ADB:Sieberer, Jacob

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Artikel „Sieberer, Jacob“ von Karl Sommeregger in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 54 (1908), S. 338–340, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sieberer,_Jacob&oldid=- (Version vom 16. Oktober 2019, 05:12 Uhr UTC)
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Sieberer: Jacob S., Tiroler Landesschützen-Major, geboren am 14. Juli 1766 zu Thiersee im Landgerichte Kufstein, entstammte einem alten siegelmäßigen Bauerngeschlechte und war der Sohn eines Holzarbeiters im Eisenwerke zu Kiefer. Nach Beendigung der Dorfschule fungirte er als Meßner und besorgte gleichzeitig den Unterricht der Dorfjugend. In der Kufsteiner Schützencompagnie eingetheilt, that er sich schon am 2. November 1796 als Oberjäger bei der Vertheidigung des Dorfes Faèdo besonders hervor. Im darauffolgenden Jahre führte S. bereits als Oberlieutenant den Landsturm seines Thales, als Joubert im März bis gegen Sterzing vorgedrungen war; er kämpfte mit Bravour bei Spinges und half mit aufopferndem Diensteifer den Feind durch das Pusterthal nach Kärnten verfolgen. 1799 commandirte er als Hauptmann die Schützencompagnie im Oberinnthale, im Engadin und Bündten, und hielt die zur Landesvertheidigung berufenen Leute durch sein Beispiel und Worte der Ermunterung über ihre Einberufungszeit zusammen. Im verhängnißvollen Winter 1800, als Tirol von allen Seiten eingeschlossen, die kaiserliche Armee nach Baiern gedrückt und Italien in Feindeshand war, bemühte sich S. als Districtscommandant im Unterinnthal mit hingebendem Eifer, die erforderliche Vertheidigungsmannschaft in Tirol aufzubringen. Am 30. November und 2. December 1800, nach dem Unglückstage bei Hohenlinden und Moreaus Innübergang bestand S. bei Aurach, Bairisch Zell und Thiersee gegen überlegene Feindesmacht siegreiche Gefechte, in welchen sein Oheim Josef, sein Bruder Johann und sein Vetter Jacob Sieberer tot an seiner Seite fielen. Er selbst kämpfte überall auf dem gefährlichsten Platze und fand nicht eher Zeit für die Trauer um die Seinen, bis er den Gegner auf allen Seiten zurückgeworfen hatte. – S. bewährte seine Umsicht auch später nach dem unglücklichen Gefechte bei Salzburg. Nachdem er sich schon früher die kaiserliche silberne und ständische Tapferkeitsmedaille erworben hatte, wurde ihm in Würdigung dieser Thaten die goldene große Ehrenmedaille verliehen. – Nicht [339] minder zeichnete er sich im Kriegsjahr 1805 aus, indem er die Pässe Hörhag und Kiechlsteg besetzte und am 6. November bedeutende feindliche Streitkräfte nach einem fünfstündigen hartnäckigen Gefechte zum Rückzug zwang. – In dem denkwürdigen Jahr 1809 entfa1tete er als Landesschützen-Major eine große Thätigkeit. Er bot von allen Seiten den Landsturm auf, schnitt mit diesem die Communicationen ab und hatte schon im April die Festung Kufstein eingeschlossen, welche Festung er im Vereine mit Speckbacher in den Monaten April bis Juni belagerte. Mit vier Sechspfündern und zwei Haubitzen, welche die Bauern in Innsbruck erobert hatten und welche er auf dem höchsten, die Stadt völlig beherrschenden Punkt des Stadtberges aufstellen ließ, wurde die Festung Ende April mit so gutem Erfolge beschossen, daß das in den Festungswerken aufgehäufte Brennholz in Brand gerieth. Leider nahm die Beschießung wegen Pulvermangels ein vorzeitiges Ende, da eine feindliche Bombe in den angelegten Pulvervorrath der Belagerer fiel und denselben zerstörte. Als der weit überlegene Feind am 13. Mai die Posten Hörhag, Kiechlsteg und Thierberg angriff, vertheidigte S. als Commandant der ersten zwei Posten dieselben standhaft von 4 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags; erst nachdem der vom Major Margreiter schlecht vertheidigte Posten Thierberg verlassen wurde, mußte sich S., um nicht abgeschnitten und gefangen zu werden, über den Kaiserberg nach Brixenthal durchschlagen. S., dessen Einsicht und ruhige Besonnenheit ihn besonders zu Verhandlungen geeignet machten, stand dem wackeren Andreas Hofer sehr zur Seite und wurde von ihm zu wichtigen Missionen verwendet. So wurde er am 25. Mai 1809 von diesem in das Hauptquartier des Erzherzogs Johann nach Körmend in Ungarn abgeordnet. Mitte Juni traf er von dort wieder auf seinem Posten in Kufstein ein, erhielt neuerdings das Commando auf dem rechten und linken Innufer und ernannte Speckbacher zum Untercommandanten auf dem rechten Ufer. S. schlug am 2. Juli einen Ausfall der Festungsbesatzung mit großer Bravour zurück und eroberte eine feindliche Fahne. Er war es auch, der am 14. September 1809 in Gemeinschaft mit den beiden Landesvertheidigungsofficieren Eisenstecken und Frischmann von Kaiser Franz den ehrenvollen Auftrag erhielt, 3000 Ducaten als Unterstützung für das Land und die große goldene Kette an Andreas Hofer zu überbringen. Nach dem unglücklichen 1. November 1809, als durch des Schützenmajors Firler unglückselige Anordnungen die Tiroler von den beiden bairischen Divisionen Kronprinz und Wrede total geschlagen und entmuthigt worden, war es wieder S., der die Ordnung und Ruhe wieder herstellte und die schwer erregten Gemüther beschwichtigte. – Am 3. November wurde er im Vereine mit dem Priester Donay aus Hofer’s Hauptquartier Steinaich nach Villach entsendet, wo sich eben der Vicekönig von Italien befand, um diesem die Unterwerfungsacte der Tiroler zu überbringen. Nach seiner Rückkehr begab sich S. am 15. November im Auftrage des französischen Marschalls Drouet nach dem Oberinnthale, wo bei der Unruhe der Gemüther über den Stand der Dinge die Gährung sichtlich im Steigen begriffen war. Dort sollte er durch Belehrung über den Friedensschluß die Verständigung und Besänftigung der Bevölkerung bewirken. Aber dieser wohlgemeinte Versuch fiel übel aus. Das Wort Friede genügte, um die Gemüther noch mehr zu reizen und die Erbitterung aufs höchste zu steigern. Unter blutigen Mißhandlungen wurde sein Leben von der Bevölkerung bedroht. Gleich einem Verbrecher wurde er als ein Opfer der Volkswuth vor den Passeyer Sandwirth gebracht, und von diesem selbst verkannt, mußte er den schmählichen Vorwurf des Vaterlandsverrathes über sich ergehen lassen. Als dann die Baiern im Lande die Herren waren, erging es ihm von Seiten derselben nicht besser. Der Commandant [340] der Festung Kufstein, der noch von der oben erwähnten Blokade der Festung her einen Groll auf ihn hatte, ließ ihn ohne allen weiteren Grund in der Nacht vom 2. Februar 1810, als S. im Bette lag, ergreifen und in den Kaiserthurm werfen. Erst auf des General Deroy Befehl wurde S. wieder freigegeben. Alle diese Unbilden hatten S. den ferneren Aufenthalt in der Heimath gründlich verleidet; er verließ dieselbe, übersiedelte nach Oberösterreich, kaufte das Gut Ottensheim bei Linz und trat als Major in die kaiserliche Armee. Nach der Wiederkehr des europäischen Friedens im J. 1814 sah er noch einmal auf dem Durchmarsch mit seiner Truppe seine Heimath. In Mantua erkrankte er und in Trient starb er am 5. Mai 1814. Zwei seiner Söhne traten in die kaiserliche Armee, wovon der eine, Jacob, k. k. Oberst und für seine Waffenthat bei Magenta Ritter des Leopold-Ordens wurde.

K. u. k. Kriegsarchiv. – Hormayr, Geschichte Andreas Hofers. – Wurzbach, Biographisches Lexikon.