ADB:Scholz, Wenzel

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Artikel „Scholz, Wenzel“ von Alexander von Weilen in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 230–231, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Scholz,_Wenzel&oldid=- (Version vom 17. September 2019, 13:14 Uhr UTC)
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Scholz: Wenzel S., Wiener Komiker, geboren zu Brixen in Tirol am 28. März 1787, ein Schauspielerkind, dessen Talent schon frühzeitig gegen den ihm aufgedrungenen Beruf eines Kaufmanns protestirte. Mit seiner Mutter wandernd, betrat S. 1811 zum erstenmal die Bühne, gastirte 1815 im Wiener Hofburgtheater, und wurde daselbst engagirt. Doch fühlt er selbst bald das Drückende der vornehmen Atmosphäre, er wird zum „Kasperl“, wie sein Vater strafend ausrief, und treibt sich in Steiermark und Kärnten herum, bis er 1826 zu Hensler an das Josefstädter Theater nach Wien gerufen wurde. Sein erstes Debut (5. April) als Diener zweier Herren geht unbeachtet vorüber, in einer Posse Meisl’s: die schwarze Frau, erringt er als Rathsdiener Klapperl einen beispiellosen Erfolg, der ihm bis an sein Lebensende treu blieb; als er zu Director Carl übertrat und mit Nestroy, dann auch mit Treumann zusammenwirkte, steigerte sich seine Beliebtheit bis zur Anbetung. Der schlaue Carl wußte seine finanziellen Calamitäten geschickt durch Vorschüsse, Darlehen, Kauf seiner Benefiz-Vorstellungen u. dgl. mehr auszubeuten, erst unter Nestroy’s Direction erhielt er auch eine entsprechende Entlohnung. Ein Versuch, ihn für das Burgtheater zu gewinnen, mißlang. Noch in seinem 71. Lebensjahre schloß er einen neuen Contract ab, auf zahlreichen Gastspielen trug er seine Wiener Komik mit großem Erfolge in Ausland. Als er am 5. October 1857 starb, hatte [231] das Kleeblatt Treumann-Scholz-Nestroy diejenige Kraft verloren, die am ursprünglichsten, am stärksten local-Wienerisch zu wirken verstanden hatte. Besonders neben Nestroy’s schneidenden Ironie war die ursprüngliche Harmlosigkeit Scholz’ unentbehrlich, der quecksilbernen Technik Treumann’s stellte er seine gutmüthige Ruhe entgegen. „Johann Nestroy und Wenzel S. schienen sich in die Erbschaft des Hanswurst getheilt zu haben: alle Schärfe und Beweglichkeit fiel Nestroy zu, alles Breite und Behagliche kam auf S. Nestroy mußte sich seinen Erfolg stets erringen, S. hatte schon gewonnen, wenn er erschien. S. war ein Vertreter der zuständlichen, duldenden, Nestroy ein Repräsentant der thätigen, der angreifenden Komik“ (Speidel). Das Wiener Publicum zog S. dem Nestroy vor, „viel harmlos-naiver“ nennt ihn Costenoble, sah man ihn oft, ließ sich eine gewisse Eintönigkeit, die allen specifisch wienerischen Komikern bis heute eigen ist, ihnen aber eher nützt als schadet, nicht absprechen. Ein ganzer Legendenkreis hat sich um seine Person gebildet, seine drolligen Dankreden, Impromptus und Extempores, deren sich der verhätschelte Liebling unzählige erlaubte, werden noch heute erzählt. Karl Haffner machte ihn zum Helden eines Dramas und eines Volksromans. Große künstlerische Ansichten dürfen wir von dem Volkskomiker nicht erwarten: sein Urtheil über Stücke war immer verkehrt, da war ihm Nestroy über. Doch bleibt seine Bescheidenheit und Selbsterkenntniß rühmenswerth, die sich in den gegen Nestroy ausgesprochenen Worten kundgibt: Ich allein bin nichts, du allein auch nichts, Treumann allein auch nichts, aber wir drei zusammen sind sehr viel!

Wurzbach 31, 212. – Josef Lewinsky, von Brettern und Podium. – Wichtig die anekdotenhaften Nachrichten Fr. Kaiser’s in der Morgenpost 1858 Nr. 70 ff. – Costenoble, Aus dem Burgtheater (1818–1837). – Ludwig Speidel, Die österreichische Monarchie in Wort und Bild. Abth. Wien S. 200.