ADB:Sigeboto

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Artikel „Sigeboto“ von Paul Mitzschke in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), S. 247–248, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sigeboto&oldid=- (Version vom 29. März 2020, 16:30 Uhr UTC)
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Sigeboto: Mönch des thüringischen Benedictinerklosters Paulinzelle, von Geburt aber vermuthlich ein Süddeutscher und in Hirschau vorgebildet, von wo er um 1119 nach Paulinzelle scheint versetzt worden zu sein. Dort verfaßte er in den Jahren 1132–1133 eine lateinische Lebensbeschreibung Paulinens, der im Jahre 1112 gestorbenen Stifterin und Namensgeberin des Klosters. Ueber Sigeboto’s äußere Lebensumstände ist nichts weiter bekannt. Aus seinem Werke lernen wir ihn kennen als einen Mann von achtungswerther Gelehrsamkeit, der in den kirchlichen Schriftstellern wie in der alten Profanlitteratur wohl bewandert war und auch geschichtliche und geographische Kenntnisse besaß. Sein Stil ist von charakteristischer Eigenart, elegant, gewählt, oft gekünstelt und dadurch bisweilen [248] undurchsichtig. In politischer Beziehung war S., wie von einem vormaligen Hirschauer nicht anders zu erwarten, Gregorianer, seiner Erbitterung gegen den Kaiser machte er mehrmals in starken Ausdrücken Luft, doch ist seine Darstellung im übrigen besonnen, ruhig, wahrheitsliebend, ja selbst kritisch, sodaß sein Werk nicht wie manche zeitgenössische Schriften ähnlicher Art zum wunder- und schmeichelsüchtigen Panegyrikus wird, sondern bei aller Verehrung für die Heldin doch auch an deren Schwächen mit schonender Rücksicht erinnert. Neben dem laufenden Faden der Hauptereignisse flicht S. auch minder wichtige Begebenheiten und nebensächlichere Züge zwanglos ein, wodurch er seiner Darstellung eine plastische Anschaulichkeit verschafft, die vor uns ein lebendiges Bild damaliger Zustände aufrollt. Die Vita Paulinae umfaßt 54 Capitel und behandelt außer dem vollständigen Lebenslauf der Heldin auch noch die Schicksale ihrer Stiftung Paulinzelle bis zur Einweihung der Klosterkirche (1132) und endgültigen Beisetzung von Paulinens Gebeinen in derselben. In einer Episode werden wir mit einigen Momenten aus dem Leben des Merseburger Bischofs Werner (1063–1093), der Paulinens Vatersbruder war, bekannt gemacht. Die hierauf bezüglichen Capitel sind von einem Benutzer frühzeitig abgetrennt und als besondere Vita Wernheri in Umlauf gesetzt worden. (Vgl. Monum. Germ. Hist. Script. XII, 244–248.) Weitere Benutzungen Sigeboto’s lassen sich nachweisen bei Nikolaus von Siegen, sowie bei Mader und mittelbar in der sogen. deutschen Lebensbeschreibung Paulinens, bei Trithemius und Paulus Jovius. Seit dem 17. Jahrhundert galt Sigeboto’s Vita Paulinae als verloren, die Bemühungen sie aufzufinden, blieben erfolglos. Neuerdings ist es dem Unterzeichneten geglückt in einem Sammelbande der Großherzoglichen Bibliothek zu Weimar das Werk in einer Abschrift vom Ende des 15. Jahrhunderts wieder zu entdecken und nach dieser Vorlage ist die editio princeps bearbeitet worden.

E. Anemüller, Sigeboto’s verlorene Vita Paulinae. Im Neuen Archiv der Gesellsch. f. ä. d. G. X, 9–34. – P. Mitzschke, Sigeboto’s Vita Paulinae, zum erstenmale herausgegeben. Gotha 1889. – Stälin, Sigeboto’s Vita Paulinae. In den Göttinger Gelehrten Anzeigen 1890, Nr. 3, S. 116–120.