Historische Lebensbeschreibung der Schlesischen Liederdichter, Breslau 1751, S. 117 ff. – J. J. Moser’s Lexikon jetzt lebender lutherischer und reformirter Theologen, 1740, S. 928 ff. – Acta hist. eccl. I, 112 ff. – Jöcher, Gel.–Lex. IV, 221. – Hirsching-Ernesti, Handbuch X, S. 253 ff.