ADB:Schlichtegroll, Nathanael von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Schlichtegroll, Nathanael von“ von Johann August Ritter von Eisenhart in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 31 (1890), S. 487–488, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schlichtegroll,_Nathanael_von&oldid=- (Version vom 17. August 2019, 15:23 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 31 (1890), S. 487–488 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Nathanael von Schlichtegroll in der Wikipedia
GND-Nummer 117327204
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|31|487|488|Schlichtegroll, Nathanael von|Johann August Ritter von Eisenhart|ADB:Schlichtegroll, Nathanael von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=117327204}}    

Schlichtegroll: Dr. Nathanael v. S., bairischer Archivrath, geb. zu Gotha am 30. October 1794, † zu München am 13. September 1859. Nathanael’s Vater, Friedrich v. S. (s. oben S. 484), Conservator des Münzcabinets zu Gotha, folgte 1807 einem Rufe der bairischen Regierung als Director und Generalsecretär der Akademie der Wissenschaften nach München. Nathanael, welcher mit seinem Vater übersiedelte, besuchte das dortige Lyceum, dann (1813) als Hörer der Rechte die Universität Landshut. In diese Zeit fällt seine erste litterarische Arbeit „Mark Aurel’s Größe als Mensch und Herrscher“, welche er seinem scheidenden Lehrer E. Henke aus Dankbarkeit widmete. Die Universitätsstudien fanden alsbald eine längere Unterbrechung, da Nathanael zu den begeisterten Jünglingen zählte, welche behufs Befreiung des Vaterlandes vom drückenden Fremdenjoche unter Napoleon zu den Waffen griffen und gegen Frankreich ins Feld zogen. Als Lieutenant und Adjutant des Generals Schönfeld war er mit den Verbündeten in Paris und erhielt bei diesem Anlasse den russischen Sanct-Annen-Orden. Vom Feldzuge heimgekehrt, kehrte er auch zu den juristischen Studien zurück, welche er in Göttingen und Erlangen fortsetzte, in Landshut vollendete. Hier erwarb er auch 1817 durch eine seinem Vater gewidmete staatsrechtliche Inauguraldissertation die Doctorwürde. Nach rühmlich bestandenem Staatsconcurse finden wir ihn als Landgerichtsassessor in Dachau und Freising, als Polizeicommissär in München, von 1836–39 als Landrichter in Tegernsee; endlich seit Februar 1840 – in Erfüllung eines länger gehegten Wunsches – als Adjuncten beim Reichsarchive, womit für ihn eine neue wissenschaftliche Wirksamkeit begann. Von dieser Zeit an (1842–54) veröffentlichte S. eine Reihe von Druckschriften, theils Abhandlungen über das Archivwesen (namentlich in Friedmann’s Zeitschrift für die Archive Deutschlands), theils genealogische Untersuchungen über das bairische Königshaus, theils Aphorismen verschiedenen Inhaltes. Am 3. November 1845 zum Hofrath ernannt, erhielt er am 19. April 1851 die Erlaubniß, „in der Eigenschaft als Ehrenprofessor der philosophischen Facultät an der Universität München Vorlesungen über Diplomatik und ihre Hilfswissenschaften zu halten“. Er begann alsbald – im Sommersemester 1851 – seine Vorträge, welche regelmäßig nicht bloß von akademischen Bürgern, sondern auch von Männern reiferen Alters besucht wurden. In demselben Jahre überreichte unser Archivar dem Staatsministerium des Innern einen ausführlich begründeten Vorschlag zur Errichtung eines „diplomatisch-paläographischen Institutes“ in München nach dem Vorbilde anderer Städte, ein Vorschlag, welcher indeß von höchster Stelle am 26. November 1851 abgelehnt wurde. Als König Ludwig I. 1852 in der baierischen Ruhmeshalle die von [488] Halbig gefertigte Porträtbüste des Grafen August von Platen (geb. 1794) aufstellen ließ, gab S., in frühester Jugend (1812–20) mit Letzterem befreundet, unter dem Titel „Erinnerungen an Aug. Grafen v. Platen in seiner Jugend“ eine kleine Denkschrift heraus (München 1852, 137 S. in 120). Sie enthält neben Reminiscenzen aus jenen Jahren auch mehrere Gedichte aus Platen’s frühester Dichterperiode, welche Schöpfungen einen wertvollen Einblick in Platen’s Entwicklungsgang gewähren. Gleichzeitig war der treuanhängliche Freund rastlos für Errichtung eines Platendenkmales in Ansbach, dem Geburtsorte des Dichters, thätig. – In der Nacht vom 12. auf 13. September 1859 erkrankte S. und starb nach wenigen Stunden an einem Herzschlage. Seit 1825 mit Angelica Maier vermählt, hinterließ er eine Wittwe, 2 Töchter und 1 Sohn.

Verzeichniß der namhafteren Schriften in Rockinger’s „Erinnerung an Dr. Nath. v. S. etc.“ im XXII. Jahresber. des histor. Vereins von Oberbaiern; auch als Separatabdruck erschienen (München 1860, 13 S.) – Abendblatt zur Neuen Münchener Zeitung vom 19. September 1859, Nr. 223 S. 889 u. 890.