ADB:Schnee, Gotthilf Heinrich

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Schnee, Gotthilf Heinrich“ von Carl Leisewitz in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 89–90, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schnee,_Gotthilf_Heinrich&oldid=- (Version vom 19. Juni 2019, 13:19 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Schneckenburger, Max
Nächster>>>
Schneegans, Ludwig
Band 32 (1891), S. 89–90 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Gotthilf Heinrich Schnee in der Wikipedia
GND-Nummer 100268021
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|32|89|90|Schnee, Gotthilf Heinrich|Carl Leisewitz|ADB:Schnee, Gotthilf Heinrich}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=100268021}}    

Schnee: Gotthilf Heinrich S., Pfarrer zu Heinrichsberg bei Burg, Regierungsbezirk Magdeburg, † am 12. Januar 1830. Er wurde am 6. Aug. 1761 zu Siersleben im mansfeldischen Gebirgskreise, wo sein Vater Gutsbesitzer und Gastwirth war, geboren und verlebte nur die ersten Jahre der Kindheit im elterlichen Hause. Schon im Alter von zehn Jahren wurde er auf das Gymnasium in Eisleben gebracht und zwei Jahre später von seinem Onkel nach Braunschweig genommen, wo er bis 1776 ebenfalls Schüler des Gymnasiums war. Zur weiteren Vorbereitung auf das theologische Studium besuchte er von 1776 bis 1778 das mit dem Halleschen Waisenhause verbundene Lehrinstitut, ging dann an die theologische Facultät in Halle und begab sich 1780 behufs Vollendung seiner Studien nach Leipzig. Schon dort war er zugleich schriftstellerisch auf dem Gebiete der Belletristik thätig, ohne jedoch das von ihm gewählte Fachstudium zurückzusetzen. Nachdem er mit demselben zum Abschluß gekommen war, conditionirte er als Candidat der Theologie in mehreren angesehenen Häusern und wurde 1790 als Prediger in Großörner durch Verwendung des Prinzen Ferdinand von Preußen angestellt. Sein Wirken war dort nicht allein den Pflichten der Seelsorge gewidmet, sondern nach kurzer Frist zur Orientirung auch auf Hebung der Erwerbsfähigkeit und Förderung des materiellen Wohles in den ihm zugänglichen ländlichen Erwerbsclassen gerichtet. Mit besonderem Eifer wandte er sich der Verbreitung von Aufklärung in den Kreisen der Landwirthe zu und arbeitete mit manchem Erfolge an der Verbesserung der landwirthschaftlichen Zustände. Dabei mochte er sich theils auf die gelegentlich von väterlicher Seite erhaltenen Instructionen, theils auf die in seinen Hauslehrerstellungen gemachten Wahrnehmungen stützen können, sein Verständniß für solche Aufgaben wurde ohne Zweifel noch durch eingehende fachlitterarische Studien, sowie durch eigene Beobachtungsgabe und durch genauere Prüfung der Verhältnisse so wesentlich gehoben, daß er selbst vielfach durch Wort und Schrift anregend und belehrend zu wirken vermochte. Uebrigens diente er auch mit großer Pflichttreue den kirchlichen Interessen und stiftete 1801 aus freier Initiative einen litterarischen Verein, welcher den Zweck verfolgte, die Errichtung eines Denkmals für den Reformator Dr. Martin Luther durch geeignete Sammlungen und litterarische Beiträge vorzubereiten. – Im J. 1809 wurde er zur Uebernahme einer größeren Parochie nach Heinrichsberg bei Burg versetzt, wo er gleichfalls als Seelsorger wie als Vorkämpfer des landwirthschaftlichen Culturfortschritts segensreich zu wirken suchte. Durch seine gemeinnützigen Bestrebungen hatte er sich aber auch volle Anerkennung und Werthschätzung am preußischen Hofe erworben [90] und wurde 1819 durch Verleihung des Rothen Adlerordens III. Classe ausgezeichnet. – Eine ganze Reihe von Schriften gibt Zeugniß von der Tendenz seines umfassenden Wirkens und von seiner schriftstellerischen Productivität. Nachdem er schon als Candidat der Theologie seine „Neuen Originalromane der Deutschen“ (2 Bände, Leipzig 1782) und 2 Bände „Gedichte“ (Frankfurt a. M. 1786 und 1790), ferner als Pfarrer seine „Betrachtungen über ausgewählte Stellen aus der heil. Schrift“, Frankfurt a. M., und seine „Casualreden“, Halle 1800, veröffentlicht hatte, war er hauptsächlich noch für die Landwirthschaft litterarisch thätig. In dieser Richtung wurde von ihm zunächst unter Mitwirkung einer Gesellschaft praktischer Landwirthe ein „Repertorium aus dem Gebiete der Land- und Hauswirthschaft“ seit 1803 herausgegeben, dasselbe ist auch bis zu seinem Tode regelmäßig fortgesetzt worden und seit 1812 unter dem veränderten Titel: „Landwirthschaftliche Zeitung, oder Repertorium alles Wissenswürdigen aus der Land- und Hauswirthschaft“ erschienen. Außerdem schrieb er mehrere Lehrbücher mit popularisirender Tendenz für die ungeschulten und unbemittelten Classen des landwirthschaftlichen Publicums, aus solcher Kategorie sind zu nennen: sein „Lehrbuch des Ackerbaues und der Viehzucht für Landschulen“ 1814 in erster und 1821 in zweiter Auflage, ferner sein „Tägliches Taschenbuch für Landwirthe und Wirthschaftsverwalter“, Halle 1811 und Leipzig 1825, desgl. sein „Allgemeines Handbuch für Land- und Hauswirthschaft“ oder „Naturhistorisch-technisch-ökonomisches Handwörterbuch für Land- u. Hauswirthe“ mit Illustrationen, Halle 1819. Größere Bedeutung als die vorgenannten Bücher erlangte sein um 1817 erschienenes Werk: „Der angehende Pachter“, ein Handbuch für Kameralisten, Gutsbesitzer und Pachtunternehmer, in welchem die Werthverhältnisse des Culturlandes, die Feldabtheilungen und Wirthschaftsarten nach richtigen Erfahrungen dargestellt waren. Dies Buch erlebte vier Auflagen und fand allgemeine Beachtung in weiten Kreisen der norddeutschen Landwirthe. Aus seiner litterarischen Thätigkeit ist somit dem strebsamen Autor manche Genugthuung erwachsen, welche ihn ebenso oft zu weiterem Vorgehen in der von ihm aus edlen Motiven verfolgten volkswirthschaftlichen Richtung ermunterte; er hat aber auch durch seine eigentliche Berufsthätigkeit große Verehrung in den betheiligten Kreisen sich erworben, so daß er mit dem schönen Bewußtsein, seine Kräfte zum Heile der Mitmenschen stets genützt zu haben, seinem Lebensende entgegensehen konnte.

Vgl. Neuer Nekrolog der Deutschen, Bd. VIII, und A. v. Lengerke, Landwirthschaftliches Konversationslexikon.