ADB:Schlotterbeck, Johann Friedrich

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Artikel „Schlotterbeck, Johann Friedrich“ von August Wintterlin in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 31 (1890), S. 553–554, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schlotterbeck,_Johann_Friedrich&oldid=3475463 (Version vom 16. Januar 2019, 12:38 Uhr UTC)
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Schlotterbeck: Johann Friedrich S., Dichter, geb. am 7. Juni 1765 in dem württembergischen Schwarzwaldstädtchen Altensteig als Sohn des dortigen Stadtpfarrers, † am 14. Juni 1840 in Obertürkheim, gehörte zu der von der Romantik unberührten älteren schwäbischen Poeten-Schule, als deren Haupt Friedrich Haug anzusehen ist. Zur Theologie bestimmt durchlief er die niederen Seminarien und brachte es im Tübinger Stift 1784 zum Magister, wurde aber noch in demselben Jahre „hinausgeworfen“. Herzog Karl von Württemberg stellte den begabten und lebhaften jungen Mann im Jahre 1788 an den unteren [554] Classen seiner hohen Carlsschule als Lehrer des Lateinischen und Griechischen an. S. entwickelte dort nebenbei soviel Talent als immer schlagfertiger Dichter für Hof- und Theaterzwecke, daß ihn nach Aufhebung der Carlsschule im J. 1794 der Herzog Ludwig Eugen zum Hof- und Theaterdichter, auch Hoftheatersecretär ernannte. Aus dem Schulmann entpuppte sich bald ein ganz brauchbarer Kanzleibeamter, der als Secretär in verschiedenen Stuttgarter Collegien verwendet wurde und im Jahre 1817 zum Kanzleidirector bei der Regierung in Ulm, vom Jahre 1820 an mit Sitz und Stimme im Collegium, aufrückte. Im Jahre 1828 trat er in den Ruhestand. Als Hofdichter schuf er eine große Menge von Begrüßungen, Glückwünschen, Trauergesängen, als Theaterdichter Prologe, Epiloge, Fest-Cantaten, Einlagen in Schauspiele und Opern, Uebersetzungen und dergl. Daneben war er für Stuttgart und später für Ulm, aber auch sonst für Stadt und Land ein beliebter und gesuchter Gelegenheitsdichter bei öffentlichen und häuslichen Freuden- und Trauerfesten, voll guter Laune in heiteren, sehr thränenreich in ernsten Stücken. Von anderen Dichtarten pflegte er als Humorist und Satiriker das gesellige Lied, die Fabel, das Epigramm und die Ballade. Er gab als Probe der drei letzten Gattungen ein erstes (und einziges) Bändchen unter dem Titel: „Fabeln und Erzählungen nach Phädrus und in eigener Manier“ (1790) heraus, wozu ihm Schubart als Vorrede eine geistreiche Skizze der deutschen Fabeldichtung schrieb. Einen Theil seiner Gelegenheitsgedichte, 115 von 630, wie er sagt, veröffentlichte S. mit ein paar Dutzend anderen in der „Sammlung vermischter Gedichte“ (1825). Sein einst viel gesungenes Lied „In Mirthills zerfallener Hütte“ steht nur in der Sammlung von 1790. Seine Hof-Poeme haben nicht den vollen Ton und Schwung der schubartischen, seine Fabeln und Sinngedichte nicht die glückliche Kürze und den treffenden Witz der haugischen; noch weniger hält er in den Liedern und Balladen den Vergleich mit Uhland und seiner Schule aus. Mit Geschick schlug er ein paar Mal in Rekruten- und Landmiliz-Liedern unter Verwendung des schwäbischen Dialekts den patriotisch-volksthümlichen Ton an.

Vgl. den Nekrolog in der Schwäb. Kronik Jahrg. 1840 S. 713 f. Wagner, Gesch. d. h. Carlsschule Bd. 2 S. 201 u. ö. – H. Fischer, Klassizismus und Romantik in Schwaben zu Anfang unseres Jahrhunderts S. 9.