ADB:Seeger, Adolf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Seeger, Adolf“ von Eugen Schneider in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 33 (1891), S. 570, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Seeger,_Adolf&oldid=- (Version vom 21. August 2019, 16:17 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 33 (1891), S. 570 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand November 2014, suchen)
GND-Nummer 117443409
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|33|570|570|Seeger, Adolf|Eugen Schneider|ADB:Seeger, Adolf}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=117443409}}    

Seeger: Adolf S., als Sohn eines Präceptors in Wildbad am 13. Mai 1815 geboren, studirte zu Tübingen die Rechtswissenschaft und, da er frühe das Bedürfniß empfand, sich eine bestimmte Weltanschauung zu bilden, die Philosophie. Von hoher Begeisterung für das Vaterland erfüllt, rief er hier trotz polizeilicher Verbote die Burschenschaft wieder ins Leben und er ist einer von den Männern, welche die bei deren Stiftung ausgesprochenen Gedanken ihr Leben lang zur Geltung zu bringen suchten. Zunächst wandte er sich dem Staatsdienste zu, zuerst als Richter, dann unter dem Minister Schlayer, der an Seeger’s Freisinn keinen Anstoß nahm und dessen hervorragende Tüchtigkeit erkannte, als Rath bei der Regierung. Das Märzministerium des Jahres 1848 wies ihm den schwierigen Posten des Stadtdirectors in Stuttgart zu, wo es ihm gelang, in kritischen Augenblicken die Ordnung aufrecht zu halten. Die Niederlage der demokratischen Partei und die Entlassung des Märzministeriums brachten S. 1850 eine unerbetene Versetzung nach Ludwigsburg; er wich ihr aus, indem er seinen Abschied nahm und sich dem Berufe des Rechtsanwalts widmete. Schon 1848 war er in Neuenbürg zum Abgeordneten für den Landtag gewählt worden, dem er dann mit Ausnahme der Jahre 1856–61 bis zu seinem Tode, zuletzt für Freudenstadt, angehörte. Sein scharfer Verstand, sein klarer Vortrag, seine hinreißende Redegewandtheit verschafften ihm bald einen großen Einfluß auch im Landtage; nach Schoder’s Tod war er der berufenste Führer der liberalen Partei Württembergs. Ein langjähriges Brustleiden brach frühe seine Kraft; 1½ Jahre nach seinem älteren, gleichfalls als Politiker, zugleich als Dichter ausgezeichneten Bruder Ludwig (s. u.) starb S. am 15. Sept. 1865 in Stuttgart. Sein Streben galt der Einigung Deutschlands; als deren Hauptfeind bekämpfte er den Particularismus der einzelnen Staaten in der württembergischen Kammer wie im Nationalverein, dessen Ausschuß er angehörte. Sein Feuereifer trug ihn manchmal zu weit, die kantige äußere Seite seines Wesens stieß vielfach ab; doch auch die Gegner ließen seinem Charakter Gerechtigkeit widerfahren. Neben der politischen Thätigkeit erwarb sich S. als Mitgründer und Rechtsrath der Lebensversicherungs- und Ersparnißbank zu Stuttgart Verdienste.

Nachruf von Julius Hölder; Nekrolog im Schwäbischen Merkur von 1865, No. 220.