ADB:Schröder, Christian Friedrich

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Artikel „Schröder, Christian Friedrich“ von Eduard Jacobs in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 503–504, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schr%C3%B6der,_Christian_Friedrich&oldid=- (Version vom 23. Januar 2022, 06:43 Uhr UTC)
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Schröder: Christian Friedrich S., geb. am 10. Nov. 1750 zu Wernigerode, starb daselbst am 21. Febr. 1800, Brockenschriftsteller. Die Familie stammte aus Westfalen und Christian Friedrich’s Vater, Johann Georg, der als gräflicher Rath und Oberamtmann verstarb, war der Sohn des Dr. jur. und Bürgermeisters Georg Wilh. S. in Bielefeld, der nach Wernigerode gezogen war und dort 1730 eine Tochter des gräfl. Bergraths Dr. med. Joh. Jak. Bierbrauer und einer geb. Gräfin v. Sayn-Wittgenstein geheirathet hatte. Christian Friedrich besuchte die Lateinschule seiner Vaterstadt, dann von 1768 bis Michaelis 1771 die Universität Halle, wo er sich dem Studium der Rechte widmete. In Gesinnung und Wandel kehrte er sich mit Entschiedenheit von dem in Wernigerode herrschenden Pietismus ab. Zahlreiche Zeugnisse hierfür enthält ein Stammbuch aus der Jugendzeit, besonders aber ein mit Papier durchschossenes Exemplar der „Jahrbücher des Brockens“, in welchem eine Fülle zeitgeschichtlich bemerkenswerther Urtheile über [504] Persönlichkeiten aus dem reichen damaligen Besucherkreise des Brockens niedergelegt ist. Sein Streben und Wesen, bei welchem ein hochgradiges Selbstbewußtsein stark hervortritt, waren für ihn in Wernigerode wenig empfehlend, und als der Vater, dem er, ohne bei der Regierung verpflichtet zu sein, bei seinen vielen Amtsgeschäften half, im J. 1783 darum bat, seinem Sohne die Eigenschaft als Justizcommissar zu ertheilen, wurde demselben nur die eines Amtscommissars beigelegt; in Wirklichkeit war er nur Amtscopist, als welcher er am 2. April 1784 vereidigt wurde. Seine geschickte treue Arbeit wurde anerkannt; aber nach drei Jahren gab er die ihm unleidliche untergeordnete Stellung auf und lebte zumeist seinen wissenschaftlichen Neigungen. Gegenstand derselben war mit einer ganz eigenartigen Beschränkung der merkwürdige Berg seiner engeren Heimath „der Brocken oder das Brockengebirge“, wie er am liebsten sagte. Auf ihn war sein Thun und Sinnen so sehr gerichtet, daß schon der 34jährige den Berg dreißig Mal bestiegen, mehr denn hundert Ausflüge in das engere oder weitere Brockengebiet unternommen hatte, und daß er gelegentlich von sich sagt: „Mein ganzes Leben ist Brockenreise“ (zum 1. Juli 1782, Jahrbb. des Brockens). Jene Neigung war vom Vater auf ihn übergegangen, den er schon in früher Jugend auf Wanderungen begleitet hatte, welche dieser im gräflichen Auftrage unternahm, um Brockenpflanzen für einen von Gleditsch in Berlin anzulegenden Versuchsgarten von Gebirgskräutern zu sammeln. Im Zusammenhange mit diesen Streifereien erwarb er viele natur-, besonders pflanzenkundliche Kenntnisse und als Hauptfrucht dieses Lernens und Bestrebens erschien im Jahre 1785 seine „Abhandlung vom Brocken und dem übrigen alpinischen Gebirge des Harzes“. Mit Kupfern und einer Karte. 1. Theil. 296 S. 8°. Dessau u. Leipzig. Die „zweite Auflage“ (Leipzig 1794) ist bis auf das Titelblatt lediglich die unveränderte ursprüngliche. Obwol dieses Buch, auf welches als 2. und 3. Theil eine die „Natur- und bürgerliche“ und das „Pflanzen- und Thierleben des Brockengebirges“ behandelnde Abhandlung folgen sollte, manche gute, besonders originale, Bemerkungen enthält, so leidet es doch entschieden an Weitschweifigkeit und handelt gar zu viel von des Verfassers eigenen Schicksalen und Empfindungen. Wie beliebt aber zu ihrer Zeit Schröder’s Schriften waren, von denen noch ein Sendschreiben an Lasius über verschiedene Höhenmessungen, zwei entdeckte große Magnetfelsen und andere merkwürdige Gegenstände des „Brockengebirges“ (Leipzig 1790), seine „Naturgeschichte und Beschreibung“ der von Goethe so genau untersuchten Baumanns- und besonders der Bielshöhle (1789. 1796), zwei Reisen nach „dem Roßtrapp“ und Brocken (1782. 1785) zu erwähnen sind, geht daraus hervor, daß beispielsweise die Schrift über die Baumanns- und Bielshöhe nicht nur in wenigen Jahren verkauft war, sondern daß mehrfach von ihren 64 Druckseiten Abschriften genommen wurden. Eine Urheberschaft bei den ihm zugeschriebenen 1791 in zwei Theilen bei Creutz in Magdeburg erschienenen „Jahrbüchern des Brockens“ hat S. selbst entschieden in Abrede gestellt.

Außer Schröder’s eigenen Schriften handschriftl. Quellen im fürstl. Archiv und Bibliothek zu Wernigerode.