ADB:Seidl, Michael

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Seidl, Michael“ von Carl Leisewitz in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 33 (1891), S. 639–640, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Seidl,_Michael&oldid=- (Version vom 18. Oktober 2019, 14:04 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Seidl, Johann Gabriel
Nächster>>>
Seidler, August
Band 33 (1891), S. 639–640 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Michael Seidl in der Wikipedia
GND-Nummer 138418217
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|33|639|640|Seidl, Michael|Carl Leisewitz|ADB:Seidl, Michael}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=138418217}}    

Seidl: Michael S., Wirthschaftsrath und Secretär bei der k. k. patriotisch-ökonomischen Gesellschaft in Böhmen, ordentl. Mitglied und Cassirer der königl. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften, † in Prag am 25. Januar 1842. Er wurde im J. 1769 zu Libeschitz im Saazer Kreise, wo sein Vater Landbaumeister war, geboren und, weil er als Knabe viel musikalisches Talent zeigte, auch zunächst für das Lehrfach ausersehen. Durch sein lobenswerthes Verhalten und seine Leistungen in der Musik erwarb er sich die Gunst des Grafen Adalb. v. Cžernin, welcher ihn auch nach Prag zum Besuch einer Bildungsanstalt schickte. Daselbst that er sich zwar bald durch großen Eifer und vorzügliche Fähigkeiten hervor, erzielte auch namentlich in der Mathematik bedeutende Fortschritte, ließ aber dennoch nach kurzer Zeit seinen ursprünglichen Plan fallen und wurde sodann von seinem Gönner veranlaßt, sich der Landwirthschaft [640] zu widmen und zur Erlernung derselben auf die Grundherrschaft Zasmuck zu gehen. Als er auch hier durch seine Thätigkeit und Strebsamkeit die volle Anerkennung des Principals gefunden hatte, nahm ihn sein vorhin genannter Gönner zu sich, übertrug ihm zuerst das Amt eines Burgverwalters und ernannte ihn später zum Wirthschaftsrathe mit dem Mandat, die Leitung der ganzen gräflichen Herrschaft zu führen. Hierbei entwickelte S. ebenso große Umsicht wie Sachkenntniß und Energie, er rechtfertigte das Vertrauen seines Wohlthäters in jeder Beziehung, versäumte aber auch keine Gelegenheit, durch Anstellung geeigneter Versuche resp. Beobachtungen weitere Aufschlüsse zu gewinnen und Material zur Bereicherung seiner Fachkenntnisse zu sammeln. Als er durch den Tod seines Principals zwar des Amtes ledig geworden, zugleich aber in den Genuß einer belangreichen Pension versetzt war, ging er wieder nach Prag, nahm eine Stellung bei der k. k. patriotisch-ökonomischen Gesellschaft an und wurde 1827 der Nachfolger des Secretärs derselben. In diesem Amte suchte er seine gediegenen Fachkenntnisse im Interesse der Gesellschaft wie zum Besten der böhmischen Landwirthschaft zu verwerthen, redigirte die Schriften des genannten Vereins und lieferte selbst mehrere beachtenswerthe Abhandlungen dazu. Unter diesen haben namentlich die Schrift: „Ueber Erschöpfung des Bodens durch Ernten und über den nöthigen Ersatz, der jenem mittels Düngung geleistet werden muß“, sowie die mit großem Scharfsinn und mathematischer Exactheit durchgeführte Abhandlung: „Ueber den Holzzuwachs im Hochwalde“, größere Beachtung gefunden. Nachdem er noch im 72. Lebensjahre bei voller Rüstigkeit, als Abgeordneter seiner Gesellschaft, die V. Versammlung deutscher Land- und Forstwirthe zu Doberan in Mecklenburg besucht hatte, verfiel er in eine Krankheit, welche wider Erwarten tödtlichen Ausgang nahm.

Vgl. Dr. A. v. Lengerke: Landwirthschaftliches Konversationslexikon, Supplementband.