ADB:Schellenbauer, Johann Heinrich

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Artikel „Schellenbaur, Johann Heinrich“ von Theodor Schott in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 30 (1890), S. 762, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schellenbauer,_Johann_Heinrich&oldid=- (Version vom 24. August 2019, 03:01 Uhr UTC)
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Schellenbaur: Johann Heinrich S., evangelischer Theologe, geboren zu Brackenheim (Württemberg) am 18. Januar 1643, † zu Stuttgart am 10. December 1687, war der Sohn eines wenig bemittelten Spitalpflegers in Brackenheim. Sehr frühe verwaist wurde er von dem dortigen Pfarrer M. Nicolai zum Studium der Theologie bestimmt, war Zögling der niederen Seminare in Maulbronn und Bebenhausen, seit 1661 des Stipendiums in Tübingen, zeichnete sich durch Fleiß und Ehrbarkeit aus und erwarb sich tüchtige Kenntnisse in den alten Sprachen, sowie in Theologie und Philosophie. 1666 wurde er Klosterpräceptor in Maulbronn, 1669 Diaconus in Leonberg, wo er sich mit Anna Maria Ströling verheirathete, 1672 Oberdiaconus in Göppingen, 1678 Diaconus an der Hospitalkirche in Stuttgart, 1681 Unterdiaconus, 1682 erster Diaconus an der Stiftskirche, 1683 Stadtpfarrer an der Leonhardskirche, 1685 Abendprediger an der Stiftskirche daselbst. Zugleich hatte er seit 1686 an dem neugegründeten Gymnasium als Professor beider oberen Classen Logik, Metaphysik und Hebräisch zu geben. Der zarte Körper des von Jugend an leidenden Mannes, der immer viel „arzeneien und Diät halten“ mußte, auch durch eine schwache Stimme gehindert wurde, war den vielfachen Anforderungen nicht gewachsen. Nach längerem Krankenlager starb er an Entkräftung. In der Theologie vertrat er den lutherisch-württembergischen Standpunkt, war ein eifriger Gegner des Calvinismus, Syncretismus und des Böhme’schen Mysticismus, seine ernsten, mit lateinischen und griechischen Citaten gespickten Predigten wurden gern gehört, besonders auch von der frommen, trefflichen Herzogin-Wittwe Magdalena Sibylla; ein Band derselben erschien 1694 unter dem Titel „Schrifftmäßige Anweisung zu dem wahren lebendigen Christenthum“; 1680 hatte er anonym ein Gesang- und Gebetbuch herausgegeben: „Geistliche Herz- und Seelenbereitung“, 2. Aufl. 1688, 3. Aufl. 1691 (mir stand keine zu Gebote), in welchem ein von ihm verfaßtes Lied: „Lebt jemand, so wie ich“, abgedruckt ist. Sein „Compendium logices“, nach welchem er unterrichtet und welches in den Schulen Württembergs eingeführt war, erschien 1682 (1704, 1715). Am nachhaltigsten war seine schriftstellerische Wirksamkeit durch den von ihm 1682 abgefaßten Auszug aus der katechetischen Unterweisung zur Seligkeit; die weitschweifig angelegte Unterweisung (Auslegung des Brenzischen Katechismus in Frage und Antwort von J. C. Zeller) wurde von S. in selbständiger Weise stark abgekürzt, ihres paränetischen Gewandes entkleidet, in bessere katechetische Form gebracht und mit Luthers Erklärungen vermehrt. Das Buch, in manchen Theilen stark scholastisch, wurde in Württemberg officiell eingeführt und ist die Grundlage der heute noch im Gebrauch stehenden „Kinderlehre“. –

Leichenpredigt über S. von J. J. Lang, 1691. – Fischlin, Memoriae theologorum Würt. II. – Zeller, Unsere Kinderlehre in: Neue Blätter aus Süddeutschland für Erziehung und Unterricht, Jahrg. 17, 1888.