ADB:Schlienz, Christoph Friedrich

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Artikel „Schlienz, Christoph Friedrich“ von Karl Friedrich Ledderhose in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 31 (1890), S. 517–519, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schlienz,_Christoph_Friedrich&oldid=- (Version vom 20. Juni 2019, 12:02 Uhr UTC)
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Schlienz: Christoph Friedrich S., Basler Missionar, ist in Kirchheim unter Teck (Württemberg) am 26. October 1803 geboren, † am 26. April 1868 auf St. Chrischona bei Basel. Sein Vater war Küfer und erzog mit seiner Frau seine acht Kinder gut. Schon früh zeigte S. gute Gaben und war in der Schule immer der erste. Um sich auf die Kellnerei vorzubereiten, kam er schon zwei Jahre vor seiner Confirmation nach Lustnau bei Tübingen zu einem Verwandten, dem Adlerwirthe. In diesem Wirthshause versammelten sich Professoren von Tübingen zu einem Kränzchen, und der wißbegierige Knabe interessirte sich an den gelehrten Gesprächen. Auch besuchte er in Tübingen die Schule, in der er sich auf die französische Sprache warf. Auch fing er das Lateinische und Griechische an, wie er denn eine bedeutende Gabe für Sprachen hatte. Was ihn aber besonders förderte, war eine innerliche Wendung zu dem Evangelium. Den ersten Antrieb dazu hatte er einer frommen Magd zu verdanken, die oben im Hause wohnte. Sie versorgte ihn mit religiösen Schriften. Besonders wurde [518] ihm die Bibel über alles lieb, auch besuchte er heimlich die Privatversammlung. Dieser Umschwung in der Gesinnung des Knaben gefiel dem Vetter nicht. Dr. Bahnmaier, späterhin Decan in Kirchheim, nahm sich aber des jungen Menschen an und brachte ihn in die lateinische Schule daselbst. Nach und nach reifte in ihm der Gedanke, in das Missionsfeld zu treten. Von 1821 bis 1826 bereitete er sich im Missionshause von Basel auf seinen Beruf vor. Die Herzogin Henriette in Kirchheim kaufte ihn vom Militärdienste los; er trat alsdann in den Dienst der kirchlichen Missionsgesellschaft von England. Im Missionshause zu Islington beschäftigte er sich anderthalb Jahre lang hauptsächlich mit den orientalischen Sprachen. Er war als Missionar nach Abessynien bestimmt, aber wegen der dortigen Unruhen mußte davon abgestanden werden. Er wurde dem Missionar Jowett in Malta, der eine große Missionsbuchdruckerei leitete, beigegeben. Im J. 1836 erhielt er den Auftrag, die Bibel in’s Arabische zu übersetzen. Er reiste zu diesem Zwecke nach Aegypten. Der Vicekönig Mehemed Ali empfing den gelehrten Mann äußerst ehrenvoll. Aber bei einer Fahrt auf dem Nile hatte er das Unglück, von einer Segelstange auf dem Kopfe schwer verwundet zu werden, so daß er längere Zeit zwischen Leben und Tod schwebte. Nach Malta zurückgekehrt, arbeitete er eifrig an der Bibelübersetzung, aber es trat eine Störung seines Geistes ein. Zu seiner Erholung ging er nach Deutschland und konnte bald seine Thätigkeit wieder aufnehmen. Er trat jetzt in den Ehestand und kehrte nach Malta zurück, wo er von 1840 bis 1842 mit dem bekannten Missionar und späteren Bischof Gobat gemeinschaftlich arbeitete. Ueberanstrengung rief das alte Leiden hervor, so daß er sich genöthigt sah, sein Heimathsland aufzusuchen. Er fand auch wirklich Heilung unter der ärztlichen Behandlung des ausgezeichneten Dr. Zeller. Dennoch war sein Weg ein sehr trüber. Erst von 1846 an konnte er wieder etwas thätig sein. Als er im Sommer die Basler Missionsfeste besuchte, drang Spittler in ihn, für seine Pilgermissionsanstalt auf St. Chrischona als Lehrer einzutreten. Obwohl der treubesorgte Dr. Zeller wegen der Schwäche seines Patienten die Arbeit widerrieth, so finden wir doch S. im J. 1847 auf dem Hügel St. Chrischona mit seiner unvergleichlich herrlichen Aussicht in voller Thätigkeit mit dem Unterrichte und der Pflege von etlichen Missionszöglingen. Er durfte die Freude erleben, daß sich die Zahl der Jünglinge vermehrte, die dazu bestimmt waren, hauptsächlich in der innern Mission zu dienen, so daß jetzt hunderte derselben in allen Welttheilen, besonders in Amerika als Pastoren und in anderen Aemtern dienen. S. hat manchmal gesagt, daß ihm in seiner schweren Leidenszeit die Pfauenfedern ausgerupft worden seien. Gerade diese Einschulung in den Demuthswegen machte ihn tüchtig, in dieser Anstalt, die mit Noth und Armuth zu kämpfen hatte, mit Erfolg zu wirken. Man konnte nicht leicht einen selbstloseren und liebevolleren Mann als ihn finden und darf dabei nicht vergessen, daß er ein geistvoller, gelehrter Mensch war, ein wahres Sprachgenie, der nun seine Begabung reichlich verwenden konnte. Den Titel Kaplan, den er aus England mitbrachte, ließ ihm Spittler, und unter diesem Namen ist er überall bekannt und steht in gesegnetem Andenken. Auch dem Erzähler dieses, der als Präsident mit der Anstalt in Verbindung stand, ist dieser gesalbte Mann zum Segen geworden. Schwer erkrankte S. im J. 1863. Die gute Pflege im Diakonissenhause des nahen schweizerischen Dorfes Stiehen half zu seiner Genesung, so daß er wieder auf’s neue rüstig arbeitete. Der Tod des alten Spittler ging ihm sehr nahe, und obwohl leidend, setzte er seine Lectionen bis zum 24. April fort, wohnte noch einer Comitésitzung bei, mußte sich aber niederlegen und konnte zu seinem Schmerze der Einsegnung von fünf Zöglingen nicht mehr beiwohnen. Der Sterbende wiederholte öfters das Verslein des Reformators P. Eber: „Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck [519] und Ehrenkleid“; für die Anstalt flehte er viel: „Meister, laß Dein Werk nicht liegen!“ Er verschied im Stüblein des Thurms, als man unten in der Kirche die Zöglinge einsegnete. An Auszeichnungen wegen seiner Gelehrsamkeit fehlte es ihm nicht. Er war Ehrenmitglied der asiatischen Gesellschaft in London und hatte anerkennende Diplome aus Amerika. Näheres über ihn in der Leichenrede, gedruckt auf Chrischona.