ADB:Scheuren, Johann Kaspar Nepomuk

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Artikel „Scheuren, Johann Kaspar Nepomuk“ von Max Georg Zimmermann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 31 (1890), S. 143–144, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Scheuren,_Johann_Kaspar_Nepomuk&oldid=- (Version vom 18. September 2019, 20:39 Uhr UTC)
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Scheuren: Johann Kaspar Nepomuk S., Landschafts- und Arabeskenmaler, geboren am 22.[1] August 1810 in Aachen, half als Knabe seinem Vater beim Miniaturmalen und zeigte dabei ein bedeutendes Talent. Mit 15 Jahren wurde er zu einem Kaufmann in die Lehre gegeben, aber nach einem Jahr nahm ihn sein Vater wieder zu sich. 1829 bezog er die Akademie zu Düsseldorf, wo er sich im Landschaftsfache ausbildete. Schon 1832 erregte eine Landschaft im niederländischen Charakter Aufsehen und wendete ihm viele Aufträge zu. 1835 verließ er die Akademie und machte Reisen nach Holland, München, [144] Tirol und Oberitalien. Durch das Studium alter und neuer Meister suchte er seine Technik zu vervollkommnen, die Romane Walther Scott’s regten in ihm eine eigenthümlich romantische Kunstrichtung an. Er faßte die Natur in phantastischer Weise auf, oft auf Kosten der Wahrheit, aber alle seine Erfindungen sind von Poesie durchhaucht. Die eigentliche Heimath seiner Darstellung ist der Niederrhein. Eine weite Ebene dehnt sich aus, bedeckt von Wiesen und Fruchtfeldern, friedliche Hütten sind darauf verstreut; regsame Windmühlen, einzelne Baumgruppen beleben die Silhouette, über kleine Wäldchen ragen die Zinnen einer alten Burg empor, auf einem großen ruhigen Fluß gleiten Segelboote leicht dahin. Auf brauner Haide treibt sich allerlei Gesindel, Zigeuner und Räuber, herum. Eine weite spiegelnde Wasserfläche trägt Kähne mit Kriegsvolk im Kostüm der Wassergeusen. In gebirgigen Gegenden mit scharfkantigen Felsen lagert abenteuerliches Kriegsvolk. Gewitterlicht über verborgenen Waldplätzen mit einsamen Hütten. Sonniges Tageslicht über Mühlen und rauschenden Bächen. Dämmerndes Waldinneres mit grasenden Rehen. Der Frühling legt sich mit sanfter Heiterkeit über seine Bilder, der Wald erschauert unter den Herbststürmen, der Winter ist einsam und trübe. Seine Lüfte sind überaus klar und duftig, die Wolken ziehen leicht und luftig über das reine Blau, der leichte Hauch spielt in dem flockigen Laubwerk der Bäume. Weniger ist es ihm gelungen, die italienische Landschaft wiederzugeben. Schon in den Landschaften spielt die Staffage eine große Rolle. Oft tritt dieselbe selbständig auf in romantischen Genrebildern. Er zeigt das Treiben der Mönche in ihren Zellen und Kreuzgängen, die Ritter in den Hallen tafelnd, von dem wilden Leben ausruhend in den Grüften. Seine vorzüglichsten Oelbilder sind: „Niederrheinische Landschaft“ im Besitz Eduard Bendemann’s, „Gebirgslandschaft“ und „Morgenlandschaft“ im Museum zu Leipzig, „Der Pilger“ im Besitz der Fürstin von Hohenzollern, „Holländische Landschaft“ in der Galerie Ravené in Berlin. Nicht weniger als durch seine Oelbilder ist er bekannt durch seine Zeichnungen und Aquarelle. Er verflicht mehrere Bildchen, die einen gedanklichen Zusammenhang haben, in ein geistreich erdachtes System von Arabesken. Viele dieser Entwürfe waren Albumblätter für den Privatbesitz, andere zu Adressen und Diplomen bestimmt. Ein Blatt ist für den Aerzteverein in Düsseldorf entworfen und stellt das medicinische Leben in seinen Erscheinungen und unter Symbolen dar. Andere Blätter dienen als Titel für mehrere Jahrgänge des Düsseldorfer Künstleralbums. Shakespeare, Goethe und Schiller verherrlicht er in ihren dichterischen Gestalten, Balladenstoffe hat er in Arabesken verflochten. Zu Werken dieser Art gehören sein „Rheinwerk“ in 27 Aquarellen im Museum zu Köln, „Chor aus der Braut von Messina“, 7 Blätter im Museum zu Berlin, ein zweites „Rheinwerk“ in 50 Blättern, „Koblenzer Erinnerungsblätter“ für das deutsche Kaiserpaar, die „Chronik der Universität Straßburg“. Auch ein Heft mit Radirungen hat er (Mannheim 1842) herausgegeben. 1856 wurde S. Professor der Düsseldorfer Akademie. Nicht nur durch seine Kunst, sondern auch durch sein originelles Wesen war er eine der bekanntesten Persönlichkeiten in Düsseldorf. Er war mit einer Aachener Sängerin in der glücklichsten Ehe vermählt und starb am 12. Juni 1887.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 143. Z. 7 v. u. l.: 21 statt 22. [Bd. 45, S. 671]