ADB:Schwerin, Wilhelm Friedrich Karl Graf von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Schwerin, Wilhelm Friedrich Karl Graf von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 33 (1891), S. 427–428, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schwerin,_Wilhelm_Friedrich_Karl_Graf_von&oldid=- (Version vom 23. April 2019, 14:41 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Schwerin, Ulrich von
Band 33 (1891), S. 427–428 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Wilhelm Friedrich Karl von Schwerin in der Wikipedia
GND-Nummer 121236978
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Kopiervorlage  
* {{ADB|33|427|428|Schwerin, Wilhelm Friedrich Karl Graf von|Bernhard von Poten|ADB:Schwerin, Wilhelm Friedrich Karl Graf von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=121236978}}    

Schwerin: Wilhelm Friedrich Karl Graf v. S., preußischer Generallieutenant, ein Sohn des Landjägermeisters Hans Bogislaw v. S., des [428] Bruders des Generalfeldmarschalls Kurd Christoph v. S., am 11. December 1739 zu Berlin geboren und bei seinem Oheim in Schwerinsburg erzogen, trat 1753 als Gefreitencorporal in das Regiment des letzteren und ward bei Ausbruch des Siebenjährigen Krieges Adjutant bei Winterfeld, dessen am 7. September 1757 bei Moys erfolgten Tod er dem König Friedrich dem Großen meldete. Der König behielt ihn jetzt als Flügeladjutanten in seiner eigenen Umgebung, in welcher er verblieb, bis er 1758 bei Zorndorf verwundet in russische Gefangenschaft fiel. Nach Petersburg gebracht, gewann er die Gunst des Großfürsten Peter, ward 1760 ausgewechselt und 1762, als Peter Zar geworden war. mit jener Sendung zu ihm betraut, welche den Uebertritt Rußlands zur Partei seiner bisherigen Feinde zur Folge hatte. Nach dem Hubertusburger Frieden kehrte er in die Front zurück und war zum Generallieutenant, Chef eines Infanterieregiments, Generalinspecteur der Infanterie der westpreußischen Inspection und zum Gouverneur von Thorn aufgestiegen, als der Kampf des Jahres 1794 gegen die polnische Insurrection seiner soldatischen Laufbahn ein unerwünschtes Ende machte. Der Krieg hatte während des Sommers einen wenig glücklichen Verlauf genommen, König Friedrich Wilhelm II. verließ im Unmuth am 18. September den Schauplatz desselben und übertrug S. den Oberbefehl über die auf dem linken Weichselufer stehenden preußischen Truppen. Seine Leistungen in dieser Stellung befriedigten durchaus nicht, die Polen waren die Herren im Lande, die S. unterstellten Truppen erlitten mehrfache Niederlagen. Dafür und für alle Fehlschläge der preußischen Kriegführung, welche gegen Suworow’s thatkräftiges Vorgehen grell abstach, ward S. verantwortlich gemacht. Am 2. November erhielt dieser, „da seine Gesundheit noch schwankend sei“, die Weisung, das Commando abzugeben und nach Thorn zu gehen. S. glaubte, daß ihm Unrecht geschehen sei und bat um strengste Untersuchung seines Verhaltens. Der König rieth ihm auf die Untersuchung zu verzichten, S. aber bestand auf seinem Verlangen und es ward daher das gerichtliche Verfahren gegen ihn eröffnet. Es geschah in Königsberg, Generallieutenant v. Brünneck leitete dasselbe. Am 9. Mai 1795 ward zu Berlin unter Vorsitz des Generals v. Rohdich das Kriegsrecht abgehalten. Der Spruch lautete auf Verlust des Regiments und des Gouvernements, einjährigen Festungsarrest und Erstattung aller Untersuchungskosten. Auch eine 1790 vom Könige zur Partialzahlung seiner Gläubiger ihm bewilligte jährliche Zulage von 2000 Thaler ward eingezogen. Strafgründe waren lediglich militärische Fehler und Unterlassungssünden, keinerlei unehrenwerthe Handlungen, Feigheit, Verrath oder dergleichen. S. büßte seine Strafe in Graudenz ab, wo er die Erlaubniß hatte, in der Stadt zu wohnen. Als Friedrich Wilhelm II. gestorben war, bemühte er sich um Wiederanstellung. Seine Bitte ward abgeschlagen, dagegen gestattete König Friedrich Wilhelm III. ihm, um was er der Form wegen gleichfalls gebeten hatte, in fremde Dienste zu gehen. Er starb auf einer Reise nach Hamburg am 17. August 1802 zu Doberan. Zu seiner Rechtfertigung schrieb er eine „Wahre und mit Aktenstücke belegte Darstellung der Veranlassung, auf welche ich nach 43 Dienstjahren aus dem Königlichen Preuß. Militärdienste entlassen worden bin“ (Leipzig 1798); ein zweites Titelblatt der 2. Auflage (Leipzig 1799) lautet: „Muster für Stabsofficiere Rapporte zu machen“. Eine Gegenschrift veröffentlichte der am meisten von ihm angegriffene seiner Unterbefehlshaber, General Graf Klinkowström, als „Berichtigungen einiger Angaben, welche in dem Buche u. s. w. enthalten sind“ (Berlin 1799).

Genealogisch-Militärischer Kalender, Berlin 1792. – L. Gollmert, Wilhelm und Leonhard v. S., Geschichte des Geschlechts v. S., 2. Bd., Berlin 1878. – O. Schwebel, Die Herren und Grafen von S., Berl. 1885.