ADB:Schenk von Nideggen, Martin

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Artikel „Schenck v. Nydeggen, Martin“ von Pieter Lodewijk Muller in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 31 (1890), S. 62–64, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schenk_von_Nideggen,_Martin&oldid=- (Version vom 15. Juli 2019, 19:07 Uhr UTC)
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Schenck: Martin S. v. Nydeggen, bekannter Feldoberst im niederländischen Revolutionskrieg, stammte aus einem unehelichen Zweig der im Geldrischen und Jülichschen namentlich an der Maas angesessenen Familie des Namens und ist wahrscheinlich in den vierziger Jahren des 16. Jahrhunderts in Goch geboren, wo sein Vater wohnte, als derselbe 1559 versuchte, den den Bastarden nach langjährigem Proceß abgesprochenen Stammsitz Blyenbeek in der jetzigen Provinz Limburg mit Gewalt zu besetzen. Dasselbe gelang 1576 dem damals im staatischen Dienste stehenden Sohn, von dessen früheren Schicksalen nur bekannt ist, daß er einem holländischen Obersten gedient hat, und die Versuche der staatischen Behörden, den rechtmäßigen Eigenthümer wieder in den Besitz zu setzen, veranlaßte sogar seinen Eintritt in den Dienst des Königs von [63] Spanien. Die Erwähnung eines spanischen Rittmeisters S. in der Schlacht auf der Mookerhaide scheint sich nicht auf ihn zu beziehen. Als Parteigänger im spanischen Dienste that er sich so hervor, daß er 1580 schon ein selbständiges Commando über ein Heer von fast 4000 Mann hatte, an deren Spitze er im Juni dem Grafen von Hohenlohe eine vollständige Niederlage bei Hardenberg im nördlichen Overyssel beibrachte und dadurch dem Grafen Renneberg, der in Groningen belagert wurde, Luft machte. Fast ein halbes Jahr lang blieb er im Norden, im folgenden Jahre wandte er sich jedoch nach Brabant und wirkte thätig mit an der Ueberrumpelung von Breda. Von dem Schlosse Blyenbeek, das er, wie ein anderes seiner Familie gehöriges Schloß Well, in eine förmliche Festung verwandelt hatte, beunruhigte er die Rhein- und Maasgegenden, seine Streifzüge und Brandschatzungen machten ihn zum gefürchtetsten Kriegsmann der spanischen Partei und Alles athmete auf, als es gelang, ihn auf neutralem Boden unweit Xanten abzufangen (1582). Schon früher war er in Doetichem, welches Städtchen er überfallen hatte, eingeschlossen und gefangen geworden, doch war es ihm damals gelungen, zu entweichen, jetzt verwahrte man ihn besser, erst 1584 ward er gegen eine Anzahl vorher von ihm gefangener Edelleute ausgewechselt. Der Prinz von Parma hatte Blyenbeek, Well und andere Orte der Gegend für ihn verwahrt und gleich nach seiner Freilassung fing er den kleinen Krieg wieder an, der ihn schon längst zum reichen Mann gemacht hatte, doch in welchem er weder Freund noch Feind schonte. Er machte es dadurch und durch seine Unbotmäßigkeit den spanischen Generalen zu arg, es kam zu Conflicten und S., der von keinen Principien wußte, entschloß sich, die Farbe zu wechseln. 1585 trat er in den Dienst der Generalstaaten, wahrscheinlich hat der Uebertritt zur königlichen Partei des rechtmäßigen Eigenthümers von Blyenbeek ihn in Furcht gesetzt, die Regierung werde ihm dasselbe nehmen; denn es scheint fast, als sei die Behauptung jenes Stammschlosses ihm über alles gegangen. Im staatischen Dienste führte S. den Krieg auf die nämliche Weise fort. Jetzt waren es namentlich die niederrheinischen Länder, welche er unter dem Vorwande, er kämpfe für den protestantisch gewordenen und vertriebenen kölnischen Erzbischof Gebhardt Truchseß von Waldburg, heimsuchte. Selbst in Westfalen überfiel er das Städtchen Werl und vernichtete das zu Hülfe eilende Kreisaufgebot. In der kölnischen Festung Rheinberg hatte er sein Hauptquartier. Er galt damals als der beste Kriegsmann der staatischen Partei, der Graf von Leicester verlieh ihm am St. Georgenfeste den Ritterschlag. Im December des nächsten Jahres 1587, nachdem ihm durch Verrath die Stadt Geldern von den Spaniern abgenommen war, wetzte er den Schaden aus durch die Ueberraschung von Bonn. Die Behauptung jener Stadt, welche ihm eine Zeitlang die Gelegenheit bot, den kölnischen Rheinhandel für sich auszubeuten, überstieg jedoch seine Kräfte. Er überließ die Vertheidigung der von den Spaniern belagerten Stadt dem Obersten Putlitz, während er selber in Holland, England und Deutschland umherreiste, um einen Zug zum Entsatz zu bewirken. Der Pfalzgraf Johann Casimir versuchte, ihn mit Truppen zu unterstützen, doch dieses half so wenig wie der Versuch, durch Belagerung von Neuß die Feinde von Bonn abzuziehen. Nach sechsmonatlicher Belagerung capitulirte Putlitz (September 1588). Von jetzt ab erkalteten die Beziehungen Schenck’s zu den Staaten. Namentlich deren Widerspruch gegen einen Versuch, durch eine eigenmächtig auf der Spitze der Bommeler Werth errichtete Schanze den Rheinhandel zu sperren, verstimmte ihn, er wollte aus ihrem Dienste scheiden, er behauptete, seine Schlösser seien neutral und Niemand gehörig; ja er erklärte sich für einen freien Deutschen und für keinen Engländer, den man zum Dienste zwingen könne, und ließ sich nur mit genauer Noth bewegen, an der Verproviantirung Rheinbergs mitzuwirken. Noch [64] einmal bestätigte sich sein glänzendes Talent für den kleinen Krieg; als er, nachdem er vergebens sein von den Spaniern belagertes Schloß Blyenbeek zu entsetzen versucht hatte, einen spanischen Transport unweit Haltern, also auf münsterschem Boden, abfing. Die Bedeckung wurde fast gänzlich niedergemacht (über 1000 Mann, schrieb S.). Da sein früherer Lieutenant Patton, der Geldern verrathen hatte, dieselbe commandirte, kannte S. keine Gnade. Leider entsprang der Führer. Dann wandte er sich nach dem Rhein, um das ihm tödtlich verhaßte Nymwegen zu überfallen. Im J. 1585 hatten die Bürger nicht durch ihn ihren Frieden mit dem König machen wollen, was er nimmer verzieh, und was mit zu seinem Uebertritt mitwirkte. Im Spätabend des 10. August 1589 griff er die Stadt auf Schiffen und zu Lande plötzlich an, sprengte ein Thor an der Flußseite und besetzte ein Haus. Doch die Bürger warfen ihn zurück und auf der Flucht sank das überladene Schiff, auf das er sich begeben und S. und viele seiner Soldaten ertranken im Waal. Sein Leichnam wurde von den Bürgern aufgefischt und als eines Hochverräthers geviertheilt.

So endete einer der gefürchtetsten Krieger seiner Zeit. Ein wilder principienloser Mann, der rechte Sohn jener verwilderten Adelsgeschlechter, welche in den niederländischen, wie in den deutschen Kriegen des Jahrhunderts so viel dazu beigetragen haben, das Elend zu vermehren, jedoch ein unbestreitbares Talent. Wenn es auch sein mag, daß Strada die Wahrheit spricht, als er sagt, S. habe am besten gekämpft, als er betrunken gewesen, nicht allein für Raubzüge und Ueberfälle, auch für Verstärkungen hatte er einen genialen Blick. Eine von ihm erbaute Schanze am Rhein, die lange als der Thorhüter der niederländischen Republik galt und im Kriege gegen Spanien ausgezeichnete Dienste leistete, bewahrt mit Recht seinen Namen, der im Volksmunde jener Gegenden noch nicht vergessen sein soll.

Alles was sich über S. auffinden ließ, ist aufs sorgfältigste zusammengesetzt in einer anonym erschienenen Geschichte der Familie Schenck von Nydeggen, insbesondere des Kriegsobristen Martin Schenck von Nydeggen, Köln und Neuß 1860. Sonst die von mir schon so oft citirten Quellen und Litteratur über die Kriegsgeschichte der Jahre 1576–89.