ADB:Schnitzler, Johann Heinrich

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Artikel „Schnitzler, Johann Heinrich“ von Wilhelm Wiegand in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 175–176, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schnitzler,_Johann_Heinrich&oldid=- (Version vom 19. Juli 2019, 06:30 Uhr UTC)
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Schnitzler: Johann Heinrich S., Statistiker, geboren am 1. Juni 1802 in Straßburg, erhielt seine wissenschaftliche Ausbildung am protestantischen Seminar seiner Vaterstadt und war von 1823–1828 als Hauslehrer in Kurland, dann in Petersburg thätig. Hier wußte er sich durch intensive Studien über die Vergangenheit und die damaligen Verhältnisse Rußlands gründlich zu unterrichten und empfing den Antrieb, der auf die wissenschaftliche Arbeit seines Lebens bestimmend wirken sollte. Dem europäischen Publicum die Kenntniß des Riesenreichs zu vermitteln, blieb fortan seine Hauptaufgabe und ihr diente schon sein erster schriftstellerischer Versuch, der 1829 erschien: „Essai d’une statistique générale de l’empire de Russie, accompagné d’aperçus historiques.“ Von 1828 bis 1847 lebte Schnitzler in Paris, wo er die Leitung der Encyclopédie des gens du monde übernommen hatte, einer durch das Brockhaus’sche Conversationslexikon angeregten Publication, die innerhalb 12 Jahren auf 44 Bände anschwoll. Eine Reihe statistischer und historischer Artikel in derselben stammen aus Schnitzler’s Feder, außerdem veröffentlichte er eine große Studie „La Russie, la Pologne [176] et la Finlande“ 1835, die sehr rasch in den in- und ausländischen Bibliotheken die Bedeutung eines zuverlässigen Handbuches gewann, ferner eine Geschichte der Thronbesteigung Kaiser Nikolaus I. und schließlich mehrere vergleichende statistische Arbeiten über Frankreich. Nach der Vollendung der Encyclopädie kehrte er in seine Vaterstadt zurück, wo er das für eine gelehrte Kraft wie die seinige höchst bescheidene Amt eines Inspectors der Gemeinde-Volksschulen übernahm. Seine Muße widmete er fortan fast vollständig seinen russischen Studien, deren Ergebnisse er in einer Reihe von Aufsätzen zunächst niederlegte, die in der Revue d’Alsace erschienen, und in dem capitalen vierbändigen Werke „L’Empire des Tzars au point de vue de la science actuelle“ 1856–1869, zusammenfaßte. Es ist ein encyclopädisches Repertorium, in dem Geographie, Ethnographie, Staat und Kirche sowie die ökonomische Lage Rußlands aufs eingehendste behandelt sind. Von der Wandlung und Entwicklung der dortigen Verhältnisse hatte er sich auf einer im J. 1864 auf Einladung des Kaisers Alexander II. unternommenen Reise durch das europäische Rußland persönlich überzeugt und die dabei gemachten Beobachtungen verwerthete er noch für die beiden letzten Bände seines großen Lebenswerkes. Wenn S. auch die dunklen Flecken in dem Bilde, das er von Rußland entwirft, nicht ganz verwischt, so verräth sein Urtheil doch überall Wohlwollen und eine gewisse Vorliebe und von der Expansionskraft sowie der wirthschaftlichen Zukunft des Czarenreiches überhaupt hegt er die höchsten Erwartungen. Wie weit die neueren Erscheinungen im politischen und gesellschaftlichen Leben dieses Staates ihn beeinflußt haben würden, steht dahin, da er schon vor Eintritt derselben, am 19. October 1871, starb.

Vergl. L. Spach, Moderne Culturzustände im Elsaß II, 277 ff.